Blog-Tipps Neue Musik für die Rotation

Ein Videoblogger geht auf Musik-Weltreise, eine Blog-Maschine spürt Hypes auf, und eine minimalistische Rezeptseite hilft entscheidungsschwachen Hobbyköchen. Das und mehr in unseren Blog-Tipps.

Tonspur bei Arte: Ein Blogger reist von Kontinent zu Kontinent

Tonspur bei Arte: Ein Blogger reist von Kontinent zu Kontinent

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Hinaus in die Ferne: Die Ausbildung hatte er hinter sich gebracht, da brach Felix Zeltner auf zur Weltreise. Weil er aber nicht nur ein weiteres Tippel-Blog ins Netz stellen wollte, konzentriert der ausgebildete Journalist sich bei seiner Walz auf Musik. Sein Wanderbuch, das "Tonspur"-Blog, führt er öffentlich. So machte er sich auf die Suche nach Reggae und Blues-Rhythmen auf Vanuatu und entdeckte emanzipatorische Musik in Mosambik. Als Ein-Mann-Team produziert er Videos für sein Blog bei dem Fernsehsender Arte, im Radio ist er bei Funkhaus Europa zu hören - und im SPIEGEL berichtete er vom Kassetten-König von Papua-Neuguinea.

"Musik auf sechs Kontinenten" ist der Untertitel, für seine Blogreise wurde Zeltner gerade mit dem Axel-Springer-Preis für junge Journalisten ausgezeichnet. Zur Preisverleihung konnte er nicht kommen - eingespielt wurde stattdessen eine Grußbotschaft des Gewinners, ein Video aus New Orleans, wo er unterwegs auf der Suche nach neuen Klängen war. Gerade hat er den Atlantik überquert, war vorher in Ghana, Äthiopien und Südafrika unterwegs, um musikalische Verbindungen zwischen Afrika und Amerika aufzuspüren.

Nun ließen sich viele Worte über elektrisierende Mischungen aus Kwaito, Kuduro, Dancehall und Cumbia verlieren, die Videos und Lieder auf "Tonspur" sprechen aber viel besser für sich selbst. Die Auswahl ist groß, denn mitunter haben Künstler den Blogger damit beauftragt, ihre Musik doch im Internet weiter zu verbreiten. Aber nicht nur bei Musikern macht Zeltner Station, in New York besuchte Zeltner den Gründer der "The Hype Machine", einer Musikblog-Sammelseite.

Was das Web hört

Erst flackert es in der Glasfaser, dann knackt es in den Kabeln, schließlich brummen die Membranen: Musik bahnt sich den Weg durch das Internet. Nicht immer zur Freude der Rechteverwalter, denn die haben die Kontrolle über die Verbreitung der digitalen Inhalte verloren und fürchten um ihren Umsatz. Unbekannte Bands und kleine Labels haben hingegen oft weniger Online-Bauchschmerzen und stellen einzelne Lieder oder komplette Album zur Verfügung: Immer mehr Musik, immer noch mehr.

Was da so durch das Internet rauscht, welche Bands von Bloggern am anderen Ende der Welt gerade entdeckt und gefeiert werden, sammelt "The Hype Machine": ein aktuelles Verzeichnis der derzeit angesagten Musikstücke. Entdecken kann man so Remixe bekannterer Stücke, die übermorgen in den Clubs laufen, aber auch bisher unbekannte Bands wie "Youth Wagon" aus Idaho, bei der kein Beat stampft, sondern ein fernes Klavier eine brüchige Stimme begleitet.

Ein Klick auf den Playbutton genügt, schon ertönt "Latest Blogged Music", und das völlig legal. Über einen Link gelangt man zu dem Blogeintrag, von dem das Lied ursprünglich verbreitet wurde. Und meldet man sich bei "The Hype Machine" an, lässt sich auch eine eigene Playlist mit Lieblingsstücken erstellen.

Mittlerweile fünf Mitarbeiter beschäftigt "Hype Machine"-Gründer Anthony Volodkin in New York. Zwei Millionen Menschen hören täglich rein, berichtet "Tonspur"-Blogger Felix Zeltner, der "Hype Machine" besucht hat. Damit Fans der Seite nie wieder in die Verlegenheit kommen, Formatradio hören zu müssen, die immer gleiche Dudelmusik auf den Funkfrequenzen, entwickelt Volodkin mit seinem Team gerade eine iPhone-App. Dann gibt es die gehypte Musik aus den Blogs auch für unterwegs.

"Dieser Scheiß ist heiß"

Kochbücher, Kochsendungen, Kochkurs: Es ist erstaunlich, was alles vorgeschoben wird, um sich ja nicht an den eigenen Herd stellen zu müssen. Abhilfe muss her! Anstatt nun den nächsten Küchenratgeber aufzulegen oder das neueste Kochblog zu starten, verfolgt "Scheiße, was koche ich heute" einen pragmatischen Ansatz. Denn die Seite liefert nichts weiter als eine einzige Antwort, die dem Besucher, nun ja, vorgesetzt wird: "Dein Esstisch biegt sich von diesem Scheiß: Frühlingstorte Erbsen & Ricotta mit Zitrone & Minze." Ohne Foto und sonstige Beilagen, schwarz auf weiß.

Wer wollte da noch widersprechen. Wer das ausgewählte Gericht dennoch verschmäht, darf den Zufallsgenerator erneut bemühen. Außerdem können Vegetarier ihre Abneigung gegen Fleisch kundtun - die einzigen beiden Optionen, die überhaupt zur Verfügung stehen. Der von Auswahlmöglichkeiten überforderte Nerd kann sich so seinem Schicksal fügen und direkt zum Einkauf schreiten, ohne erst Jamie Oliver auf Facebook zu befreunden oder sich Klickstrecken wohl präparierter Food-Imitationen reinzuziehen.

Leider haben die Betreiber, eigentlich aus der Möbelbranche, das spartanische Konzept gerade durchbrochen: Offenbar beflügelt vom Erfolg der Seite mit rund 13.000 Facebook-Empfehlungen, haben sie ein eigenes Kochbuch aufgelegt. Ein Abrisskalender wäre wenigstens konsequent gewesen. So oder so: "Geil schmeckt der Scheiß!"

Das auch noch

Stellt man bisher erfolgte Weiterentwicklungen von Cola (diverse Geschmacksrichtungen, Koffein- und Süßvarianten) und wünschenswerte Weiterentwicklungen (genau eine, nämlich eine Cola, die auch zwei Minuten nach dem Öffnen noch Kohlensäure enthält) gegenüber, ist mit dieser kleinen Infografik schon viel über die Branche der Zuckerbrausehersteller erzählt. "Die Welt erklärt in überwiegend lustigen Grafiken" hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Wahnsinn dieser Welt grafisch aufzubereiten.

Erfahren kann man dort zum Beispiel, was die Schnittmenge von Dingen ist, die man im Studium lernt, und Dingen, die man im Berufsleben später braucht. Mahlzeit!



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