Krypto-Währung in der Krise Hacker suchen die Bitcoin-Wahrheit

Die Krypto-Währung Bitcoin ist in einer existentiellen Krise, nachdem am Freitag die Bitcoin-Handelsplattform Mt. Gox Insolvenz beantragte. Jetzt wollen Hacker herausfinden, wie es zu diesem Totalversagen kommen konnte.

Bitcoin (Symbolbild): Vertrauen geschwächt
REUTERS

Bitcoin (Symbolbild): Vertrauen geschwächt


Als am Freitag die Bitcoin-Handelsplattform Mt.Gox Insolvenz beantragte, war zwar der Höhepunkt der Krise um Bitcoin erreicht - aber eine Antwort auf die wichtigste Frage noch immer nicht gefunden: Wie kann eine auf Dezentralität und Stabilität getrimmte virtuelle Cash-Währung so von einer einzigen Institution abhängen? Und wie konnte es überhaupt zu so einem Totalversagen kommen?

Für Mt.-Gox-Chef Mark Karpelès ist der zweite Teil der Frage halbwegs klar: In einer Stellungnahme auf seiner Website erklärt er, dass "höchstwahrscheinlich" Datendiebstahl der Grund für das plötzliche Verschwinden riesiger Mengen Bitcoin war, das zum Mt.-Gox-Crash führte. Ihm zufolge kamen auf Mt. Gox rund 750.000 Bitcoin von Mt.-Gox-Kunden und 100.000 Bitcoin der Bank abhanden. Eine Bitcoin ist am Montagmittag um die 430 Euro wert. Allein die kurzfristigen Verbindlichkeiten von Mt. Gox belaufen sich den Angaben der Betreiber zufolge auf etwa 47 Millionen Euro, die Summe der derzeit nicht zugänglichen Vermögenswerte aber liegt weit höher.

Eine Auswertung aller vergangenen Bitcoin-Transaktionen soll Klarheit bringen - und Karpelès den Weg ebnen, Mt. Gox wiederauferstehen zu lassen, um seine Schulden zurückzahlen zu können. Zumindest in Japan können besorgte Mt.-Gox-Kunden über eine Hotline Hilfe suchen - wahrscheinlich ist das japanische Unternehmen (mit Sitz in Shibuya) dazu rechtlich verpflichtet.

Denn dass Bitcoin eine Zukunft hat, daran möchte Karpelès nicht zweifeln, zeigte sich auf einer Pressekonferenz. "Die Bitcoin-Branche ist gesund und wächst, auch in Zukunft. Das Wichtigste ist nun, den Schaden zu minimieren."

Vertrauenskrise bei japanischen Hackern

Dass es dazu kommt, daran zweifeln derzeit viele. "Die aktuellen Ereignisse im Zusammenhang mit Mt.Gox haben das Vertrauen in Bitcoin geschwächt", sagte etwa Bundesbank-Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele der "Neuen Osnabrücker Zeitung" am Samstag. "Vertrauen ist aber, neben den rechtlichen Rahmenbedingungen, zusammen mit Stabilität und Sicherheit einer der wichtigsten Bausteine einer Währung." Thiele zieht den dauerhaften Bestand von Bitcoin in Zweifel.

Zumindest das Vertrauen in Mt. Gox und den Aufklärungswillen Mark Karpelès' ist offenbar bei einigen japanischen Hackern nicht vorhanden. Sie brachen angeblich in die Mt.-Gox-Server ein und sicherten "Beweismaterial". Darunter ist auch ein Telefongespräch, das Karpelès mit Vertretern der japanischen Mizuho-Bank geführt haben soll - bei Reddit erfolgt derzeit eine Aufarbeitung.

