Digitalwährung Die Suche nach dem rätselhaften Bitcoin-Schöpfer

Seit Jahren wird der mysteriöse Erfinder der Digitalwährung Bitcoin gesucht, nun wollen US-Medien ihn aufgespürt haben: ein Australier mit mehreren Doktortiteln, der etliche Firmen gegründet hat und einen Supercomputer besitzt.


Wenn es stimmt, was "Wired" und "Gizmodo" übereinstimmend berichten, dann sitzt der Australier Craig Wright auf einem gewaltigen Schatz. 1,1 Millionen Bitcoin soll der Mann besitzen, den beide Medien für den wahren Erfinder der auf Kryptografie basierenden Digitalwährung halten. 1,1 Millionen Bitcoin wären nach aktuellem Kurs weit über 400 Millionen Euro.

"Gizmodo" und "Wired" berichten unter Berufung auf eine offenbar große Menge diverser Dokumente, Wright habe Bitcoin selbst entwickelt, möglicherweise in Zusammenarbeit mit einem weiteren, mittlerweile verstorbenen US-Amerikaner namens Dave Kleiman. Wright hat den Berichten zufolge zahlreiche Universitätsabschlüsse und trägt mehrere Doktortitel. Er soll viele Unternehmen gegründet haben, darunter mehrere, die sich explizit mit Bitcoin oder Digitalwährungen im Allgemeinen beschäftigen. Außerdem taucht ein Rechner, der einer angeblich Wright gehörenden Firma namens Tulip Trading gehört, auf Platz 17 der Liste der 500 mächtigsten Supercomputer der Welt auf.

"Ich versuche, nicht aufzufallen"

Als Wright im Oktober 2015 bei einer Konferenz zum Thema auf einem Podium - per Videoschalte - auftrat, wurde er unter anderem gefragt, wie er zum ersten Mal von Bitcoin gehört hatte. Er zog ein seltsam amüsiertes Gesicht und sagte: "Ich habe mit all dem schon seit langer Zeit zu tun... Ich versuche... Ich versuche, nicht aufzufallen."

Wenige Stunden nachdem die Berichte in "Wired" und "Gizmodo" erschienen waren, durchsuchte die australische Polizei das Haus, in dem der Mann gemeinsam mit einer Frau und zwei Kindern gelebt haben soll. Wright selbst ist demnach bereits verschwunden, der "Guardian" zitiert seinen Vermieter mit den Worten, die Familie sei nach Großbritannien umgezogen. Dem Bericht zufolge hat die Durchsuchung nichts mit den angeblichen Enthüllungen zu tun, sondern steht im Zusammenhang mit Ermittlungen der australischen Steuerbehörde.

Bitcoin ist eine anonyme und unregulierte Digitalwährung, die auf einem komplexen kryptografischen Verfahren basiert. Bitcoins werden mithilfe von Computern erzeugt, die Erzeugung wird im Laufe der Zeit immer aufwendiger. Derzeit ist eine Bitcoin mehr als 380 Euro wert, zwischenzeitlich hatte der Wert bei mehr als tausend Dollar gelegen. Auch große Bankhäuser interessieren sich mittlerweile sehr für die Technologie hinter der Digitalwährung, die sogenannte Blockchain. Bitcoin war 2009 gestartet. Dahinter stand eine Person mit dem Namen "Satoshi Nakamoto", der weithin als Pseudonym gilt. "Nakamoto" veröffentlichte 2009 eine wissenschaftliche Arbeit, auf der das Bitcoin-System basiert.

Echtheit nicht bestätigt

"Wired" und "Gizmodo" stützen sich auf E-Mails und Kopien alter Blog-Einträge von Wright, die ihnen von einer ungenannten Quelle zur Verfügung gestellt worden seien. Zu den Belegen gehören ein PGP-Schlüssel - eine einmalige digitale Signatur - sowie eine E-Mail-Adresse, die mit "Satoshi Nakamoto" in Verbindung gebracht werden. Außerdem sage Wright in einer angeblichen Dokumentation eines Gesprächs mit der australischen Steuerbehörde, er habe Bitcoin seit 2009 betrieben. Diverse Dokumente wiesen auf den 2013 verstorbenen amerikanischen Computerexperten Dave Kleiman als Partner bei der Entwicklung der Bitcoin-Währung hin. Beide Medien räumten zugleich ein, dass sie die Echtheit der Dokumente nicht bestätigen können.

In den Unterlagen finde sich ein Dokument, in dem Kleiman sich bereit erkläre, die Kontrolle über einen Fonds mit 1,1 Millionen Bitcoin zu übernehmen, berichtet "Wired". Die PDF-Datei sei mit seiner PGP-Signatur unterschrieben. Es gibt höchstwahrscheinlich nur ein Bitcoin-Paket in dieser Größe. Laut "Gizmodo" starb Kleiman, der nach einem Motorradunfall auf einen Rollstuhl angewiesen war, verarmt. Seine Leiche sei im Zustand der Verwesung und umgeben von leeren Flaschen alkoholischer Getränke entdeckt worden, eine Schusswaffe in Reichweite.

Wright war bereits als Bitcoin-Experte bekannt und hatte auch den Aufbau einer Bank für die Digitalwährung angekündigt. Dennoch wurde er bisher nicht als Figur hinter "Satoshi Nakamoto" gehandelt. Diverse Journalisten haben in den vergangenen Jahren versucht, die Identität des Bitcoin-Erfinders aufzudecken. Im vergangenen Jahr blamierte sich das US-Magazin "Newsweek" mit einem Bericht, in dem der pensionierte kalifornische Ingenieur Dorian Nakamoto als Bitcoin-Erfinder präsentiert wurde. Nakamoto aber widersprach den Behauptungen heftig, die "Newsweek"-Geschichte fiel in sich zusammen.

Der "New York Times"-Reporter Nathaniel Popper schrieb bei Twitter, auch er habe die Unterlagen, auf die "Wired" und "Gizmodo" sich nun beziehen, bereits im Oktober angeboten bekommen, aber wegen Zweifeln an der Authentizität auf eine Berichterstattung verzichtet.

"Wired" selbst weist darauf hin, man habe es immer noch nicht mit unwiederlegbaren Beweisen zu tun: "All das könnte ein elaborierter Streich sein, vielleicht von Wright selbst orchestriert. Die unverifizierten Dokumente können teilweise oder ganz gefälscht sein." Sollte das jedoch der Fall sein, dann wäre dieser Streich "praktisch genauso ambitioniert wie Bitcoin selbst".

cis/dpa



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