Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Bitcoin-Diebstahl: Hacker werfen Mt. Gox Betrug vor

Mark Karpelès: Bisher schweigt der Firmenchef zu den Betrugsvorwürfen Zur Großansicht
REUTERS

Mark Karpelès: Bisher schweigt der Firmenchef zu den Betrugsvorwürfen

Insolvent ist Mt. Gox schon, jetzt werfen anonyme Hacker der Bitcoin-Börse Betrug vor. Als Beleg präsentieren sie Daten, die direkt von den Firmenservern stammen sollen.

Die Hacker, die Aufklärung zur Pleite der Bitcoin-Börse Mt. Gox versprachen und angeblich Beweismaterial von Firmenservern sicherten, haben ihren Worten Taten folgen lassen. Auf Reddit und im gehackten Blog von Mt.-Gox-Geschäftsführer Mark Karpèles veröffentlichten sie am Sonntag Screenshots und Daten, die nun für Spekulationen sorgen.

Nach Interpretation der Angreifer und mancher betrogener Kunden legen die Daten nahe, dass Mt. Gox zumindest einen Teil der als gestohlen gemeldeten Bitcoin nach wie vor besitzen könnte. Das Unternehmen hatte Ende Februar einen Insolvenzantrag gestellt, nachdem ihm nach eigenen Angaben rund 850.000 Bitcoin gestohlen worden waren.

"Es ist an der Zeit, dass MTGOX die Wut der Bitcoin-Community zu spüren bekommt, anstatt dass die Bitcoin-Community weiterhin gegoxt wird", schrieben die Hacker in ihrer Veröffentlichung. Eine 716 Megabyte große Datei, die sie auf Karpèles Website veröffentlichten, soll der Erklärung Wucht verleihen. Die Datei enthält unter anderem Protokolle von mehr als einer Million Bitcoin-Transaktionen, sowie Angaben zu mehreren Bankkonten der Firma sowie Mark Karpelès Privatanschriften und seinen Lebenslauf.

Ob die Daten authentisch sind, ist allerdings unklar. Mt.-Gox-Geschäftsführer Karpèles hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Keine Spuren in der Transaktionshistorie

Die Frage, wo das gestohlen gemeldete Krypto-Geld ist, bleibt auch nach der Veröffentlichung der Hacker offen. Bislang scheinen die 850.000 Bitcoin weder überwiesen noch gehandelt worden zu sein - sonst müssten sie in der öffentlichen Bitcoin-Transaktionshistorie auftauchen.

Ebenso ungewiss ist derzeit die Identität der Hacker. Manches deutet darauf hin, dass es sich um eine einzelne Person handeln könnte. So heißt es in einem Schreiben des oder der Hacker: "Ich habe es gehasst, mit dir zu arbeiten. Für dein Verhalten verdienst du all das, was dir nun zustößt."

Kryptowährungen: Diese Alternativen gibt es zu Bitcoin
Ripple

Ripple (Marktkapitalisierung etwa 1,5 Mrd. Dollar)
Ripple (XRP) ist zwar eine eigene Digitalwährung, vor allem aber ein währungsneutrales Tauschnetzwerk, über das diverse Arten von Zahlungsmitteln getauscht werden können. Deswegen taucht Ripple in einigen Listen gar nicht als eigenes Digitalgeld auf.
Chris Larsen von Ripple Labs: "Über das Ripple-Netzwerk können Einzelpersonen und Institutionen klassische Währungen tauschen, Kryptowährungen, Mobilfunkminuten, Bonuspunkte und vieles mehr."

Litecoin

Litecoin (Marktkapitalisierung 370 Mio. Dollar)
Während Bitcoin-Transaktionen alle zehn Minuten vom Netzwerk bestätigt werden, geschieht das bei Litecoin alle 2,5 Minuten. Ein anderer Unterschied: Beim "Mining", der Schöpfung neuer Münzen, soll es gerechter zugehen als bei Bitcoin. Gemäß des "Proof-of-Work"-Konzepts, das von Bitcoin übernommen wurde, kann jeder Nutzer selbst Coins errechnen, im Wettstreit mit anderen. Anders als bei Bitcoin bringt teure Spezial-Hardware bei Litecoin dabei jedoch kaum Vorteile gegenüber handelsüblicher Computertechnik. Der Algorithmus verhindert, dass es beim Mining der Coins durch Nutzer ein Wettrüsten der eingesetzten Hardware gibt. Die Gründer halten Litecoin deswegen für demokratischer.

Peercoin

Peercoin (Marktkapitalisierung 80 Mio. Dollar)
Peercoin kombiniert den „Proof-of-Work“-Ansatz von Bitcoin mit einem eigenen „Proof-of-Stake“-Ansatz. Dabei legt das Netzwerk fest, welcher Nutzer im Zuge des Minings die jeweils nächsten Coins schöpft. Anders als beim Bitcoin gibt es deswegen keine Um-die-Wette-Rechnen, so dass weniger Energie verbraucht wird. Sunny King, einer der Väter von Peercoin und Schöpfer der Digitalwährung Primecoin, gesteht, dass der Spieltrieb sein wichtigstes Motiv war. "Für mich ist es hauptsächlich eine intellektuelle Spielerei. Ich hab mich dann aber sehr gefreut, dass meine Ideen tatsächlich Anhänger finden."

