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Cloud-Mining: Informatiker warnen vor Bedrohung der Kryptowährung Bitcoin

Bitcoin: Gefahr durch übermächtige Zusammenschlüsse von Rechnern Zur Großansicht
REUTERS

Bitcoin: Gefahr durch übermächtige Zusammenschlüsse von Rechnern

Eine einzige Organisation hatte zeitweilig die Kontrolle über die Kryptowährung Bitcoin, warnen amerikanische Informatiker. Wenn nicht schleunigst etwas gegen Mining-Zusammenschlüsse unternommen werde, wäre es das Aus des Zahlungsmittels.

Zwei Informatiker der amerikanischen Cornell University fürchten um die die Zukunft der virtuellen Währung Bitcoin. Ihren Untersuchungen zufolge steuerte ein einziger Akteur mehrmals über die Hälfte der in Bitcoin investierten Rechenkraft bei. Das sei eine große Gefahr.

Bitcoin werden berechnet, Mining nennt man das, "Schürfen". Dafür braucht man ordentlich Rechenleistung. Wer die nicht hat, kann sich Hilfe holen: Ghash.io zum Beispiel ist ein anonymer Dienstleister, der die Rechenkraft sogenannter Bitcoin-Miner vermietet und ihnen so die Berechnung von Bitcoin leichter macht. Derzeit sollen sich nach eigenen Angaben 180.000 Miner an Ghash beteiligen.

Nun hatte Ghash laut den beiden Informatikern über zwölf Stunden regelmäßig de fakto das Sagen über die Kryptowährung. Das, so Ittay Eyal und Emin Gün Sirer im Blog "Hacking, Distributed", sollte Grund genug sein für eine neue Version von Bitcoin und Maßnahmen gegen solche Mining-Zusammenschlüsse.

Mining-Zusammenschlüsse seien gefährlich für die Währung

"Ghash hatte die komplette Kontrolle darüber, welche Transaktionen in der Blockchain auftauchen und welche Miner Bitcoins gutgeschrieben bekommen. Sie könnten alle Mining-Profite für sich behalten, wenn sie wollten." Die wertvolle Bitcoin-Datenbank werde von einer einzigen Organisation kontrolliert, die dafür überdies enorm viel Energie aufbieten müsse.

Betrieben wird der Dienst von der Bitcoin-Börse CEX.io. "Niemand weiß, was Ghash letztlich vor hat", warnen Elal und Sirer. Auch wenn man annehme, dass Ghash nur Gutes im Sinne habe, sei diese Entwicklung absolut schädlich für Bitcoin als Währung, deren Dezentralität doch so wichtig sei. Dass Mining-Zusammenschlüsse eine Gefahr für solche neuartigen Zahlungsmittel seien, sei ja schon lange bekannt und Lösungen längst vorgeschlagen.

Das Versprechen wurde angeblich gebrochen

Dem Tech-Blog "Ars Technica" schrieb Ittay Eyal, wer 51 Prozent der Bitcoin-Rechenleistung bereitstelle, könne kontrollieren, welche Bitcoin-Transaktionen stattfinden. Er sei "ein Monopolist, der beliebig Transaktionskosten festlegen oder Transaktionen blockieren kann." Das würde dem Grundgedanken der virtuellen Währung widersprechen, die als freies System, unabhängig von jeglicher Kontrolle konzipiert sei.

Dass ihre Ansammlung von Bitcoin-Rechenkraft problematisch ist, wissen auch die Betreiber von Ghash. In einer Stellungnahme erklärte die Organisation: "Die zusätzliche Bitcoin-Rechenleistung im Pool ist begrüßenswert, aber mehr als 51 Prozent aller Rechenkraft zu erreichen, ist eine ernsthafte Gefahr für die Bitcoin-Community." Man werde verhindern, jemals diese Grenze zu überschreiten, heißt es weiter. Ein Versprechen, das Eyal und Sirer nun widerlegt sehen.

Bitcoin-Verband sieht keine Gefahr

Das zentrale Bitcoin-Wiki nennt "viel Rechenleistung" als einen möglichen Angriffspunkt gegen die Währung, sieht aber keine konkrete Gefahr darin. Der deutsche Bundesverband Bitcoin erklärte auf Anfrage, dass er die Warnung der beiden Informatiker für "übertrieben dramatisch" halte. "Zwar ist es mit 51 Prozent der Hashrate durchaus möglich das Netzwerk anzugreifen und Transaktionen zu löschen. Allerdings ist es aus mehreren Gründen praktisch sehr unwahrscheinlich, dass es in der Realität umgesetzt wird."

