Von Felix Knoke
Wie es sich anfühlt, wenn Cyberkriminelle den eigenen Rechner als Geisel nehmen, musste SPIEGEL-ONLINE-Leser Thomas H. Anfang Januar erfahren: "Ich war gerade am Surfen, als plötzlich eine Warnmeldung meinen kompletten PC versperrte: 'Achtung! Aus Sicherheitsgründen wurde Ihr Windowssystem blockiert.'"
Die Meldung ließ sich nicht wegklicken, der Taskmanager war deaktiviert und auch ein Neustart des Windows-Betriebssystems half nicht weiter. Die Warnung tauchte einfach immer wieder neu auf. "Die war echt gut gemacht, wirklich ganz nah an Windows dran", sagt Thomas H. "Da habe ich schon ein wenig Panik bekommen." Daran änderten auch die verqueren Formulierungen der Meldung nichts.
"Durch das Besuchen von Seiten mit infizierten und pornografischen Inhalten" sei sein "Computersystem an eine kritische Grenze gekommen, nach der das System zusammenbrechen und die ganzen Dateien verloren gehen können." Aber Rettung sei nah: Für 50 Euro könne er sich ein "kostenpflichtiges Upgrade für besonders infizierte Windowssysteme" herunterladen. Dies beschütze "das System vollständig von Virus und Schadprogrammen, stabilisiert Ihr Computersystem und verhindert den Datenverlust."
Das Lösegeld hätte H. mittels einer virtuellen Cash-Währung, deren Geldkarten man an jeder Tankstelle kaufen kann, überweisen sollen. Für H. das klare Signal, dass er gerade Opfer eines Erpressungsversuchs wurde. "Zum Glück hatte ich meiner Freundin neulich erst ein Gastkonto auf meinem Computer eingerichtet, von dem ich jetzt die wichtigsten Daten retten und im Internet nach Hilfe suchen konnte", berichtet er.
Tipps fand er im Internet etliche - aber sie halfen ihm nicht weiter: "In den Trojaner-Selbsthilfeforen verstand ich kein Wort und eine Datenrettung mit einer Linux-Boot-CD hab ich mir nicht zugetraut." Und überhaupt: "Das war ganz schön umständlich, teilweise zog sich der dort vorgeschlagene Prozess über Wochen hin."
Einfacher ging es über BKA-Trojaner.de, einer Website des deutschen Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und des Branchenverbandes eco. "Im Grunde musste ich nur eine Exe-Datei löschen." Wie das in diesem und in anderen Fällen funktioniert, erklärt die Seite im Detail.
Bei H. bleibt trotzdem ein mulmiges Gefühl vorhanden. Zum einen, weil der Trojaner trotz Desinfektion unbemerkt weiterwüten könnte. Zum anderen, weil seine Schutzmechanismen nicht gewirkt hatten: "Ich frage mich noch immer, wie so eine einfache Datei an meinem Virenscanner vorbeikommen konnte."
"Wie viele Leute werden bei einer solchen Methode tatsächlich Geld überweisen, wenn sie schon auf viel stümperhaftere Sachen reinfallen?"
Im Folgenden einige Tipps, wie man einen Lösegeld-Trojaner erkennt - und wie man auf Erpressungsversuche reagieren sollte.
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