BKA-Bericht 61,5 Millionen Euro Schaden durch Internet-Kriminalität

Neue Zahlen vom Bundeskriminalamt: Im vergangenen Jahr ist die erfasste Internet-Kriminalität um 19 Prozent angestiegen. Laut Polizei ist dadurch ein Schaden von rund 61,5 Millionen Euro entstanden.

Bitkom-Chef Kempf und BKA-Präsident Ziercke: 19 Prozent mehr Intenert-Kriminalität
dapd

Bitkom-Chef Kempf und BKA-Präsident Ziercke: 19 Prozent mehr Intenert-Kriminalität


Berlin - Mit der Beliebheit von Smartphones, Tablet-Computern und sozialen Netzwerken nimmt auch die Internetkriminalität immer stärker zu. Der Trend gehe zum Ausspähen persönlicher Daten und Passwörter, sagte der Präsident des Hightech-Verbandes Bitkom Dieter Kempf am Donnerstag in Berlin. So habe sich die Zahl der Internetnutzer, deren Zugangsdaten zu Plattformen, E-Mail-Diensten, Auktionshäusern oder zum Online-Banking ausspioniert wurden, binnen eines Jahres auf sieben Millionen fast verdoppelt.

Gerade die mobilen Geräte seien besonders anfällig für Missbrauch, warnte Kempf. Derzeit habe aber nur jeder vierte Smartphonenutzer einen Virenschutz. Auch soziale Netzwerke sind laut dem Präsidenten des Bundeskriminalamtes (BKA) Jörg Ziercke eine "deutliche Schwachstelle". Hier wähnten sich die Nutzer oft "fälschlicherweise in einem geschützten Raum", sagte er auf einer gemeinsamen Pressekonferenz.

Besonders stark nahm das Abgreifen von Zugangsdaten, das sogenannte Phishing, im Zusammenhang mit Online-Banking zu. 2010 wurden dem BKA rund 5300 Fälle gemeldet, 82 Prozent mehr als im Vorjahr. Dabei lag die durchschnittliche Schadenssumme bei rund 4000 Euro pro Fall. Sowohl Kempf als auch Ziercke appellierten an die Verbraucher, beim Online-Banking auf neue Verfahren wie Chip-TAN umzusteigen. Es gebe verschiedene Trojaner, die speziell auf den deutschen Bankenmarkt ausgerichtet seien.

61,5 Millionen Euro Schaden

Die Polizei registrierte 2010 rund 250.000 Fälle, in denen das Internet für kriminelle Taten missbraucht wurde. Dies sei im Vergleich zum Vorjahr eine Zunahme von 20 Prozent, erklärte Ziercke. Insgesamt habe die Internetkriminalität 2010 Schäden in Höhe von 61,5 Millionen Euro angerichtet, im Vorjahr waren es noch 37 Millionen Euro.

BKA-Chef Ziercke betonte erneut, dass den Ermittlungsbehörden die Hände gebunden seien, wenn sie Computer nicht über IP-Adressen Personen zuordnen können. Abermals forderte er eine Wiedereinsetzung der umstrittenen Vorratsdatenspeicherung. "Wer im virtuellen Bereich aufklären will, braucht IP-Adressen und Verbindungsdaten", sagte er.

Das Bundesverfassungsgericht hatte die alte Regelung zur Vorratsdatenspeicherung, nach der Telefon- und Internetverbindungsdaten zur Kriminalitätsbekämpfung ein halbes Jahr lang gespeichert werden dürfen, im März 2010 verworfen. Die Neuregelung ist ein Streitpunkt in der schwarz-gelben Bundesregierung: Die für das Thema zuständige Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hatte zwar einen Gesetzentwurf vorgelegt, den tragen Unionsparteien aber nicht mit.