Eine solche Attacke wäre offen erkennbar und teuer - vor allem aber wäre sie nicht im Interesse der beteiligten Miner. Deshalb sehe der Bundesverband Bitcoin zum derzeitigen Zeitpunkt keinen Grund für Zweifel an der Integrität des Systems.

Kryptowährungen: Diese Alternativen gibt es zu Bitcoin
Ripple

Ripple (Marktkapitalisierung etwa 1,5 Mrd. Dollar)
Ripple (XRP) ist zwar eine eigene Digitalwährung, vor allem aber ein währungsneutrales Tauschnetzwerk, über das diverse Arten von Zahlungsmitteln getauscht werden können. Deswegen taucht Ripple in einigen Listen gar nicht als eigenes Digitalgeld auf.
Chris Larsen von Ripple Labs: "Über das Ripple-Netzwerk können Einzelpersonen und Institutionen klassische Währungen tauschen, Kryptowährungen, Mobilfunkminuten, Bonuspunkte und vieles mehr."

Litecoin

Litecoin (Marktkapitalisierung 370 Mio. Dollar)
Während Bitcoin-Transaktionen alle zehn Minuten vom Netzwerk bestätigt werden, geschieht das bei Litecoin alle 2,5 Minuten. Ein anderer Unterschied: Beim "Mining", der Schöpfung neuer Münzen, soll es gerechter zugehen als bei Bitcoin. Gemäß des "Proof-of-Work"-Konzepts, das von Bitcoin übernommen wurde, kann jeder Nutzer selbst Coins errechnen, im Wettstreit mit anderen. Anders als bei Bitcoin bringt teure Spezial-Hardware bei Litecoin dabei jedoch kaum Vorteile gegenüber handelsüblicher Computertechnik. Der Algorithmus verhindert, dass es beim Mining der Coins durch Nutzer ein Wettrüsten der eingesetzten Hardware gibt. Die Gründer halten Litecoin deswegen für demokratischer.

Peercoin

Peercoin (Marktkapitalisierung 80 Mio. Dollar)
Peercoin kombiniert den „Proof-of-Work“-Ansatz von Bitcoin mit einem eigenen „Proof-of-Stake“-Ansatz. Dabei legt das Netzwerk fest, welcher Nutzer im Zuge des Minings die jeweils nächsten Coins schöpft. Anders als beim Bitcoin gibt es deswegen keine Um-die-Wette-Rechnen, so dass weniger Energie verbraucht wird. Sunny King, einer der Väter von Peercoin und Schöpfer der Digitalwährung Primecoin, gesteht, dass der Spieltrieb sein wichtigstes Motiv war. "Für mich ist es hauptsächlich eine intellektuelle Spielerei. Ich hab mich dann aber sehr gefreut, dass meine Ideen tatsächlich Anhänger finden."

Dogecoin

Dogecoin (Marktkapitalisierung 70 Mio. Dollar
Dogecoin begann als Spaßwährung, die mit dem populären Internet-Mem Doge spielt, in dem es zentral um das falsch geschriebene englische Wort für Hund geht. "In Dogecoin investieren, das ist definitiv die nächste, ganz große Nummer", twitterte Jackson Palmer im November 2013 ironisch. Der Programmierer Billy Markus setzte das Zahlungsmittel dann tatsächlich um: "Ich hatte gerade erst gelernt, wie man eine Kryptowährung startet. Ich habe Jackson kontaktiert, und wir haben Dogecoin innerhalb weniger Tage in die Welt gesetzt." Die Kryptowährung mit dem Hunde-Logo hat vor allem junge Fans gefunden, die das Ganze unter humoristischen Gesichtspunkten betreibt. Die Dogecoin-Community veranstaltete unter anderem eine Crowdfunding-Aktion für die Olympiateilnahme der Bob-Mannschaft von Jamaika.

Nxt

Nxt (Marktkapitalisierung 60 Mio. Dollar
Anders als viele anderen Krypto-Währungen variiert Nxt nicht die Bitcoin-Technologie, sondern nutzt ein eigenes Protokoll. Ein Unterschied zu vielen Bitcoin-Klonen ist auch, dass die "Coins" nicht erst von Nutzern selbst per Rechenleistung generiert werden, sondern schon fertig produziert sind. Nxt sieht sich selbstbewusst als Krypto-Währung der zweiten Generation.
"Nxt ist kein Klon, bei dem nur ein paar Parameter des Algorithmus verändert wurden, es ist ein direkter Wettbewerber für Bitcoin," findet John Manglaviti von der Firma Cointropolis. Beim Nxt-Algorithmus sind alle Coins bereits produziert, er ist schlanker und läuft deswegen sogar auf einem Smartphone.

