Branchengerüchte: Wird Skype an Google verkauft?

Skype, der populärste Internet-Telefoniedienst, ist so etwas wie Ebays Tafelsilber: In Zeiten, in denen fast alle Bilanzen bröckeln, legt Skype weiter zu. Das macht den Dienst wertvoll - und ein Gerücht plausibel, das wie ein Lauffeuer umgeht: Ebay soll den Verkauf von Skype an Google erwägen.

Der Kauf von Skype im Jahr 2005 war kein schlechter Zug: Der Telefoniedienst erfreut sich anhaltender Beliebtheit und steigert seine Umsätze ständig. Selbst im letzten, eigentlich flächendeckend krisenhaften Quartal des letzten Jahres legte Skype wieder um 26 Prozent zu. Zugleich aber ist es dem Auktionshaus Ebay nie gelungen, den Telefondienst wirklich einzubinden und Kapital aus dem ganz erheblichen Investment zu schlagen.

Skype: Der verbreitetste Internet-Telefoniedienst der Welt

Skype: Der verbreitetste Internet-Telefoniedienst der Welt

Denn teuer war Skype auch: Ebay legte 2,6 Milliarden Dollar dafür auf den Tisch. Geld, das Ebay jetzt gut gebrauchen könnte, denn die erfolgsverwöhnte Firma beginnt, die Krise zu spüren. Noch ist Ebay eine Geldfabrik, doch im letzten Quartal sanken zum ersten Mal seit zehn Jahren Umsätze und Profite. Das Nettoeinkommen der Firma fiel gegenüber dem Vorjahresquartal um satte 31 Prozent.

Da liegt es nahe, dass die immer wieder aufkommenden Gerüchte über einen potentiellen Verkauf von Skype ernst genommen werden. Und auch der potentielle Käufer steht seit fast zwei Jahren fest: Immer wieder ist es Google, das hier genannt wird.

Diesmal fegt das Gerücht nicht nur durch die Blogosphäre. Vom "Wall Street Journal" über die "Times" bis zum "Guardian" wird gerüchtelt, was das Zeug hält. Schuld daran ist Ebay-Chef John Donahoe, der letzte Woche anlässlich der Bekanntgabe der durchwachsenen Quartalszahlen Skype als "großartiges, für sich stehendes Geschäft" bezeichnete - oder sollte man sagen, dass er es anpries?

Fast ein "Kauft doch!"

Denn das klang schon ein wenig nach Wochenmarkt in einer etwas gehobenen Variante: Statt "schöne frische Äpfel" anzupreisen, verwies Donahoe darauf, wie gering doch die Verflechtung von Skype mit Ebay sei. Als das "Wall Street Journal" genauer wissen wollte, was er mit den Folgesätzen, Ebay wolle Skype bis auf weiteres weiterführen und dass man schon Bescheid geben werde, wenn es da was zu melden gebe, denn gemeint habe, wurde Donahoe nur deutlicher in seinem Lob. Skype habe sich zu einem 550-Millionen-Dollar-Geschäft mit exzellenten Erlösen entwickelt. Ebay habe nicht vor, hier Synergien zwischen Ebay und Skype zu erzwingen. Über einen potentiellen Verkauf habe er aber immer noch nichts zu berichten.

Jetzt fallen die Analysten fast übereinander, um zu erklären, was für eine tolle Idee es doch wäre, Skype an Google zu verkaufen. Kohorten von Marktbeobachtern merken allerdings an, dass Ebay mit 2,6 Milliarden Dollar vielleicht doch ein wenig zu viel bezahlt haben könnte für den Internet-Telefoniedienst.

Preisabschläge aber, glaubt der Marktanalyst Jack Murphy, sollten Ebay nicht abschrecken. Das Unternehmen, sagte er der Londoner "Times", sei gut beraten, "mitzunehmen, was sie an Bargeld dafür bekommen können und sich um ihre wankenden Kerngeschäfte zu kümmern". Dass Ebay "die Tür für mögliche Käufer geöffnet hat", indem es Skype als eigenständig zu sehendes Geschäft ins Gespräch gebracht habe, sei wichtig gewesen.

Google hat die Gerüchte bisher nicht kommentiert.

pat

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