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Bomben-Bauanleitungen bei Amazon: Bundeswehroffizier kritisiert Buchversender

Der Buchversender Amazon soll den Verkauf gedruckter Bauanleitungen für Sprengfallen einstellen, fordert ein Bundeswehroffizier. Die Armeehandbücher würden das Leben von Nato-Soldaten gefährden.

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Deutsche Amazon-Seite: Kunden bekommen alles, was legal ist

Baden-Baden - Ist das Angebot des Online-Buchversenders Amazon womöglich eine Gefahr für deutsche Soldaten? Aus Sicht der Bundeswehr schon. Ein deutscher Offizier hat den US-Internethändler jetzt öffentlich wegen des Verkaufs von US-Armeehandbüchern kritisiert, in denen der Bau von Sprengfallen und das Mischen von Sprengstoff erklärt werde. Die Bücher, für die die US-Webseite von Amazon auch bei deutschen Kunden werbe, seien eine Gefahr für die Nato-Truppen in Afghanistan, sagte der Bundeswehr-Oberstleutnant Helmut Heck am Mittwoch dem Sender SWR (Südwestrundfunk) in Baden-Baden. Erst vor wenigen Tagen wurden in der nordafghanischen Provinz Baghlan mehrere deutsche Soldaten durch eine solche Sprengfalle getötet.

Heck forderte einen Stopp des Verkaufs solcher Bücher, die problemlos auch an deutsche Kunden verschickt würden. Der Offizier leitet das neu eingerichtete Anti-Sprengfallen-Zentrum der Bundeswehr (Informationszentrum Counter-IED) bei Bad Neuenahr-Ahrweiler in Rheinland-Pfalz, das am Mittwoch offiziell in Dienst genommen wird. Amazon sieht jedoch keinen Grund, den Verkauf der von Heck genannten Handbücher einzustellen. Kunden würden grundsätzlich alle Produkte angeboten, die legal erhältlich seien, auch wenn diese diskussionswürdig seien, erklärte laut SWR eine Sprecherin des Unternehmens.

Der Inhalt der umstrittenen Bücher stammt demnach von der US-Armee. Die digitalen Ausgaben beispielsweise eines Munitionshandbuchs und eines Armeehandbuchs zum Bau von Sprengfallen waren vom US-Verteidigungsministerium jahrelang frei im Internet zum Herunterladen bereitgestellt worden.

Mittlerweile kann der Download der digitalen Handbücher nur noch per Passwort freigeschaltet werden. Angesichts der Natur des internationalen Datennetzes ist jedoch kaum anzunehmen, dass diese Maßnahme tatsächlich verhindern kann, dass Kopien dieser Texte weiterhin frei zirkulieren.

Amazon hatte dem Sender zufolge auch an deutsche Kunden englischsprachige Werbe-Mails für die Bombenbaubücher verschickt. Darin heißt es beispielsweise: "Mit diesem Buch wirst du lernen, wie man Sprengfallen bastelt, benutzt, aufspürt und entschärft, in jeder nur erdenklichen Situation."

Der Besitz der von Amazon angebotenen Bücher sei jedenfalls nicht strafbar, teilte das Justizministerium Baden-Württemberg dem Sender auf Anfrage mit, "außer, der Besitzer plane damit konkrete Anschläge in der Bundesrepublik."

mak/AFP

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