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Fotoanalyse: Blogger lokalisiert Terrorcamp via Internet

Online-Recherche: Blogger findet IS-Ausbildungslager Fotos

Woran Geheimdienste scheitern, ist einem britischen Blogger gelungen: Er hat ein Ausbildungslager der Terrormiliz "Islamischer Staat" im Irak lokalisiert - mithilfe von Google Earth und anderen Web-Diensten.

Hamburg - Es waren wohl einiges detektivisches Gespür und Ausdauer nötig, bis sie ihr Ziel erreicht hatten. Aber jetzt hat das Team hinter der Bürgerjournalismus-Website Bellingcat offenbar die Position eines Ausbildungslagers der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) ausfindig gemacht. Als Hilfsmittel dienten der Gruppe für jedermann zugängliche Webseiten wie Google Earth und Panoramio.

Ins Leben gerufen wurde das Projekt von dem britischen Blogger Eliot Higgins. Nachdem er 2012 seinen Job als Administrator bei einer gemeinnützigen Organisation verloren hatte, kümmerte er sich in erster Linie um seine junge Tochter Ela und begann unter dem Pseudonym Brown Moses zu bloggen.

Bekannt wurde er, als er in seinem Blog über Waffenschmuggel und den Einsatz illegaler Bomben im Syrienkonflikt berichtete. Seine Sach- und Fachkenntnis machten viele Beobachter stutzig. Für noch mehr Verwunderung sorgte er aber, als er sich schließlich outete und klar wurde, dass er kein Politikwissenschaftler ist, noch nie in Syrien war und kein Arabisch spricht.

Weil er es sich trotz seiner plötzlichen Bekanntheit finanziell nicht erlauben konnte, seinem Hobby intensiver nachzugehen, startete er schließlich bei Kickstarter ein Crowdfunding-Projekt mit der Bezeichnung Bellingcat. Mit den knapp 64.000 Euro, die er dabei einnahm, bezahlt er nun seine Blogger-Aktivitäten.

Kampfsport-Bilder liefern erste Hinweise

Ein Einsatz der sich gelohnt hat. Anhand weniger Bilder, die er verschiedenen Twitter-Accounts des "Islamischen Staats" entnommen hat, fand er nun offenbar heraus, wo sich zumindest eines der Ausbildungslager der Terrormiliz befindet.

Sein Ausgangspunkt waren Fotos von Kampfsport-Lektionen sowie von einem Marsch von IS-Rekruten, erklärt Higgins auf der Bellingcat-Seite. Auf mehreren dieser Bilder, die die Kämpfer selbst im Netz verbreiten, sind im Hintergrund mehrere Brücken zu erkennen, die einen großen Fluss überspannen.

Nach einiger Recherche sei er auf die irakische Stadt Mossul gestoßen, die zu den Fotos passe: Durch die Stadt hindurch fließt der Fluss Tigris, über den mehrere Brücken führen. Zusätzlich zu Google Earth nutzte er nun die Website Flash Earth, die - so schreibt er - aktuellere Satellitenbilder verwendet.

Wertvolle Hinweise von der Foto-Sharing-Seite

In Kombination mit weiteren Fotos von Kampfsportübungen gelang es ihm nun festzulegen, welche der vielen Brücken im Hintergrund zu sehen ist und wo die Kamera gestanden haben muss. Bäume, die die Straßen säumen, und ein Gebäude im Hintergrund dienten dabei als wertvolle Hinweise.

Schließlich bediente sich Higgins noch der Foto-Sharing-Website Panoramio. Dort fand er entlang einer Straße nahe dem Tigris eine Aufnahme, die Details einer Brücke zeigt, unter der IS-Rekruten auf einem Foto der Terrormiliz hindurchmarschieren. Sowohl ein Plakat an der Brücke als auch ein Torbogen rechts daneben sind identisch.

Auf dieselbe Weise gelang es ihm auch, Straßenlaternen und einen Funkturm zu identifizieren. Am Ende konnte er nicht nur die Lage des Ausbildungslagers, mitten in Mossul, festlegen, sondern auch nachvollziehen, welche Strecke die IS-Rekruten an jenem Abend marschiert sind, den sie mit mehreren Fotos bei Twitter dokumentierten.

Jeder soll mitmachen

Einen Grund, sich dort zu verstecken, haben die Kämpfer nicht. Bereits im Juni eroberten sie nach tagelangen Gefechten die zweitgrößte Stadt des Irak. Aber Higgins geht es mit seiner Veröffentlichung offensichtlich auch nicht darum, ein geheimes Lager der Terrormiliz aufzudecken.

Vielmehr dürfte es ein sogenannter Proof of Concept sein, der Beweis, dass seine Methode funktioniert. Denn darum geht es ihm: Mehr Menschen zu motivieren, selbst zu recherchieren, selbst Informationen über aktuelle Ereignisse zusammenzutragen. Auf seiner Website hat er dazu auch mehrere Anleitungen verfasst.

Längst aber gibt es Netznutzer, die nur zum Spaß versuchen, den Aufnahmeort online veröffentlichter Fotos herauszufinden. Bereits seit 2010 läuft beispielsweise der "The View From Your Window Contest". Wöchentlich wird dort ein Foto bereitgestellt, das ein Nutzer aus dem Fenster seines Zimmers gemacht hat. Die Aufgabe der Teilnehmer ist es, herauszufinden, wo das Haus steht - und aus welchem Fenster die Aufnahme gemacht wurde.

Hier stehen ganz der Spaß und die detektivische Kleinarbeit im Vordergrund, und nicht immer gelingt es, das Ziel zu identifizieren. Aber in einem Punkt stimmt das Hobby der Fenstersucher mit der Arbeit von Eliot Higgins und seinen Helfern überein: Reich werden kann man damit nicht.

