Blog-Tipps Wir sind Edelblogger, was seid ihr?

Unsere Dads spielten schon Hipster, da waren wir noch nicht geboren: "Dads: The Original Hipsters" spürt der Jugend unserer Erzeuger nach. Außerdem in den Blog-Tipps: Hypnotoad in Berlin gesichtet und Journalisten sind Edelblogger.

Dads: The Original Hipsters: Skateboard-Fahren war früher richtig underground

Dads: The Original Hipsters: Skateboard-Fahren war früher richtig underground

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Mach dir nichts vor: Dein Vater hat schon vor dir auf dem Computerspiele gedaddelt. Und er hat die Highscores, um es zu beweisen. "Dads: The Original Hipsters" zeigt, dass unsere Väter schon vor 30 Jahren wussten, wie man cool rüberkommt. Begleitet werden die Aufnahmen bärtiger Männer mit riesigen Kopfhörern, knallengen Jeans und mit Kindern in Einkaufstüten auf dem Arm von hervorragenden Geschichten.

Denn dass man heute in den USA sieben Tage auf eine im Geschäft gekaufte Waffe warten muss, liegt natürlich nur daran, dass Dad mit der Knarre in die Wildnis losgezogen ist, um seine Dämonen zu bekämpfen. Und natürlich besaß Dad absurd große Kopfhörer, um das Babygekreische zuhause auszublenden.

Fotosammlungen rückblickend szenetauglicher Eltern gibt es bereits - es sind die Texte, die das Blog "Dads: The Original Hipsters" so großartig machen. Noch so ein Ratschlag: Bevor es ans Demonstrieren geht, für Fahrradwege oder fair gehandelten Kaffee, einfach mal Dad anrufen. Der hat schließlich für Gleichberechtigung und gegen den Vietnamkrieg protestiert und weiß, wie man wirklich die Welt verändert. ( via Feingut)

Ein Füllhorn mit Fastfood

Abstürzende Kampfjets im Museum, Hamburger und Pommes, die aus einem geflochtenem Füllhorn quellen, fliegende Teppiche und angeschossene Büromöbel: Alles versammelt in " Booooooom", dem Blog des kanadischen Künstlers Jeff Hamada.

Von Vancouver aus befüllt er praktisch täglich seine bunte Wunderbox mit Fundstücken aus dem Internet, aus Galerien und Museen und stellt damit die Werke bekannter und vor allem noch nicht ganz so berühmte Künstler vor. Wie er das alles findet, und was er letztlich für sein Blog auswählt: auch das ist Kunst.

Von Zeit zu Zeit bittet er zu kollaborativen Projekten wie zum Beispiel einer Sammlung von bekannten Liedern, gesungen und gespielt von Unbekannte. Ein anderes Mal forderte er seine Leser auf, sich Höhlen zu bauen, so wie damals, als man noch ein Kind war. Zu sehen gibt es phantastische Rückzugsorte unter Schreibtischen, Betten, im Wald und in Kartons - bewohnt von Erwachsenen.

Blogger vs. Edelblogger

Er wisse nicht, warum man sich als Zeitungsmensch vor der digitalen "Huffington Post" oder einer anderen Netz-Zeitung fürchten solle, schreibt Heribert Prantl, Mitglied der Chefredaktion der "Süddeutschen Zeitung".

Prantls Loblied auf die kostenpflichtige Zeitung ist das Vorwort zu einem Sammelband über Online-Journalismus, dessen Entstehungsgeschichte Mitherausgeber Christian Jakubetz bloggt. Der Zeitung sagt der Printmensch eine glänzende Zukunft voraus, mit ihrer Reflexion, Tiefenschärfe und "großer Befriedigungskraft", während das Internet für Rasanz und die Kommunikation mit den Lesern da sein soll.

"Schluss mit den Gegensätzen", fordert er trotzdem und verneigt sich sogar ein wenig vor der Bloggerei, Profi-Journalisten seien schließlich auch Blogger. Aber nicht zu früh gefreut: "Der professionelle Journalist ist eine Art Edelblogger", schreibt Prantl. Da müssen die Nicht-ganz-so-Edelblogger zittern, wenn die Printler ins Internet einziehen.

Auch das noch

"Wer bitte ist Hypnotoad", fragte die Begleitung, als wir in Berlin an einem Graffiti vorbeigingen. Jemand hatte den Schriftzug mit roter Sprühfarbe und einer Schablone auf die Hausfassade angebracht. Ich war elektrisiert: Einen mehr als zehn Jahre alter Insider-Joke aus dem Science-Fiction-Cartoon "Futurama" hatten wir da vor uns, der zwischenzeitlich zum Internet-Meme geworden war und nun den Sprung in die ganz reale Welt geschafft hat.

Damit schließt sich der Kreis, saugt "Futurama" doch sonst das reale Popkultur und Weltgeschehen ein. Der Witz mit der Kröte ist übrigens schnell erkl… ALL GLORY TO THE HYPNOTOAD!

insgesamt 2 Beiträge
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pffft 01.05.2011
1. Hipster?
...nur weil Papa schlechte Kravatten trug, schlechtes Bier soff und Rollen unter Bügelbretter schraubte und sich damit aufs Maul legte, war er noch nicht "cool". Er fühlte sich vielleicht nur so. Genau so wenig wie die Damen und Herren, die das heute tun, um cool zu sein, sich von den Masse abzuheben. Die fühlen sich auch nur so. Und es gibt viele, die das sooooo spackig finden. "Wir sind alle so individuell, so anders als die Masse." "Ich bin ihr, ich bin auch individuell!"
guardiolaisgod 02.05.2011
2. Blogs sind kein Ersatz für Journalismus, sondern etwas ganz anderes
Aufgabe des Journalismus ist es, Fakten zu erheben, zu recherchieren, aufzudecken und zu erleuchten. Das erfordert sowohl vom Zeitaufwand auch von der Qualifikation her gut ausgebildete Leute, die diese Aufgabe beruflich erfüllen können. Blogs geben demgegenüber jedermann, Journalisten wie Nichtjournalisten, die Möglichkeit, auch unausgereifte, Gedanken mit der Öffentlichkeit zu teilen, eine Diskussion anzuregen, Lebenserfahrungen zu publizieren oder auch nur, sich selbst darzustellen. Die Publikation in einem Blog erfordert eben keine fundierte Recherche, sondern kann einfach einen unfertigen Denkansatz, eine bedeutungslose Geschichte oder eine teilenswerte Erfahrung betreffen. Es hat daher sowohl das eine wie das andere eine Berechtigung und kann sich wechselweise befruchten. So interessant Blogs wie http://meldungen-aus-dem-exil.noblogs.org/ , http://karinkoller.wordpress.com/ , http://gedankenfest.wordpress.com/ und andere sind, weil sie Einblicke in andere Lebenswelten geben, sowenig können und wollen sie den Guardian, den Spiegel oder die NYT ablösen.
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