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Blackberry-Ausfall: Die Cloud-Katastrophe

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Von überall jederzeit auf E-Mails und Dateien zugreifen: Diese Bequemlichkeit geht auch mit Risiken einher - das mussten Blackberry-Nutzer gerade angesichts von hartnäckigen Ausfällen erfahren. Hakt es in den Rechenzentrum von Cloud-Anbietern, können die Kunden nur warten, warten, warten.

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Blackberry-Nutzer: Viele Besitzer eines RIM-Smartphones sind seit Tagen offline

Hamburg - "Man kommt sich etwas hilflos vor", schreibt ein genervter Blackberry-Nutzer in einem der vielen Foren, in denen die Besitzer der Smartphones sich gegenseitig ihr Leid klagen: Tagelang kamen E-Mails allenfalls mit Zeitverzögerung an, der Messenger-Dienst funktionierte nicht, selbst Internet-Surfen war oft nicht möglich. Wie viele der rund 70 Millionen weltweit eingesetzten Blackberrys von dem Ausfall betroffen waren, ist nicht klar.

Das eigentliche Problem - ein defekter Switch - soll mittlerweile behoben sein, teilte der Backberry-Hersteller Research In Motion (RIM) am Donnerstag mit. Der Abbau des Nachrichtenstaus dürfte aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen, und auch am Mittag klagten Nutzer noch über Ärger mit den Blackberry-Diensten.

Damit die wegen ihrer sicheren Verschlüsselung oft geschäftlich eingesetzten Smartphones richtig funktionieren, müssen sie ständig Kontakt zum Rechenzentrum des Herstellers aufnehmen. Kommt es in dieser Zentrale zu einer Fehlfunktion, kann das verheerende Folgen für Blackberry-Nutzer haben - so wie in diesem Fall. Für die Firma ist es eine Blamage. Unternehmen, die ihren Mitarbeitern Blackberrys zur Verfügung stellen, können dann nur hoffen, dass der Fehler schnell behoben wird.

Praktische Dienste in der Wolke

Die Hilflosigkeit ist der Preis für das Konzept zentralisierter Dienste. Die Idee ist eigentlich uralt: Viele kleine, für sich nicht besonders leistungsfähige Geräte hängen an einem Host, der ihnen all die wunderbaren Anwendungen auf die Bildschirme zaubert. Sun hat diese Architektur Mitte der neunziger Jahre noch als die Zukunft der Computerarbeit gefeiert - damals hieß das uralte Konzept auf einmal "Thin Client".

Eine Zeitlang waren die Rechner so schnell und Internetverbindungen noch so langsam, dass das Konzept der übermächtigen Host-Computer mit vielen angehängten Clients etwas in Vergessenheit geriet. Nun ist es wieder in Mode, Google bietet sogar ein Betriebssystem namens ChromeOS an, das Daten ausschließlich in der Datenwolke speichert. Wer ChromeOS nutzt, lagert Datenverarbeitung nahezu komplett auf Google-Server aus.

Die Clients von heute sind nicht dumm. Ein Blackberry-Handy funktioniert grundsätzlich auch, wenn Blackberrys Server Probleme haben - nur stehen den Nutzern dann im schlimmsten Fall die wichtigsten Anwendungen nicht mehr zu Verfügung.

So ähnlich ist das bei all den praktischen Dienste, die unter dem Schlagwort "Cloud Computing" groß in Mode sind. Firmen sollen nicht länger große Softwarepakete einkaufen und eigene Server betreiben, sondern sich diese Dienste je nach Bedarf bei einem großen Anbieter anmieten, der Zugriff erfolgt über das Internet. In vielen Fällen müssen die Nutzer nicht einmal mehr spezielle Programme installieren - sie können die Dienste über jeden Web-Browser abrufen.

Funktioniert alles, wie geplant, können beispielsweise kleine Start-ups sich ein Einsteigerpaket kaufen und hohe IT-Investitionen sparen. Nimmt ihr Dienst dann Fahrt auf und lockt viele Nutzer an, kann kurzfristig neue Rechenkapazität hinzugekauft werden - früher mussten neue Server angeschafft und angeschlossen werden, was meist mehrere Tage, wenn nicht gar Wochen in Anspruch nahm. Auch Privatanwender lagern Daten in der Cloud: Mit E-Mail-Diensten wie Yahoo! Mail oder Googlemail, mit Online-Festplatten wie HiDrive oder Dropbox, mit Apples neuer Zentralspeicher iCloud und mit dem sozialen Netzwerk Facebook.

