Millionendiebstahl bei Tauschbörse Bitcoin-Anleger verlieren ein Drittel ihrer Einlagen

Bitcoin im Wert von rund 58 Millionen Euro sind Nutzern der Digital-Börse Bitfinex gestohlen worden. Der Verlust soll nun auf alle Kunden umgelegt werden.

Bitcoin-Logo in Hongkong
REUTERS

Bitcoin-Logo in Hongkong


Die Börse für Digitalwährungen Bitfinex will nach dem Diebstahl von Bitcoin im Wert von umgerechnet rund 58 Millionen Euro den Betrieb wieder aufnehmen. Der Verlust soll auf alle Kunden umgelegt werden, teilte Bitfinex weiter mit. Jeder Nutzer werde damit 36 Prozent seiner Einlagen verlieren - unabhängig davon, ob das eigene Konto vom Diebstahl betroffen war oder nicht.

Die Plattform werde zunächst in einem beschränkten abgesicherten Modus wieder online gehen, teilte Bitfinex mit. Dabei sei es für die Nutzer nur möglich, sich in ihre Accounts einzuloggen, aber keine Transaktionen zu tätigen. Außerdem müssten sie ihre Passwörter ändern.

Um die Verluste der Kunden zu kompensieren, setzt Bitfinex auf eine Art Gutscheinsystem. Alle Nutzer der Tauschbörse aus Hongkong sollen Token bekommen. Diese könnten eventuell später eingelöst oder in Anteile der Bitfinex Muttergesellschaft iFinex umgewandelt werden.

Wie genau die Entschädigung aussehen könnte, und wie Bitfinex sie bezahlen will, darüber werde aber noch mit potenziellen Investoren verhandelt, heißt es weiter. Die Methode, mit der der 36-prozentige Abschlag für alle Nutzer der Börse berechnet wurde, will Bitfinex ebenfalls erst in den kommenden Tagen erklären.

Bitcoin ist eine digitale Währung, die im Internet entstand. Sie ist seit 2009 im Umlauf. Bitcoins werden in komplizierten Rechenprozessen auf den Computern der Nutzer erzeugt, können aber auch im Internet bei Börsen wie Bitfinex mit etablierten Währungen wie Dollar oder Euro gekauft werden. Bitfinex gilt als größter Handelsplatz von Tauschgeschäften von Bitcoin gegen Dollar.

Zweitgrößter Bitcoin-Diebstahl der Geschichte

Unklar ist nach wie vor, wie es zu dem Diebstahl gekommen war. Durch das Sicherheitsleck waren im großen Stil Bitcoin-Beträge von Nutzerkonten gestohlen worden. Dabei wurden fast 120.000 Bitcoin erbeutet. Nach der Attacke brach der ohnehin sehr volatile Kurs der Digitalwährung zum Dollar um mehr als 20 Prozent ein, erholte sich seitdem aber wieder leicht. In Tokio wurde ein Bitcoin am Montag mit 595 Dollar gehandelt nach einem Tiefstand von 577 Dollar nach Bekanntwerden des Angriffs.

Der Vorfall bei Bitfinex gilt als zweitgrößter Bitcoin-Diebstahl in der Geschichte der Tauschbörsen. Beim bislang größten Diebstahl 2014 an der japanischen Bitcoin-Börse "Mt. Gox" wurden 744.000 Bitcoin gestohlen. "Mt. Gox" musste damals Konkurs anmelden.

Das Bitcoin-System funktioniert auf Basis der Blockchain-Technologie. Dabei handelt es sich um eine verschlüsselte Datenbank, in der alle Transaktionen gespeichert werden. Dabei werden neue Informationen wie weitere Blöcke in chronologischer Reihenfolge an die Kette vorheriger Daten angehängt - daher auch der Name (auf deutsch: Kette von Blöcken). Das System soll gewährleisten, dass die virtuellen Münzen nur einmal ausgegeben werden können.

Während das Blockchain-System weiterhin als sicher gilt, sind die virtuellen Geldbörsen ("Wallets") und Tauschbörsen wie Bitfinex immer wieder Ziel von Hackerattacken. Von dem Angriff bei Bitfinex waren offenbar die Konten betroffen, die mit mehreren Signaturen abgesichert waren. Beim "2-of-3-Key"-Verfahren werden drei Schlüssel generiert. Zum Aufschließen der Konten reichen dann zwei der drei Schlüssel.

brt/dpa



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