Vielleicht wird all diese Aufklärungsarbeit nur zu einer einfachen Einsicht führen, das jedenfalls befürchten viele Beobachter: Dass die Entwicklung einer Handelsplattform mit Millionenumsätzen einfach ein paar Nummern zu groß war für den oder die Mt.-Gox-Programmierer - immerhin ist Mt. Gox ein Bank-gewordenes Kartenspiel-Forum (Mt. Gox stand anfangs für "Magic the Gathering Online Exchange"). Die Frage sei nun weniger, wie man den Schaden minimiere, sondern mehr, wie man ein zweites Mt.-Gox-Desaster verhindere.

Denn ihren Glauben an die Idee Bitcoin, existentielle Krise hin oder her, wollen viele der nun geschädigten Händler nicht aufgeben.

fkn



insgesamt 51 Beiträge
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Seite 1
peter.gruebl 03.03.2014
1. Ungerecht
Wäre Mt. Gox eine normale Bank, wäre das Unternehmen schon längst vom Steuerzahler gerettet worden. Wievie wurde nochmal bei der HRE Pleite verbrannt? Das war in etwa 2000 mal Mt. Gox!
Giebenrath 03.03.2014
2. Vertrauen in Bitcoin
Wer durch den Zusammenbruch von MtGox sein Vertrauen in Bitcoin verliert, hatte wohl sein Vertrauen in MtGox mit seinem Vertrauen in Bitcoin verwechselt. Sehr viele Bitcoinbesitzer horten ihr Vermögen aus Bequemlichkeit leider an einem Ort, anstatt es zu verteilen, um die Risiken zu streuen. Die anderen Tauschbörsen werden MtGox bald ersetz haben.
felisconcolor 03.03.2014
3. es geht ja gar nicht
darum wie Geld hier "verbrannt" ist. Das ist zwar ärgerlich aber nicht das Hauptproblem. Jahrelang wurde erzählt das Aufgrund der gegenseitigen Absegnung von Transaktionen und Schaffung einer Vertrauensbasis und vielfache Zwischenspeicherung der Transaktionen kein Geld verloren gehen kann und alle Zahlungsleistungen und Transaktionen jederzeit rekonstruiert werden können. Als wäre jede Bitcoineinheit persönlich signiert. Wenn jetzt Bitcoins verloren gehen können funktioniert eben dieses Vertrauenssystem wohl doch nicht so richtig.
friedi234 03.03.2014
4. Bitcoin ist Monopolygeld
Zitat von peter.grueblWäre Mt. Gox eine normale Bank, wäre das Unternehmen schon längst vom Steuerzahler gerettet worden. Wievie wurde nochmal bei der HRE Pleite verbrannt? Das war in etwa 2000 mal Mt. Gox!
Vertrauen Sie einer Währung deren Wert innerhalb eines Jahres zwischen 100 und 800€ schwankt? BITCOIN sind keine Währung , sondern Spielgeld. Ähnlich wie MONOPOLY Geld. Also insistieren Sie die MONOPOLY Bank zu retten? Passt zum heutigen Tag! HELAU!
static_noise 03.03.2014
5. optional
Mt. Gox != Bitcoin Mt. Gox = Bank/Börse! Und ausgerechnet Herrn Thiele als den Kompetenzträger zu Bitcoin zu zitieren ist evtl etwas gewagt. Das Versagen/Scheitern von Mt. Gox ist sicherlich übel und die Ursachen / der Skandal dahinter bedarf journalistischer Begleitung, aber Bitte Herr Knoke, etwas differenziert. Die wichtigen Fargen wären: Wie kann das Einlagevermögen verschwinden und es ist nichtmal klar wie? Das ist als trüge jemand die Bareinlagen aus ner klassischen Bank, diese ist daraufhin zahlungsunfähig und erklärt sinngemäß 'vermutlich (!) war es ein Diebstahl, das Geld ist halt weg.' Fragen zur Bank, Seriosität, etc sind sicher angebracht, daraus Zweifel am Zahlungsmittel abzuleiten zeugt von mangelnder Abstraktionsfähigkeit des Autors/Zitierten oder belegen eine eigene Agenda (propgandistisches Ausschlachten).
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