"Brains in Bahrain" Reiner Schaukampf oder mehr?
Bahrain war Schach, aber es war auch Spektakel. Vielen Beobachtern ging es nicht zuletzt um die Frage, wie lange Mensch sich noch gegen Maschine, Emotion und Intuition sich gegen kalte Kalkulation zu behaupten vermögen. Wer es so sah, erlebte ein Wechselbad der Gefühle.
Gegner: Mensch und Maschine im "intellektuellen" Wettstreit
Die erste Hälfte des Wettkampfes stand im Zeichen des Weltmeisters.
Wie ein gut trainierter Dompteur hielt er Deep Fritz in Schach und sorgte dafür, dass dieser seine Kraft nicht zeigen konnte. Kramnik tauschte die gefährlichste Figur, die Dame, schnell ab. Damit hatte er dem Raubtier Deep Fritz die Krallen gezogen. Dann sperrte er die restlichen Figuren seines maschinellen Gegners auch noch hinter unbeweglichen Bauernketten ein. So gewann er zwei Partien und hielt zweimal locker Remis. 3:1 stand es zur Halbzeit. Ein Schlachtfest bahnte sich an: Das beste Schachprogramm der Welt wurde am Nasenring durch die virtuelle Arena gezogen.
Vor dem Wettkampf hatte Kramnik sich lange und gründlich vorbereitet. Er hatte Gelegenheit, das original Wettkampfprogramm auf dem Wettkampfrechner zu testen und nach Schwächen zu forschen. Und wie man sah, hatte er welche gefunden.
Der menschliche Faktor
Dann kippte der Kampf plötzlich. In der fünften Partie kam es erstmals nicht zum Damentausch und prompt stand Kramnik unter Druck. In ungünstiger, aber noch lange nicht verlorener Stellung, patzte er, büßte einen Springer ein und musste aufgeben. Flatterten "Eismann" Kramnik die Nerven? Kam ungewollt der "human
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In der nächsten Partie wollte Wladimir Kramnik den Fehler wieder gut machen und Deep Fritz im Glanzstil vom Brett fegen. Ein mutiger Versuch, der einen vorhersehbare Ausgang nahm: Schön anzusehen für das Publikum allerdings, denn der Kampf war spannend. Das Besondere am Computerschach ist, dass es dem Rechner nichts ausmacht, mit seinem König über das freie Feld zu laufen. Wo die Nerven des Menschen blank liegen, rechnet Deep Fritz stoisch seine Varianten durch. Entweder es ist Matt oder nicht. Optik zählt nicht. Es war nicht Matt.
Hatte das Programm etwas aus seinen Fehlern in den ersten Partien gelernt? Nein. Aber seine Programmierer. Diese ließen Deep Fritz nach den Niederlagen Eröffnungen spielen, in denen es nicht so schnell zum Damentausch kommt.
Nach der sechsten Partie war die Luft jedoch raus aus dem Wettkampf. Kramnik hatte seine Lektion gelernt und war nicht mehr bereit, ein Risiko einzugehen. Am Ende war das 4:4 gerecht.
