Botschaftsdepeschen WikiLeaks-Streit gefährdet vertrauliche Daten

Seit Monaten liefern sich die Macher von WikiLeaks einen Machtkampf - offenbar mit dramatischen Folgen. Nach SPIEGEL-Informationen sind vertrauliche Inhalte der Enthüllungsplattform ins Web gelangt.

WikiLeaks-Seite im Web: Daten wurden Assanges Zugriff entzogen
dpa

WikiLeaks-Seite im Web: Daten wurden Assanges Zugriff entzogen


Hamburg - Der Konflikt zwischen WikiLeaks-Gründer Julian Assange und seinem ehemaligen deutschen Sprecher Daniel Domscheit-Berg hat nach SPIEGEL-Informationen dazu geführt, dass vertrauliche Daten der Organisation außer Kontrolle geraten sind. Im Internet kursiert seit dem Jahreswechsel eine verschlüsselte Originaldatei mit den rund 251.000 Dokumenten aus dem State Departement, die WikiLeaks im Frühjahr 2010 zugespielt worden waren.

Die Datei hatte Assange im Sommer 2010 versteckt auf einem WikiLeaks-Server abgelegt und das dazugehörige Passwort einem Bekannten übergeben, damit dieser Zugang zu dem Material erhielt. Als Domscheit-Berg zusammen mit einem deutschen Programmierer im September 2010 aus dem Projekt ausstieg, nahmen die beiden den Inhalt des Servers mit - darunter auch die verschlüsselte Datei mit den Dokumenten, die damit Assanges Zugriff entzogen war.

Ende vergangenen Jahres gab Domscheit-Berg schließlich eine Sammlung diverser mitgenommener Dateien an WikiLeaks zurück, inklusive der verschlüsselten Kabel. Eine Kopie dieses Datensatzes veröffentlichten WikiLeaks-Sympathisanten wenig später im Internet, als eine Art öffentliches Archiv der bislang publizierten WikiLeaks-Dokumente. Dass sich darunter auch die unredigierten Dokumente befanden, wussten die Sympathisanten offenbar nicht, weil die Datei nicht nur verschlüsselt, sondern auch in einem unsichtbaren Unterverzeichnis versteckt war.

Kritisch wurde die Situation, nachdem der Bekannte, der von Assange im Sommer 2010 das Passwort erhalten hatte, in diesem Frühjahr die Zeichenfolge veröffentlichte - ohne zu ahnen, dass er damit den Zugang zu den unredigierten Berichten der amerikanischen Diplomaten ermöglichen würde. Die Panne blieb über viele Monate unentdeckt, wurde aber in den vergangenen Tagen von OpenLeaks-Anhängern verbreitet, um den seit Monaten von Domscheit-Berg erhobenen Vorwurf zu belegen, dass "Daten bei WikiLeaks nicht sicher" seien.

Über den Inhalt der Dokumente haben mehrere Medien, darunter der SPIEGEL, seit Ende November vergangenen Jahres berichtet, dabei aber stets darauf geachtet, die Namen der in den Drahtberichten erwähnten Informanten, die in besonders sensiblen Positionen sind, zu schwärzen, um damit keine Gefahr für Leib und Leben zu riskieren.

suc

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insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
willem.fart 28.08.2011
1. Offenbarungsplattform
"vertrauliche Inhalte der Enthüllungsplattform ins Web gelangt" Da gehören die nach dem Selbstverständnis von Assange und Co. auch hin. Denn Geheimnisse soll es nicht geben.
Erich Gengerke, 28.08.2011
2. Der Freitag,
Zitat von sysopSeit Monaten liefern sich die Macher von WikiLeaks einen Machtkampf - offenbar mit dramatischen Folgen. Nach SPIEGEL-Informationen sind vertrauliche Inhalte der Enthüllungsplattform ins Web gelangt. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,782923,00.html
Kooperationspartner von Openleaks, spielt in diesem "Trauerspiel" eine wesentliche Rolle. Die Leser-Kommentare zun den jeweiligen Artikeln schaffen die nötige Transparenz, die an sich von den professionellen Autoren zu erwarten wäre. Der aktuelle Beitrag + Diskussionsstrang. http://www.freitag.de/politik/1134-nerds-ohne-nerven Eine Auswahl der Beiträge des Freitag zum Thema. http://www.freitag.de/openleaks
henry01 28.08.2011
3. Es sind halt Kriminelle
Was kann man von Kriminellen erwarten? Es werde, um selber davon zu profitieren, gestohlene, hoch sensible Daten veröffentlich und jetzt wundert man sich, das die Hybris von Assange und seinen weiteren Bandenmitgliedern dazu führt, dass Personen um ihr Leben fürchten müssen. Ich hoffe, dass die Justiz nicht länger zusieht sondern energisch handelt.
Magnolie5 28.08.2011
4. Vertrauliche Daten?
Wer soll WikiLeaks diese denn nur schon wieder zugespielt haben? M. M n sitzen da Hacker am Werk, die sich in PC einhacken, Daten abziehen und diese heroisch an die Oeffentlichkeit bringen! Nee,hero 01 -Sie haben es richtig erkannt, da sind einfach nur Kriminelle am Werk!
regensommer 28.08.2011
5. energisch handeln?
Zitat von henry01Was kann man von Kriminellen erwarten? Es werde, um selber davon zu profitieren, gestohlene, hoch sensible Daten veröffentlich und jetzt wundert man sich, das die Hybris von Assange und seinen weiteren Bandenmitgliedern dazu führt, dass Personen um ihr Leben fürchten müssen. Ich hoffe, dass die Justiz nicht länger zusieht sondern energisch handelt.
Welche Verbrecher sollen energisch handeln? Die Verbrecher, die Guantanamo betreiben, sich weigern, den internationalen Gerichtshof anzuerkennen? Oder zum Beispiel die Verbrecher, die gerne Verbrecher hofiert um an gestohlene und private Daten kommt? Für mich gibts keine Instanz, die Moral genug besitzt um "energisch" zu handeln.
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