Web-Zentralismus und Fehlertoleranz

Wenn aber ein Blitzschlag das Rechenzentrum eines großen Cloud-Anbieters lahmlegt, sind schnell etliche Unternehmen betroffen - und damit viele Mitarbeiter, Kunden und Zulieferer. So geschehen im August, als ein Blitzschlag den Transformator eines Amazon-Rechenzentrums in Irland außer Dienst setzte. Als im April Amazons Webhosting-Dienst EC2 (Elastic Compute Cloud) aussetzte, wurde klar, wie viele Web-Dienste von Amazons Datenwolke abhängig sind: Reddit, Foursquare, Quora und Hootsuite waren auf einmal nicht mehr zu erreichen.

Eigentlich sind solche Rechenzentren für solche Fälle ausgelegt, Backups bewahren die Kunden vor dem Datenverlust. Außerdem betreiben große Cloud-Anbieter mehrere Rechenzentren in verschiedenen Ländern, so dass Ausfällen vorgebeugt wird. Dahinter stecken komplexe Systeme, Facebook beispielsweise verteilt die Datenmassen seiner rund 700 Millionen Nutzer - das Netzwerk betreibt wohl den größten Bilderspeicher des Planeten - über ein Filesharing-Protokoll in die verschiedenen Rechenzentren.

Das Cloud-Dogma

Auch Google speichert große Datenmengen in diversen Rechenzentren - mehrfach abgesichert, von vorneherein darauf ausgelegt, dass Hardware kaputt gehen kann. Unterläuft den Entwicklern allerdings ein Fehler, schleicht sich ein Bug in den Systemcode ein, kann auch dieses System zusammenklappen. Immer wieder trifft es Nutzer von Googlemail für ein paar Stunden. Anfang des vergangenen Jahres erwischte es YouTube: Die Videoplattform war zweitweise nicht erreichbar.

Der um sich greifende Zentralismus im Web führt dazu, dass die Auswirkungen eines Ausfalls größer werden - und schnell Millionen von Nutzern betreffen. Entwickler, die ihre Anwendungen auf den Servern eines Cloud-Anbieters laufen lassen und für diesen optimieren, sind bisweilen auch von plötzlichen Preissteigerungen der Dienste überrascht. Wird das Abrechnungsverfahren umgestellt, kostet dieselbe Nutzung auf einmal doppelt so viel wie zuvor und so einfach können Entwickler dann nicht wechseln, wenn sie ihre Anwendungen für den einen Anbieter optimiert haben.

Vernetzte Dienste müssen nicht total zentralisiert sein

Den Zentralisierungstrend sehen Entwickler wie Richard Stallman kritisch. Der Aktivist für freie Software schrieb in einem Gastbeitrag für SPIEGEL ONLINE: "Derzeit läuft eine systematische Kampagne, die Nutzer dazu bringen soll, ihre Daten Unternehmen anzuvertrauen, denen sie nicht vertrauen sollten. Das Schlagwort lautet 'Cloud Computing' - ein Begriff, der für so vieles gebraucht wird, dass seine einzige wahre Bedeutung lautet: 'Mach es, ohne darüber nachzudenken, was du da tust.'"

Bei all den sehr unterschiedlichen Diensten, die nur die Zentralisierung von Datenverarbeitung und -Speicherung gemeinsam haben, gerät ein anderes Konzept langsam in Vergessenheit: Das Peer-to-Peer-Prinzip, bei dem gleichberechtigte Rechner über viele Querverbindungen untereinander ein Netz aufbauen.

Die Facebook-Alternative Diaspora zum Beispiel betreibt ein soziales Netzwerk als gemischtes System mit zentralen Servern und gleichberechtigten Clients, die sich untereinander austauschen können. Nicht jeder vernetzte Dienst muss also völlig zentralisiert aufgebaut sein - eine solche Architektur bietet oft den größten Vorteil dem Betreiber des zentralen Anlaufpunkts.

