Crowdfunding-Experiment BitTorrent-Nutzer sollen für Science-Fiction-Serie bezahlen

Die Firma hinter dem Filesharing-Protokoll BitTorrent wirbt für das Crowdfunding einer Science-Fiction-Serie. "Children of the Machine" wird produziert, wenn per Schwarmfinanzierung knapp 2,5 Millionen Dollar zusammenkommen.

BitTorrent-Logo: "Die Leute verbinden uns fälschlicherweise mit illegalem Filesharing"

BitTorrent-Logo: "Die Leute verbinden uns fälschlicherweise mit illegalem Filesharing"


In der Unterhaltungsindustrie hat BitTorrent keinen sonderlich guten Ruf: Das Datentauschprogramm ist vor allem dafür bekannt, dass es zum Verbreiten von Software-, Musik- und Filmenkopien per Internet genutzt wird - oft ohne Zustimmung der Rechteinhaber. Doch nun schieben die BitTorrent-Macher Finanzierungsprojekte an, bei denen kein Streit ums Urheberrecht zu erwarten ist.

Im Dezember soll zunächst die Pilotfolge einer neuen Science-Fiction-Serie namens "Children of the Machine" veröffentlicht werden. Die erste Episode soll kostenlos angeboten werden, für die weiteren Folgen hofft das Team um Produzent Marco Weber auf die Finanzkraft der BitTorrent-Nutzer. Für das Recht auf die komplette Staffel sollen Interessenten jeweils 9,95 Dollar zahlen. Ist die Schwelle von 250.000 zahlenden Nutzern erreicht, geht die Serie in Produktion, sagt Weber im BitTorrent-Blog. Angesichts von insgesamt 170 Millionen Nutzern scheint dieses Ziel durchaus erreichbar.

"Ich glaube, das ist die perfekte Mischung aus Kickstarter und Netflix", erklärt Marco Weber der "New York Times", warum er auf die Finanzierung durch BitTorrent-Nutzer setzt. Er erhoffe sich schnelle Klarheit über den etwaigen Erfolg des Vorhabens. In vier bis sechs Wochen wisse er, ob es funktioniert oder nicht.

Erste Bezahlschranken ab September

Matt Mason, BitTorrents Chief Content Officer, sagt, sein Unternehmen wolle der führende Anbieter von unabhängigen Inhalten werden. Man billige die Verbreitung illegaler Kopien keineswegs, "die Leute verbinden uns fälschlicherweise mit illegalem Filesharing".

Die einzelnen Folgen von "Children of the Machine" sollen über die firmeneigene Plattform BitTorrent Bundle zur Verfügung gestellt werden. Bislang mussten Fans bestimmter Inhalte dort nur ihre E-Mail-Adresse angeben, um kostenlos mit neuem Material versorgt zu werden. Bezahlschranken will das BitTorrent-Team bereits im September testen, dann sollen gegen Bezahlung Download-Pakete von Autoren oder Musikern angeboten werden.

Das Tech-Blog "TorrentFreak" findet das neue Konzept einleuchtend, aber nicht ganz unproblematisch. Einerseits gebe es eine breite Nutzerbasis, der das - nicht immer legale - Herunterladen von TV-Serien vertraut sei. Anderseits werde als Entschuldigung fürs illegale Filesharing häufig die Wartezeit angeführt, die zwischen der Ausstrahlung neuer Serienfolgen und der Möglichkeit legaler Downloads liegt. Es bleibe abzuwarten, ob so argumentierende Nutzer die Geduld aufbringen, Monate im Voraus für eine Serie zu bezahlen.



insgesamt 2 Beiträge
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Xenocow 15.07.2014
1. Schwarmfinanzierung ist die Zukunft
Hochkarätige Projekte sind zu abhängig vom Fluss des Geldes. Das Crowdfunding ist eine fantastische Möglichkeit solche Projekte trotzdem fertig zu stellen, auch wenn sich keine großen Geldgeber finden, die darüber hinaus das Projekt beeinflussen und die Kreativität einschränken. Ich bin absolut überzeugt vom Crowdfunding, wenn es in letzter Zeit auch des öfteren Missbraucht wird (Stichwort Kartoffelsalat). Star Citizen zB, der Nachfolger von Wing Commander (ein PC Spiel) bewegt sich langsam auf die 50 Millionen Dollar zu. Ich bin echt gespannt wie dieses Spiel werden wird, wenn der Kreativität keine Grenzen gesetzt sind und wirklich alle an einem Strang ziehen.
dt1011047 15.07.2014
2. Sowas gab's doch schonmal, klappte nicht.
Vor gefühlten 2-3 Jahren habe ich schonmal so eine Aktion unterstützt. Da kamen ein paar Folgen, dann schlief das irgendwie ein. Die Produktion und Story waren allerdings auch ziemlich schlecht. Bleibt zu hoffen, daß die jetzt mehr aus den 2.5 Mil machen - viel ist das ja nicht.
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