Gebiete unter Kontrolle in Syrien und im Irak (Stand: 14. August) Zur Großansicht
DER SPIEGEL

Gebiete unter Kontrolle in Syrien und im Irak (Stand: 14. August)

mak

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insgesamt 56 Beiträge
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1. Alter Hut
Finsternis 24.08.2014
Zumindest laut Google Earth ist das Kartenmaterial von 2009. Wussten Sie im übrigen, dass man auf Google Earth keine Passanten findet und die Gehwege sämtliche Innenstädte komplett leer sind? Wer meint darauf etwas zu finden, hat auch sonst allerlei Aufmerksamkeit redlich verdient.
2. Woher weiss man was die Geheimdienste wissen?
DerSponner 24.08.2014
Fand es ja auch eine nette Übung, aber woher stammt die Information daß die Geheimdienste nicht in der Lage gewesen seien die Lager zu finden?
3. Also im Mikey-Mouse-Heftchen ...
genia249 24.08.2014
... stehen nicht solche Märchen.
4. Gute Arbeit
rübennase 24.08.2014
Vor einigen Jahren ist es mit öffentlichen Mitteln einigen Bloggern ja auch gelungen geheime Büros der CIA und deren Flugzeugkennzeichen zu ermitteln mit denen Sie "Terroristen" in die USA ausgeflogen haben. Ich persönlich benutze die gleiche Methode um Häuser zu finden wenn der Makler die Adresse nicht rausrückt ;)
5. Irgendwie komisch...
ralfrichter 24.08.2014
Da wird die ganze Welt bespitzelt und man bemerkt nicht dass sich eine große Terrororganisation bildet ? Es müssen Unsummen von Geld geflossen sein,das hat auch niemand bemerkt? Mit logischer Betrachtung kommt man nicht sehr weit,manchmal habe ich den Eindruck,dass solche Auseinandersetzungen halb geplant und halb geduldet werden.. Ansonsten müssten alle Geheimdienste blind und taub sein..
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Religiöse Gruppen und ethnische Minderheiten im Irak
Sunniten
Mit über 85 Prozent der Muslime weltweit bilden die Sunniten die größte Gruppe im Islam. Der Name der Glaubensrichtung leitet sich vom arabischen Wort "Sunna" ab, das im religiösen Zusammenhang die "Handlungsweisen des Propheten Mohammed" bedeutet. Zusätzlich zum Koran orientieren sich Sunniten anders als die Schiiten an der Sunna als einer zweiten Quelle des islamischen Rechts. Die Rebellen im Irak gehören der Glaubensrichtung der Sunniten an.
Schiiten
In den Augen der Schiiten haben nur Ali, der Vetter und Schwiegersohn des Propheten Mohammed, und dessen Nachkommen ein Anrecht auf die politische Führung aller Muslime. Zwar unterscheiden sich die Schiiten in der religiösen Praxis kaum von den Sunniten. Doch durch die historische Entwicklung beider Glaubensrichtungen trennen heute tiefe politische Gräben das sunnitische und das schiitische Lager. Im Irak sowie in Iran und dem Libanon stellen die Schiiten die größte Konfessionsgruppe. Auch der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki ist Schiit.
Alawiten
Alawiten sehen ihre Glaubensgemeinschaft als Abspaltung des schiitischen Islam. Auch sie verehren Ali, den Vetter des Propheten, und seine Nachfolger. Im Unterschied zu den Schiiten hat Ali bei Alawiten aber sogar einen gottähnlichen Status. Anhänger der alawitischen Glaubensrichtung leben vor allem in Syrien. Der syrische Diktator Assad ist Alawit. Es gibt auch Alawiten im Südosten der Türkei und im Libanon.
Kurden
Die Volksgruppe der Kurden stammt aus einem Siedlungsgebiet in Vorderasien, das sich auf die Gebiete der Türkei, des Irak, Irans und Syriens verteilt. Jahrhundertelang war die Region Teil des Osmanischen Reiches. Nicht alle Kurden gehören derselben Glaubensrichtung an. Viele sind Sunniten. Manche sind Aleviten, deren islamische Glaubensrichtung derjenigen der Alawiten ähnelt. Eine kurdische Einheitssprache gibt es nicht, dagegen viele unterschiedliche Dialekte. Im Nordirak hat sich seit dem letzten Golfkrieg ein Kurdenstaat gebildet, der seine Unabhängigkeit fordert.
Jesiden
Die Jesiden leben vor allem in der Gegend um die nordirakische Stadt Mossul. Schätzungsweise gibt es zwischen 300.000 und 1,2 Millionen Anhänger, von denen viele wegen Verfolgung und Diskriminierung ins Ausland geflohen sind. Ihre monotheistische Religion enthält Elemente des Christentums, des Islam und des Zoroastrismus. Neben Gott verehren sie sieben Engel. Der wichtigste heißt Malak Taus, der "Pfauenengel". Die Jesiden verneinen die Existenz des Teufels. Ihnen ist es verboten, außerhalb der Gemeinschaft zu heiraten oder einen anderen Glauben anzunehmen. Ihre wichtigste Pilgerstätte liegt in Lalisch, einem abgelegenen Tal im Norden des Irak. Dort befindet sich das Grab von Scheich Adi, der im 12. Jahrhundert starb und den die Jesiden als Heiligen verehren.

Fläche: 434.128 km²

Bevölkerung: 34,776 Mio.

Hauptstadt: Bagdad

Staatsoberhaupt: Fuad Masum

Regierungschef: Haidar al-Abadi

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