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1. RIM bald RIP ?und mehr Risiken
Radtourist 14.10.2011
Zitat von sysopVon überall jederzeit auf E-Mails und Dateien zugreifen: Diese Bequemlichkeit geht auch mit Risiken einher - das mussten Blackberry-Nutzer gerade angesichts von hartnäckigen Ausfällen erfahren. Hakt es in den Rechenzentrum von Cloud-Anbietern, können die Kunden nur warten, warten, warten. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,791624,00.html
RIM macht bald RIP es hakt bei Research In Motion (BlackBerry) auch in anderen Dingen, wie zB einer hakeligen Benutzerführung. Der BB Torch kam etwas spät und die Tabletprojekte sind eher zurückgenommen worden ... bald RIP (Rest In Peace) ? Aber sonst so: Cloud heißt persönliche Daten / Firmndaten irgendwelchen Unternehmen mit irgendwelchen nationalen Gesetzen anzuvertrauen. steht der Server in den USA, dann haben dank PATRIOT Act, der immernoch gilt, die US Geheimdienste und Militärs auf diese Daten vollen Zugriff. Zugriff heißt aber auch, dass genannte Dienste auch Mitbewerber in den USA mit daten ihrer Konkurrenten in Deutschland mit sensiblen Daten versorgen können. Wer seine Daten in eine Cloud schiebt, sollte genau wissen, was der anbieter für eine technische Organisationsstruktur hat (stehen Server z.B in USA) - welchen Gesetzen er unterliegt (US Firmen eben US Richtlininen und Zusatzgesetzen) und was für eine Art daten er da freigibt. Der Trend, Daten irgendwelchen Privatunternehmen anzuvertrauen ist nicht unbedingt nur vorteilhaft. Ich wäre und bin damit sehr vorsichtig.
2. Missverstanden
OlGa 14.10.2011
Zitat von sysopVon überall jederzeit auf E-Mails und Dateien zugreifen: Diese Bequemlichkeit geht auch mit Risiken einher - das mussten Blackberry-Nutzer gerade angesichts von hartnäckigen Ausfällen erfahren. Hakt es in den Rechenzentrum von Cloud-Anbietern, können die Kunden nur warten, warten, warten. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,791624,00.html
Erst einmal scheint der Autor das Konzept "Cloud" komplett missverstanden zu haben. Die Begriffe "Client/Server", "Host", "Zentralisierung" sind fast das genaue Gegenteil von Cloud Computing. Basierend auf diesem Missverständnis werden dann auch E-mail-Dienste dazugerechnet, als wenn dies etwas neues wäre, obwohl E-mailboxen sei je her für die große Mehrheit von uns nicht auf dem eigenen Rechner liegen. Hier wird künstich ein Problem konstruiert. Cloud-Computing steckt noch in den Kinderschuhen und wird uns noch einige Probleme bereiten. So gibt es das Problem, dass Daten zwar mehrfach redundant gespeichert, aber oft noch nicht mehrfach redundant erreichbar sind. Auch ist da das Problem des Datenschutzes, was sich aber (leider) wahrscheinlich von selbst lösen wird, weil er den Menschen zunehmend egal wird. Dennoch hat es sich doch schon lange durchgesetzt, und ein solcher Artikel wie dieser liest sich wie die naiven Kommentare aus den Neunzigern, dass das Internet nur eine vorübergehende Modeerscheinung sei. Viele der Probleme, die in dem Artikel beschrieben sind, bleiben uns auch ohne Cloud nicht erspart. Was in dem Artikel komplett fehlt (oder teilweise als "Dogma" verurteilt wird) sind die Vorteile der Cloud, wie z.B. Kostenersparnis, Kollaboration, ideale Plattform für Social Networks, und gewissermaßen auch die Datensicherheit durch Redundanz.
3. Blackberry und Cloud
dirkgruenwald 14.10.2011
So schlimm kann es eigentlich garnicht sein, weil 1.) die meistens Menschen einen Blackbery als Zweitgerät für E-Mails haben (und darum über ihren PC, Notebook etc. ihre Mails lesen könnten) und 2.) Blackberry eigentlich gar keine richtiger Cloud-Service ist. Aber was ich auch gelernt habe, ist das auf Blackberry-Geräten der Internet-Verkehr auch über deren Server geht (und nicht über die des Mobilfunkproviders).
4. Wenn man nicht alles selber macht
Hercules Rockefeller, 14.10.2011
Die "Cloud" ist wie eine Toilette für Alle. Ist sie ausser Betrieb, macht die ganze Welt in die Hose...
5. Nur eine Frage der Zeit ...
52m.de 14.10.2011
... war es, bis mal so etwas passiert. Heute ist es RIM und morgen eine andere Firma (hatte nicht letztens T-Mobile USA ein ähnliches Problem?). Am sichersten sind meine Daten dort, wo nur ich rankomme. Bei Servern, auf die auch andere Zugriff haben (Administratoren, Hacker, Cracker usw.) kann man nie sicher sein, dass nicht doch irgendjemand mitliest. Packt eure privaten Daten auf eine Speicherkarte im Handy und macht BackUps auf den eigenen Computer. Da kommt kein anderer ran und man weiß, wo man sein BackUp gemacht hat.
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