Blaue Armee: Elite-Hacker führen Cyberwar für China
Geahnt hat es der Westen schon lange, jetzt ist es offiziell bestätigt: Die chinesische Armeeführung hat erstmals die Existenz einer Einheit von Computerspezialisten eingeräumt - 30 Elite-Hacker sollen das Land vor Cyber-Angriffen schützen. Aber wird die "Blaue Armee" auch für Angriffe eingesetzt?
Hamburg/Peking - Die Überraschung kam bei einer Informationsveranstaltung des chinesischen Verteidigungsministeriums. Ministeriumssprecher Geng Yansheng bestätigte der britischen "Times" zufolge: Ja, es gibt eine militärische Einheit von Elite-Hackern. 30 Mann stark soll die sogenannte Blaue Armee sein, deren primäre Aufgabe es Geng zufolge ist, die Sicherheit der chinesischen Volksbefreiungsarmee zu verbessern. Damit bestätigte er Befürchtungen westlicher Militärs und Geheimdienste, die längst vermuten, China verfüge über eine Armee von Cyber-Kriegern, die industrielle, militärische und staatliche Computeranlagen angreifen, um Geheiminformationen zu entwenden oder staatliche Einrichtungen zu sabotieren.
So ist es in den USA längst zum Ritual geworden, bei großangelegten Cyber-Attacken chinesische Staatshacker als Angreifer zu vermuten. Nicht ohne Grund, denn ebenso regelmäßig lassen sich die Spuren der Hacker nach China verfolgen. Ihre Ziele seien Netzwerke der US-Armee, des Außen-, Verteidigungs- und Energieministeriums, andere Regierungsstellen, Unternehmen und Internetprovider, hieß es schon 2008 in einem Sicherheitsbericht des US-Außenministeriums. Vor wenigen Monaten warnte die Sicherheitsfirma McAffee, seit November 2009 seien verdeckte und gezielte Cyber-Attacken gegen globale Öl-, Energie- und Petrochemie-Unternehmen durchgeführt worden. Die Täter seien auf der Suche nach ganz bestimmten, wirtschaftlich relevanten Materialien gewesen, man habe die Mehrzahl der Angriffe nach China zurückverfolgen können. Beweise, dass die Hacker im Regierungsauftrag agierten, konnte man aber nicht vorlegen.
Chinesische Offizielle beteuern auch nun, die Blaue Armee sei keine Angriffstruppe. So erklärt der Militärforscher Xu Guangyu von der staatlichen Waffenkontroll- und Abrüstungsgesellschaft: "Das Internet hat keine Grenzen, also können wir auch nicht sagen, wer unser Feind ist und wer uns angreifen wird. Die Blaue Armee ist auf Selbstverteidigung ausgerichtet. Wir werden damit niemanden angreifen."
"Es ist wie beim Pingpong"
Konkret befragt, ob die Spezialeinheit eingerichtet worden sei, um andere Staaten anzugreifen, antwortete Geng der "Times" ausweichend, Internetsicherheit sei eine internationale Angelegenheit mit Auswirkungen auf militärische Schlachtfelder. Zudem sei auch China schon oft genug Ziel von Angriffen aus den weltweiten Datennetzen gewesen.
Dass sich China nunmehr bestens gegen derartige Angriffe zur Wehr setzen kann, soll eine Übung bewiesen haben. Die Militärzeitung " PLA Daily" berichtet von einem Cyber-Manöver, in dem sich die Blaue Armee einer viermal größeren Angriffsstreitmacht stellen musste, die chinesische Netze mit Computerviren, Junk-Mail-Fluten und Hackerangriffen attackierte, um Militärgeheimnisse zu erbeuten - vergeblich.
Die Elite-Einheit sei so außerordentlich schlagkräftig, weil man ihre Mitglieder aus einem ungeheuer großen Angebot herausragender Talente habe zusammenstellen können, erklärt ein ehemaliger General der Volksbefreiungsarmee der "Times". "Es ist wie beim Pingpong. Wir haben sehr viele Leute, die das spielen, und sind deshalb so gut darin."
Ein Jahrzehnt in der Planung
Überdies sollen in Bau und Ausstattung des Trainingszentrums der Cyber-Krieger in Guangdong zig Millionen Yuan (mehrere Millionen Euro) geflossen sein. Mit den Planungen habe die Armee vor mehr als zehn Jahren begonnen, vor zwei Jahren wurde mit dem Aufbau der Einheit begonnen, schreibt die "PLA Daily".
Zur Beruhigung dürfte die unerwartete Offenheit der chinesischen Militärführung bei westlichen Geheimdiensten und Militärorganisationen kaum führen. Die Liste herausragender Cyber-Attacken, die in den letzten Jahren nach China zurückverfolgt werden konnten, ist lang.
Ein paar ausgewählte Beispiele:
- 2007 wurden chinesische Trojaner-Programme auf Computern im Kanzleramt gefunden.
- 2008 drangen chinesische Hacker in das Datennetz des Weißen Hauses ein.
- 2010 wurde der Suchmaschinenkonzern Google Opfer eines großangelegten Cyber-Angriffs, der vermutlich von China aus geführt wurde.
- Wenige Monate später entdeckten Forscher ein chinesisches Schattennetzwerk, über das unter anderem Indiens Regierung sowie das Büro des Dalai Lama ausspioniert worden sein sollen.
Dass China nun zugegeben hat, tatsächlich eine kleine, aber schlagkräftige Cyber-Armee zu unterhalten, dürfte Zweifler im Westen kaum beruhigen. Im Gegenteil: Sobald der nächste Angriff kommt, den man auf chinesische Netzwerke zurückführen kann, wird man wissen, auf wen man mit Fingern zeigen, wem man die Schuld geben kann - unabhängig davon, ob ein staatlicher Auftrag für solche Angriffe nachzuweisen ist.
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- Donnerstag, 26.05.2011 – 15:03 Uhr
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Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Fläche: 9.572.900 km²
Bevölkerung: 1341,335 Mio. Einwohner
Hauptstadt: Peking
Staatsoberhaupt: Xi Jinping
Regierungschef: Li Keqiang
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