Blog-Tipps: Mein kleiner Ameisenhügel

Von Ole Reißmann

In dieser Ausgabe der Blog-Tipps gibt es jede Menge Musikvideos, ein neues Wort wird vorgestellt, die Existenz einer traditionsreichen Foto-Community verraten - und es gibt ein wenig mehr Häme für Sony mit seinen ständigen Datenlecks und Sicherheitsproblemen.

Sebel van der Nijhoff (links) mit Kirmes-Besuchern: Heimatlied-Video für das InternetZur Großansicht
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Sebel van der Nijhoff (links) mit Kirmes-Besuchern: Heimatlied-Video für das Internet

Es ist ein bisschen so wie mit diesem kleinen, netten Café - kaum schreibt jemand darüber, kaum ist es in einem Reiseführer gelandet, ist es vorbei mit der ursprünglichen Idylle: Neue Gäste kommen und verändern den Ort, was ja gar nicht schlecht sein muss. Genug der Vorrede: Auf Antville, der Mutter aller deutschsprachigen Blog-Plattformen, gibt es so ein kleines Café. "Meine kleine Stadt" heißt das Blog, in dem eine Schar freundlicher Leute Fotos von Städten und Dörfern posten - und das ohne Geschäftsmodell oder Business-Strategie.

Seit vielen Jahren wird schon an der Bildersammlung gewerkelt, "Meine kleine Stadt" ist fast so alt wie Antville selber. Der Ameisenhügel, gestartet 2001, ist so etwas wie die Ursuppe der deutschen Blogosphäre. Wenn Web-Veteranen von der guten alten Zeit sprechen, meinen sie die Antville-Community, eine Gemeinschaft von freien und gleichen Individuen. Die Antville-Blogger schmissen mehr als einmal Geld zusammen, um Entwicklung und Betrieb der Plattform zu sichern.

Wenn Sie nun Lust bekommen haben und selber Fotos beisteuern möchten: Nehmen Sie sich die Zeit und werfen Sie einen Blick auf die sehr knappen, sehr einfachen Spielregeln. Respektieren Sie die Community - damit die sich nicht nachher bei mir beschweren, dass ich Ihnen die Adresse meines Lieblingscafés verraten habe.

Heimat in HD

Musiker sollen es ja hervorragend haben in diesem Internet: Direkte Verbindung zu den nimmersatten Fans, unbeschränkter Zugang zum größten jemals möglichen Publikum, allen Internet-Nutzern auf der Welt. Dafür müssen sie sich allerdings schon etwas einfallen lassen, um im Aufmerksamkeitswettbewerb nicht gegen "Angry Birds" oder den kino.to-Nachfolgern zu verlieren. Zum Beispiel so wie Sebel van der Nijhoff.

Der Musiker aus Herne postet nicht irgendwo eine MP3-Datei, sondern stellt lieber hervorragend produzierte Musikvideos auf YouTube. In "Heimat", seiner Hymne auf das Ruhrgebiet und die Cranger Kirmes, hat sogar der Schauspieler Willi Thomczyk ("Die Camper") einen Gastauftritt. Zehn Lieder hat er eingespielt, zu fünf gibt es schon eigens produzierte Clips. "Alle auf einem qualitativen Niveau, von dem andere Künstler nur träumen können", lobt die lokalpatriotisch nicht ganz unverdächtige "WAZ". Dabei hat er - noch - nicht einmal einen Plattenvertrag.

Noch mehr Musikvideos

Über das nicht mehr existente Musikfernsehen sind schon viele Tränen vergossen worden - viel wichtiger ist aber, dass Blogs diese Lücke wieder gefüllt haben. Regelmäßige Clip-Shows gibt es zum Beispiel auf Nerdcore, und auf dem bereits gepriesenen Antville wurde ein Videoblog zur international anerkannten Adresse für Regisseure und Produzenten. Sehenswert sind die aktuellen Tipps des Musikblogs Stereogum: "The 8 Best Videos Of The Week."

Von den acht gekürten Videos der Woche sind übrigens bei Erscheinen dieser kleinen Blog-Kolumne nur zwei "in deinem Land nicht verfügbar". Ein Zustand, für den sich die schöne Bezeichnung - Achtung, halten Sie ihren Kindern die Ohren zu - geogefickt gefunden hat. Selbst die EU-Kommission findet das nicht besonders lustig und will einen gemeinsamen europäischen Online-Binnenmarkt schaffen. Dann müssen Musik-Lizenzen von YouTube und Co. nicht mehr für jedes Land einzeln ausgehandelt werden. Bis zur Umsetzung des Plans gehen allerdings noch einige Monate ins Land.

Das auch noch

Wurde Sony diese Woche eigentlich wieder gehackt? Bei den diversen Sicherheitslecks und Hacker-Angriffen ist das eine durchaus legitime Frage. Die einfache Antwort liefert "Has Sony Been Hacked This Week?". Dabei handelt es sich um eine Einzweck-Website, eine sogenannte "Single Serving Site", die in diesem Fall ohne große Umwege und ohne Lametta "Ja" oder "Nein" verkündet. Wer wie Sony den Schaden hat, braucht für den Internet-Spott nicht zu sorgen.

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  • Sonntag, 12.06.2011 – 19:16 Uhr
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