Mastercoin

Mastercoin (Marktkapitalisierung 40 Mio. Dollar)
Mastercoin wird zwar als eigene Währung gehandelt, sieht sich aber nicht als Konkurrenz zu Bitcoin. Es baut auf der Bitcoin-Technologie auf und erweitert diese um neue Funktionen, die andere Krypto-Währungen dann integrieren können.
Laut Nikos Bentenitis, einem der Gründerväter, geht es bei Mastercoin vor allem darum, neue Features zu erarbeiten. "Das Bitcoin-Protokoll ist zu wichtig, um damit zu experimentieren, und es ist auch zu träge dafür. Mastercoin kann neue Lösungen sehr viel schneller finden und umsetzen." Mastercoin ermöglicht der großen Kryptowährung so neue Funktionen.

kno

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1.
Steuerzahler0815 16.06.2014
Was für eine Verschwendung von Strom! Und mir verbietet die EU die Verwendung von 100 Watt Glühbirnen Danke ihr Politiker Ich will gar nicht wissen wie viele Millionen 100 Watt Glühbirnen man betreiben könnte mit der Energie die das Bitcoin-Netzwerk verbraucht
2.
taglöhner 16.06.2014
Zitat von Steuerzahler0815Was für eine Verschwendung von Strom! Und mir verbietet die EU die Verwendung von 100 Watt Glühbirnen Danke ihr Politiker Ich will gar nicht wissen wie viele Millionen 100 Watt Glühbirnen man betreiben könnte mit der Energie die das Bitcoin-Netzwerk verbraucht
Mit was laufen denn so unsere Münzpressen?
3.
dben 16.06.2014
@Steuerzahler Mit den Glühbirnen muss ich dir recht geben, die Energiepolitik ist für mich gerade nicht durchschaubar... man macht sich für x Tausend Euro eine Solar Anlage auf das Dach und soll dann noch pro kWh bezahlen... und so weiter, da gibt es sehr vieles was falsch läuft... Aber mining verursacht keinen hohen Stromverbrauch, nur wenn es Kinder mit ihren Grafikkarten machen, die verbrauchen natürlich mehr Strom als sie erwirtschaften mit Coins und außerdem geben viele Karten nach wenigen Monaten den Geist auf. Aber es gibt inzwischen Miner, die mit 20W rund das 25ig fache einer Grafikkarte leisten und dann wird das ganze rentabel und interessant...
4.
dben 16.06.2014
@Steuerzahler Mit den Glühbirnen muss ich dir recht geben, die Energiepolitik ist für mich gerade nicht durchschaubar... man macht sich für x Tausend Euro eine Solar Anlage auf das Dach und soll dann noch pro kWh bezahlen... und so weiter, da gibt es sehr vieles was falsch läuft... Aber mining verursacht keinen hohen Stromverbrauch, nur wenn es Kinder mit ihren Grafikkarten machen, die verbrauchen natürlich mehr Strom als sie erwirtschaften mit Coins und außerdem geben viele Karten nach wenigen Monaten den Geist auf. Aber es gibt inzwischen Miner, die mit 20W rund das 25ig fache einer Grafikkarte leisten und dann wird das ganze rentabel und interessant...
5. Somit unsicher ...
quark@mailinator.com 16.06.2014
Ich gehe mal davon aus, daß es sich bei diesem Zusammenschluß NICHT um den leistungsstärksten Rechner der Welt handelt. Somit bedeutet obriger Artikel nur, daß leistungsfähige Organisationen, z.B. im Interesse der US-Regierung, jederzeit in der Lage wären, Bitcoin zu vernichten, d.h. den Wert der Währung extrem zu destabilisieren und Vertreuen zu vernichten, welches letztlich dafür sorgt, daß aus Metall oder Bitmustern ein Geldstück entsteht. Das wäre so, als wüßte man, daß die US-Regierung jederzeit einen Wolkenkratzer aus Gold produzieren könnte ... es würde Gold als Wertanlage extrem infrage stellen.
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  • Felix Knoke schreibt von Berlin aus über elektronische Lebensaspekte und versucht sich vergeblich als Hitproduzent in seinem Wohnzimmerstudio.

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