Betrieb eingestellt Bitcoin-Börse Mt. Gox vertröstet ihre Kunden

Die populäre Bitcoin-Tauschbörse Mt. Gox schließt auf unbestimmte Zeit. Das teilen die Betreiber in einer knappen Meldung mit. Ob tatsächlich Kundenguthaben gestohlen wurden, ist weiterhin unklar.

Protest vor Mt.-Gox-Büro in Japan: Sorge um die Kundenguthaben nicht ausgeräumt
REUTERS

Protest vor Mt.-Gox-Büro in Japan: Sorge um die Kundenguthaben nicht ausgeräumt


In der Nacht zum Dienstag ist die Webpräsenz der Bitcoin-Tauschbörse Mt. Gox verschwunden, nun versucht das Unternehmen, die Aktion mit einem dürren Hinweis zu rechtfertigen. Man habe sich entschieden, "alle Transaktionen auszusetzen, um die Seite und die Nutzer zu schützen". Die Betreiber der einst enorm populären Tauschplattform erklären ihr Verhalten nicht weiter. Man beobachte die Situation und werde gegebenenfalls reagieren. Kurz gesagt: Mt. Gox schließt auf unbestimmte Zeit.

Durch diese Aktion sind zum Teil enorme Kundenguthaben eingefroren. Denn Mt. Gox hatte neben dem Tausch von Dollar in Bitcoin Nutzern auch Kontoführung angeboten - die Firma speicherte die Bitcoins der Kunden auf den eigenen Servern.

Einige Investoren protestierten vor dem Tokioter Büro und forderten Auskunft über den Verbleib ihrer Anlagen. "Ich bin sehr verärgert", sagte Kolin Burgers, der nach eigener Auskunft Bitcoins im Wert von bis zu 300.000 Dollar bei Mt. Gox im Depot hatte. "Das ist wohl alles weg." Angebliche interne Papiere besagen, dass durch einen technischen Fehler bei Mt. Gox über Jahre eine hohe Summe Bitcoin gestohlen werden konnte.

Für die Cyber-Währung, die man an den Bitcoin-Börsen in staatliche Währungen tauschen kann, bedeutet der Fall Mt. Gox einen weiteren Rückschlag. Erst im Januar waren in den USA zwei Organisatoren solcher Handelsplattformen wegen des Verdachts auf Geldwäsche festgenommen worden.

Nun herrscht Unklarheit über die Zukunft von Mt. Gox, die 2010 gegründet wurde und damit eine der ältesten Bitcoin-Börsen ist. Anfang Februar sperrte das Unternehmen alle Konten wegen "ungewöhnlicher Aktivitäten" bis auf weiteres. Nutzer hatten schon länger Sicherheitslücken bemängelt. Am Sonntag trat der Mt.-Gox-Chef Karpeles als Vorstand der Handelsorganisation Bitcoin Foundation zurück.

Andere Bitcoin-Börsen gingen auf Distanz zu Mt. Gox und erklärten, das Problem liege bei dem Unternehmen, nicht bei der Währung selbst. "Dieser tragische Vertrauensbruch bei Kunden von Mt. Gox resultiert aus dem Verhalten des Unternehmens und spiegelt nicht die Seriosität oder den Wert von Bitcoins wieder", erklärten die sechs Handelsplätze Coinbase, Kraken, Bitstamp, BTC China, Blockchain and Circle in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Allerdings hatten auch andere Betreiber von Bitcoin-Börsen mit Sicherheitsproblemen und Hackerattacken zu kämpfen.

lis/Reuters

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insgesamt 45 Beiträge
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Seite 1
bit4coin 25.02.2014
1. Mir tut es um alle geprellten Kunden leid...
... allerdings war es leider schon länger absehbar, dass Mt. Gox größere Probleme hat. Außerdem war die Kommunikationspolitik mehr als mangelhaft. Unsere Einschätzung ist aber, dass der Vorgang Bitcoin mittelfristig eher nutzen als schaden wird - also nicht panikartig verkaufen! :-)
allesluege 25.02.2014
2.
Zitat von sysopAFPDie populäre Bitcoin-Tauschbörse Mt. Gox schließt auf unbestimmte Zeit. Das teilen die Betreiber in einer knappen Meldung mit. Ob tatsächlich Kundenguthaben gestohlen wurden, ist weiterhin unklar. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/bitcoin-boerse-mt-gox-vertroestet-ihre-kunden-a-955636.html
Sollte mich jemand mit solch einer Google-Glass-NSA-Stasi Brille filmen wie auf dem Foto zu sehen, würde er Schwierigkeiten bekommen. Ich weiss das die Dummheit nicht ausstirbt, aber bei allem was schon zum vorschein gekommen ist seine Dummheit noch zur Schau stellen und für eine Beta-Brille noch 1500$ bezahlen? Was die Bitcoins angeht, der Crash kommt auch dort!
ollimorp 25.02.2014
3. @bit4coin - Warum leid?
Ich war zwar nicht bei Mt. Gox, aber es wusste jeder dass es keine Versicherung und auch keinen Bürgen für unsere Einlagen gibt. Von dem her war es eine doppelte Zockerei, dessen Risiko sich nicht nur auf den Kurs beschränkt. Ist natürlich Sche*sse für den Einzelnen, aber hilft nichts - futsch ist futsch ;)
schniggeldi 25.02.2014
4.
Zitat von bit4coin... allerdings war es leider schon länger absehbar, dass Mt. Gox größere Probleme hat. Außerdem war die Kommunikationspolitik mehr als mangelhaft. Unsere Einschätzung ist aber, dass der Vorgang Bitcoin mittelfristig eher nutzen als schaden wird - also nicht panikartig verkaufen! :-)
Allerdings. Eine Firma die für die Beantwortung einer eindeutig formulierten und relevanten (Neu)kundenanfrage länger als eine Woche braucht ist dubios. Habe daraufhin davon Abstand genommen ein "Konto" einzurichten, das erweist sich nun als richtig.
rolandofurioso 25.02.2014
5. Problem der Justiziabilität
Für die Leute, deren Bitcoin-Einlagen nun „eingefroren“ bzw. möglicherweise für immer verloren sind, besteht das große Problem, dass auf dem Rechtsweg nur schwerlich etwas auszurichten sein wird. Nicht nur, dass über Landesgrenzen hinweg geklagt werden müsste: Das technische System (... womit ich keineswegs alleine die IT-Infrastruktur seitens MtCox meine!), auf dem diese sog. „Cyber-Währung“ basiert, ist derart komplex, dass selbst absolute Experten Wochen oder Monate damit beschäftigt sein dürften, sich Durchblick zu verschaffen. In den entsprechenden Rechtsstreits werden sich somit nicht nur Anwälte, sondern auch die als Gutachter zu bestellenden IT-Experten eine goldene Nase verdienen. Und was nach Monaten oder gar Jahren dabei herauskommen wird, steht in den Sternen. Selbst wenn man Bitcoins im Wert von mehreren hunderttausend Euro bei MtGox deponiert haben sollte, sollte man sich gut überlegen, den Rechtsweg zu beschreiten – das Risiko ist einfach zu groß, hinterher auf exorbitanten Prozesskosten sitzen zu bleiben. Keine guten Voraussetzungen also für eine „Währung“, deren „geniales“ technisches Konzept der Tastatur eines Anonymous entsprungen ist, von dem / der man alleine weiß, dass er / sie einmal eine E-Mail-Adresse bei gmx unterhalten hat.
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