Dogecoin

Dogecoin (Marktkapitalisierung 70 Mio. Dollar
Dogecoin begann als Spaßwährung, die mit dem populären Internet-Mem Doge spielt, in dem es zentral um das falsch geschriebene englische Wort für Hund geht. "In Dogecoin investieren, das ist definitiv die nächste, ganz große Nummer", twitterte Jackson Palmer im November 2013 ironisch. Der Programmierer Billy Markus setzte das Zahlungsmittel dann tatsächlich um: "Ich hatte gerade erst gelernt, wie man eine Kryptowährung startet. Ich habe Jackson kontaktiert, und wir haben Dogecoin innerhalb weniger Tage in die Welt gesetzt." Die Kryptowährung mit dem Hunde-Logo hat vor allem junge Fans gefunden, die das Ganze unter humoristischen Gesichtspunkten betreibt. Die Dogecoin-Community veranstaltete unter anderem eine Crowdfunding-Aktion für die Olympiateilnahme der Bob-Mannschaft von Jamaika.

Nxt

Nxt (Marktkapitalisierung 60 Mio. Dollar
Anders als viele anderen Krypto-Währungen variiert Nxt nicht die Bitcoin-Technologie, sondern nutzt ein eigenes Protokoll. Ein Unterschied zu vielen Bitcoin-Klonen ist auch, dass die "Coins" nicht erst von Nutzern selbst per Rechenleistung generiert werden, sondern schon fertig produziert sind. Nxt sieht sich selbstbewusst als Krypto-Währung der zweiten Generation.
"Nxt ist kein Klon, bei dem nur ein paar Parameter des Algorithmus verändert wurden, es ist ein direkter Wettbewerber für Bitcoin," findet John Manglaviti von der Firma Cointropolis. Beim Nxt-Algorithmus sind alle Coins bereits produziert, er ist schlanker und läuft deswegen sogar auf einem Smartphone.

Mastercoin

Mastercoin (Marktkapitalisierung 40 Mio. Dollar)
Mastercoin wird zwar als eigene Währung gehandelt, sieht sich aber nicht als Konkurrenz zu Bitcoin. Es baut auf der Bitcoin-Technologie auf und erweitert diese um neue Funktionen, die andere Krypto-Währungen dann integrieren können.
Laut Nikos Bentenitis, einem der Gründerväter, geht es bei Mastercoin vor allem darum, neue Features zu erarbeiten. "Das Bitcoin-Protokoll ist zu wichtig, um damit zu experimentieren, und es ist auch zu träge dafür. Mastercoin kann neue Lösungen sehr viel schneller finden und umsetzen." Mastercoin ermöglicht der großen Kryptowährung so neue Funktionen.

fko

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 7 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Spielgeld
noalk 10.03.2014
Kann man mit Spielgeld betrügen? Kann ich jetzt Mauscheleien meiner Mitspieler bei Monopoly gerichtlich überprüfen lassen?
2.
Msc 10.03.2014
Zitat von noalkKann man mit Spielgeld betrügen? Kann ich jetzt Mauscheleien meiner Mitspieler bei Monopoly gerichtlich überprüfen lassen?
Falls sie und ihre Mitspieler die Monopoly-Scheine unter sich auch gegen echtes Geld tauschen, können sie das, denn dann haben die Monopoly-Scheine auch echten Wert (wenn auch nur unter den Mitspielern). Ich sehe manch andere Dinge auch als (mehr oder weniger) wertlos an, z.B. Ü-Eier-Figuren, sie deshalb jemandem wegnehmen, darf ich trotzdem nicht.
3.
zerozero123 10.03.2014
Zitat von noalkKann man mit Spielgeld betrügen? Kann ich jetzt Mauscheleien meiner Mitspieler bei Monopoly gerichtlich überprüfen lassen?
Sie haben Recht. Insbesondere beim Fiatgeld sind solche Mauscheleien staatlich garantiert. Jede Bank kann durch Kreditvergabe neues Geld schöpfen das dem alten den Wert klaut. Dieses Spiel wird mit dem "echten" Geld schon lange gemacht. Dieses hat nur noch einen Wert weil der Glaube daran existiert. Im Grunde genommen ist jeder Geldschein nichts anderes als ein Schuldschein eines Dritten (Kredit kommt von credere = lat. glauben). Ich bin immer wieder erstaunt wie die Menschen Cryptowährungen schlecht reden und selbst in einem System der totalen Veräppelung leben und auch noch denken das wäre toll! Dazu fällt mir nur ein: "Niemand ist hoffnungsloser versklavt als derjenige, der irrtümlich glaubt frei zu sein." - weiss gerade nicht wer, aber es wurde gesagt ;-)
4.
Gott 10.03.2014
Zitat von noalkKann man mit Spielgeld betrügen? Kann ich jetzt Mauscheleien meiner Mitspieler bei Monopoly gerichtlich überprüfen lassen?
Sie sollten mal in ein Casino gehen, ein bisschen betrügen und anschließend behaupten "Ist ja nur Spielgeld!"....
5. Versklavung und fälschlich geglaubte Freiheit
El_Cid 10.03.2014
Johann Wolfgang von Goethe
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Zum Autor
  • Felix Knoke schreibt von Berlin aus über elektronische Lebensaspekte und versucht sich vergeblich als Hitproduzent in seinem Wohnzimmerstudio.

Netzwelt auf Twitter

Über diesen Account erreichen Sie das Ressort und verpassen keinen Artikel.



Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Bei Amazon kaufen.
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: