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Satellitenkommunikation: Forscher warnt vor Hacker-Gefahr für Flugzeuge

Sicherheitsexperte Ruben Santamarta: "Ich will die Situation ändern" Zur Großansicht
REUTERS

Sicherheitsexperte Ruben Santamarta: "Ich will die Situation ändern"

Viele Fortbewegungsmittel setzen auf Systeme zur Satellitenkommunikation. Ein Sicherheitsforscher behauptet, in zahlreichen Geräten Schwachstellen entdeckt zu haben. Er warnt sogar vor Hacks aus der Flugkabine von Passagiermaschinen.

"Satcom-Terminals: Hacken aus der Luft, auf der See und an Land": Ein Vortrag mit diesem Titel dürfte zu den aufsehenerregendsten der US-Hackerkonferenz Black Hat gehören. Sicherheitsforscher Ruben Santamarta will darin am Donnerstag unter anderem erklären, wie sich Passagierflugzeuge hacken lassen, genauer gesagt ihre Geräte zur Satellitenkommunikation.

Santamarta arbeitet bei IOActive und hat für die IT-Sicherheitsfirma bereits im April einen Bericht zu Sicherheitslücken in Satellitenkommunikations-Geräten veröffentlicht. In der Berichtszusammenfassung heißt es: "In jeder von IOActive untersuchten Firmware von Satellitenkommunikations-Geräten wurden mehrere hochriskante Schwachstellen entdeckt. Die Schwachstellen haben das Potenzial, es böswilligen Handelnden zu ermöglichen, Kommunikation abzuhören, sie zu manipulieren oder zu blockieren."

Auf der Black Hat, die bereits seit Samstag läuft, will Santamarta nun technische Details zu den Problemen bekanntgeben. Ein System soll dabei beispielhaft von der Bühne aus angegriffen werden. "Die Geräte sind total offen", sagt der 32-Jährige. "Das Ziel dieses Vortrags ist es, dazu beizutragen, dass sich diese Situation ändert."

Bislang nur im Labor getestet

Seine Erkenntnisse hat Santamarta per Reverse Engineering gewonnen. Praktisch bedeutet dies, dass sein Team und er Monate damit verbracht haben, die Firmware von Systemen der Firmen Cobham, Harris, EchoStar, Iridium und Japan Radio Co. nachzubauen.

Theoretisch hätte ein Hacker die Möglichkeit, per W-Lan oder über das Bordunterhaltungssystem die Bordelektronik zu hacken, sagt Santamarta nun der Nachrichtenagentur Reuters. Unter Umständen lasse sich so die Satellitenkommunikation stören oder ändern, was wiederum die Navigations- oder Sicherheitssysteme der Maschine beeinträchtigen könnte.

Santamarta sagt, dass er seine Angriffe bislang ausschließlich in kontrollierter Umgebung wie dem Madrider IOActive-Labor getestet habe. Es könne daher schwierig sein, sie unter realen Bedingungen zu wiederholen. Zum Veröffentlichen seiner Erkenntnisse habe er sich entschieden, weil er Hersteller ermutigen will, die Sicherheitslücken zu schließen.

Mehrere Hintertüren entdeckt

Auf der Infoseite zu Santamartas Vortrag heißt es, seine Firma habe in der Geräte-Software unter anderem mehrere Hintertüren und schwache Verschlüsselungsalgorithmen entdeckt. Einige Geräte sollen auch unveränderliche Zugangsdaten haben, so dass sich mit dem Wissen über einen Zugang gleich auf mehrere Systeme zugreifen lässt.

Sprecher der Firmen Cobham, Harris, EchoStar und Iridium sagten, sie hätten Santamartas Forschung begutachtet und könnten einige Erkenntnisse bestätigen. Die Risiken würden aber überschätzt. Vom Unternehmen Cobham beispielsweise heißt es, über das W-Lan-Signal sei es nicht möglich, ein kritisches System zu beeinträchtigen. Dafür benötige man direkten, physischen Zugang zu den Cobham-Geräten. Ein Harris-Sprecher sagte: "Wir kamen zu dem Schluss, dass das Risiko einer Beeinträchtigung sehr gering ist."

Santamartas Vortrag findet in Las Vegas am Donnerstag um 15.30 Uhr statt, nach deutscher Zeit also am Freitag um 0.30 Uhr.

mbö/Reuters

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1.
ulijoergens 05.08.2014
Zitat von sysopREUTERSViele Fortbewegungsmittel setzen auf Systeme zur Satellitenkommunikation. Ein Sicherheitsforscher behauptet, in zahlreichen Geräten Schwachstellen entdeckt zu haben. Er warnt sogar vor Hacks aus der Flugkabine von Passagiermaschinen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/black-hat-forscher-will-zeigen-wie-man-flugzeug-hacken-kann-a-984402.html
Heisse Luft. Bislang habe ich weder konkretes Risiken und Auswirkungen einer derartigen "möglichen" Attacke gesehen. Da braucht wohl nur jemand wieder Medienpräsenz, um sein Ego zu verstärken oder Forschungsgelder locker zu machen. Die einzigen realistischen Attacken, die ich bislang gesehen habe, liegen in der Manipulation der Pilot-Controller Kommunikation (Daten und Sprechfunk). Die kann man aber auch viel einfacher stören.
2.
volatus123 05.08.2014
Zitat von ulijoergensHeisse Luft. Bislang habe ich weder konkretes Risiken und Auswirkungen einer derartigen "möglichen" Attacke gesehen. Da braucht wohl nur jemand wieder Medienpräsenz, um sein Ego zu verstärken oder Forschungsgelder locker zu machen. Die einzigen realistischen Attacken, die ich bislang gesehen habe, liegen in der Manipulation der Pilot-Controller Kommunikation (Daten und Sprechfunk). Die kann man aber auch viel einfacher stören.
Da bin ich nun aber beruhigt!
3.
gurgol 05.08.2014
Da dürfte die Wahrscheinlichkeit daß ein Flugzeug "einfach so" z.B. abstürzt größer sein , als ein An-Board-Hack mit fatalen Folgen. Wieviel Leute kämen denn wohl als Täter in Betracht? Und wieviel von denen begäben sich selbst mit in evtl. Gefahr? Und über Geheimdienste braucht man ja gar nicht erst zu spekulieren. Wie der Vorredner schon sagt,...heiße Luft und Wichtigtuerei
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