ore/AFP/dpa



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Medienkritiker 30.06.2011
1. ...
Zitat von sysopNeue Zahlen vom Bundeskriminalamt: Im vergangenen Jahr ist die erfasste Internet-Kriminalität um 19 Prozent angestiegen. Laut Polizei ist dadurch ein Schaden von rund 61,5 Millionen Euro entstanden. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,771570,00.html
61,5 Millionen Euro? das ist ja mehr als lächerlich;) setzt man demgegenüber die normalen Ladendiebstähle, so werden die sich auf mehrere hundert Millionen belaufen! Aber die Parole "das Internet ist böse" muss hochgehalten werden zwecks Vorratsdaten-Speicherung und Gängelung des Bürgers...
micky2 30.06.2011
2. .
Wow, ich bin begeistert von der riesigen Summe! Ich glaube vor 10 Jahren hätte ich da noch gestaunt, aber nach 2008 sind alles, was unter 1 Mrd. € ist doch nur noch Peanuts. Die Griechen sichern wir mit 100 Mrd. € ab und hier wird gesagt, dass wir die Vorratsdatenspeicherung brauchen wegen Internet-Kriminalität, die für jeden Bürger einem Jahresschaden von 0,75€ ausmacht. Wahrscheinlich zählen die kino.to-Leute auch dazu und die machen genau die 19% Wachstum aus ;) Aber naja, da zählt man ja dann auch die Einnahmen dazu, die Leute dafür gezahlt haben, um einen schnellen Download der Filme zu haben. Irgendwie wird das so schwammig recherchiert, Hauptsache man hat der Vorratsdatenspeicherung mal wieder einen Schub gegeben. Spiegel, langsam nervt ihr auch MICH an. Ich lese das eigentlich nur zwecks Mangel der Alternativen. Hat jemand Tipps für echte Berichterstattung, echten Journalismus, der nicht nur Propaganda für die Regierung sein soll?
Alfons 11:45, 30.06.2011
3. So etwa anderthalb Prozent ...
Zitat von Medienkritiker61,5 Millionen Euro? das ist ja mehr als lächerlich;) setzt man demgegenüber die normalen Ladendiebstähle, so werden die sich auf mehrere hundert Millionen belaufen! Aber die Parole "das Internet ist böse" muss hochgehalten werden zwecks Vorratsdaten-Speicherung und Gängelung des Bürgers...
Ladendiebstähle 2010: Größenordnung 4 Milliarden Euro.
nullisnil 30.06.2011
4. Bei allem "Respekt"
Bei allem "Respekt", aber da muss man wirklich fragen ob dieser Zierke Blöd ist. "BKA-Chef Ziercke betonte erneut, dass den Ermittlungsbehörden die Hände gebunden seien, wenn sie Computer nicht über IP-Adressen Personen zuordnen können." Vielleicht sollte ihm mal jemand sagen, dass die Ermittungsbehörden ohne Probleme bei jedem ISP bereits jetzt diese Zuordnung machen können. Man ruft da einfach an, sagt es gäbe ein Ermittungsverfahren, der richterliche Beschluss wäre unterwegs und die sollen die Daten nicht löschen. Natürlich müsste die Polizei dazu Zeitnah reagieren. Dies bedeutet nicht erst nach ein oder zwei Jahren anrufen und fragen ob die Daten noch da wären. Aber dazu müsste man ja seinen Arsch vom Sessel heben und die Hand zum Telefonhörer führen. Das kann man ja nicht erwarten. Entweder dem Herren Zierke ist bekannt, dass das ohne Probleme jetzt schon geht und er möchte alle nur Verarschen weil der Grund woanders liegt oder ihm ist es nicht bekannt, dann sollte er sich mal etwas mit dem Thema beschäftigen. Egal wie es sei mir platzt der Kragen wenn ich sowas höre.
walter.m 30.06.2011
5. Ziercke ist SPD
Rasterfahndung - Herold (SPD) Vorratsdatenspeicherung - Ziercke (SPD) Vorratsdatenspeicherung - Landesinnenminister der SPD Wer hier die Bürger als Feinde des Staates höher bewertet ist ja jetzt klar. Jeder, der glaubt, daß er mit einer Bürgerverdächtigungspartei wie der SPD besser klar kommt als mir einer anderen Partei, sollte diese bevorzugen. SPD-Ziercke hat sein Dummschwätz doch von irgendwo her, von Schily- Nachfolgern wie dem SPD-Mann in Baden-Württemberg wird das Gelaber wiederholt um uns für VDS gefügig zu machen. Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten, weil wir den schon unter Kontrolle haben. Meine Überlegung nun: Warum will gerade die SPD, auch die Grünen, daß wir uns beschnüffeln lassen sollen? Die CDU/CSU hängt sich da nur dran, weil so Typen wie Bosbach hinter jedem Wildpinkler eine Gefahr für die öffentliche Ordnung sehen, mal abgesehen vom Grundwasser.
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