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Blog-Studie: Der Nachwuchs ist weiblich

Bei der bislang größten Studie zum Thema Blogs im deutschsprachigen Raum kam teils Überraschendes ans Licht: So gibt es fast ebenso viele Bloggerinnen wie Blogger - bei den ganz jungen sind die Damen sogar in der Mehrheit.

Auf der einen Seite sind sie so, wie man sich das vorstellt, die Blogger: Um die 30, gut ausgebildet, oft aber noch mit weiterer Ausbildung beschäftigt, überwiegend männlich. Auf der anderen Seite ist das nur der Durchschnittsblogger - und Durchschnitte verhüllen oft mehr Wahrheit, als sie enthüllen.

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Blogger sind auch ganz anders - jedenfalls einer Umfrage zufolge, die die Forschungsstelle "Neue Kommunikationsmedien" der Universität Bamberg in Zusammenarbeit der Agentur "Knallgrau" und zwei Blog-Plattformen durchgeführt hat. 5246 Personen haben Jan Schmidt und Martin Wilbers damit erreicht, von denen die meisten selbst bloggen oder einmal Blogger waren. Mehr Exemplare dieser Spezies hat im deutschsprachigen Raum noch nie jemand befragt.

Heraus kam dabei zum Beispiel: Blogger sind auch weiblich und unter 20. Und zwar, in dieser Altersgruppe, sogar überwiegend weiblich - 66 Prozent der Webtagebuchschreiber unter 20 sind Bloggerinnen. In den USA erbrachte eine Studie kürzlich ein ähnliches Ergebnis. Das will nicht so richtig ins Bild der technikverliebten "Geek"-Community passen. "Für viele davon hat ihr Blog eine Art Tagebuchfunktion - und das Muster des Tagebuchschreibens ist kulturhistorisch eher eine weibliche Praxis", erklärt Jan Schmidt im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Auch innerhalb der Gesamtstichprobe sind Frauen mit über 45 Prozent stark vertreten - wobei die Studie als ganze nicht als representativ gelten kann.

40 Prozent der Blogger, die an der Befragung teilnahmen, sind Schüler oder Studenten, gut vier Prozent sind arbeitslos. Gut 32 Prozent sind Arbeiter, Angestellte und Beamte, gut 15 Prozent Freiberufler.

Die meisten Blogger wollen der Umfrage zufolge auch nicht in erster Linie die Welt verbessern, eine Gegenöffentlichkeit schaffen oder den besseren Journalismus produzieren, "die dominierenden Motive sind Spaß und Freude am Schreiben", sagt Schmidt. Drei Viertel der Befragten berichten Anekdoten oder Episoden aus ihrem privaten Alltag - aber immerhin 41 Prozent geben auch an, gelegentlich Kommentare zur politischen Situation in ihr Weblog zu schreiben.

Blogger, die öfter mal einen Blick aus dem eigenen Lebensumfeld heraus riskieren, finden dann aber auch eher mehr Leser. "Die Leute, deren Blogs stark gelesen und verlinkt werden, schreiben auch über anderes als ihr schulisches oder studentisches Leben", sagt Schmidt, und fügt hinzu: "Diese Leute haben die stärkste Außenwirkung, prägen das Bild in der Öffentlichkeit - aber sie sind eine Minderheit."

Für die meisten ist ihr Blog eine Kommunikationsplattform: Über Einträge, Kommentare und Reaktionen auf Kommentare pflegen sie Kontakte, oft mit Freunden und Bekannten. Nur 30 Prozent bloggen anonym oder unter Pseudonym, der Rest gibt auf die eine oder andere Art Hinweise auf seine Identität. Von denen, die mal ein Blog führten, das Projekt aber wieder beendeten, geben demnach auch mehr als ein Drittel als Grund an, "kein Feedback" bekommen zu haben. 54 Prozent hatten einfach "die Lust verloren", knapp 40 Prozent war der Zeitaufwand schlicht zu hoch.

Schmidts vorläufiges Fazit aus den Ergebnissen: Die Wahrnehmung von Blogs als in erster Linie quasi-journalistischer Gegenöffentlichkeit sei ebenso falsch, wie Weblogs als Kinderei abzutun. Aus Sicht der traditionellen Medien liege "die neue Qualität eher in der Rolle der gesamten Blogosphäre für die Kanalisierung von Aufmerksamkeit".

Christian Stöcker

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