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Neues Gesetz: Britische Regierung plant eindeutige Identifizierung im Internet

Britische Innenministerin May: Terroristische Bedrohungen "größer denn je" Zur Großansicht
REUTERS

Britische Innenministerin May: Terroristische Bedrohungen "größer denn je"

Wer war mit welchem Gerät im Internet? Diese Daten sollen britische Provider ein Jahr lang speichern und auf Anfrage der Polizei mitteilen. Das sieht ein neues Gesetz vor, das ganz nach Vorratsdatenspeicherung aussieht.

Ein von der britischen Innenministerin vorgelegter Gesetzentwurf sieht vor, dass Internet-Provider die eindeutige Identifizierung von Onlinenutzern sicherzustellen haben. Damit soll jedes Gerät, ob Smartphone, Tablet- oder Desktop-Rechner, durch seine IP-Adresse eindeutig zugeordnet werden können. Provider sollen der Polizei auf Anfrage mitteilen, wer welches Gerät zu einem bestimmten Zeitpunkt genutzt hat, berichtet der "Guardian". Die Speicherfrist dieser Daten soll zwölf Monate betragen.

Die Liberaldemokraten, die mit den Konservativen derzeit die Regierungskoalition bilden, warnten vor einer Rückkehr zur umstrittenen Vorratsdatenspeicherung. Entsprechende Pläne für eine solche Verordnung, die ursprünglich schon 2012 in Kraft hatte treten sollen, hatten Liberaldemokraten erst in diesem Jahr endgültig gestoppt. Eine europaweite Vorschrift zur Speicherung kassierte der Europäische Gerichtshof.

Nun plant die britische Regierung offenbar eine Neuauflage. Ministerin May wies auf terroristische Bedrohungen hin, die angeblich "größer denn je" seien. Sie beklagte, die Liberaldemokraten hätten bislang weitere Schritte zur Sicherung des Landes blockiert.

Dennoch scheint Mays neuer Vorstoß weitenteils auf Zustimmung zu stoßen. Während die Liberaldemokraten den Gesetzentwurf als "genau das, das wir jetzt brauchen", lobten, zeigte sich auch die Gruppierung Big Brother Watch aufgeschlossen. Deren Chefin Emma Carr erklärte, es sei vernünftig, die Polizei mit der Befugnis auszustatten, eine IP-Adresse einer bestimmten Person zuzuordnen.

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Vorratsdaten: Wer, wann, mit wem, wie lange
Allerdings solle diese Vollmacht einer grundsätzlichen Überprüfung und einem weitreichenden Abstimmungsprozess unterworfen werden, so Carr weiter. Diese müsse Industrie, Zivilgesellschaft und die breite Öffentlichkeit einschließen, wenn es um die Einführung neuer Überwachungsmethoden gehe.

Der Verband der britischen Internet Service Provider (ISPA) dagegen wies auf die mit der Vorratsspeicherung verbundenen Kosten hin. Es sei überdies unwahrscheinlich, dass das Gesetz bei Nutzern, die ihre Online-Aktivitäten zu verbergen wüssten, effektiv sei. ISPA-Chef James Massey erklärte zudem: "Es war nicht sinnvoll, darüber zu entscheiden, ohne uns vorher zu fragen."

meu

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1. Reicht dazu nicht...
muxonarization 25.11.2014
... schon der flächendeckende Einsatz von IPv6?
2. richtig!
sunrise560 25.11.2014
Ich finde es absolut richtig, ip Adressen eindeutig zuordnen zu können. Wenn dadurch Straftaten aufgeklärt oder gar verhindert werden können, muss meines Erachtens der Datenschutz zurückstehen.
3.
dasdondel 25.11.2014
---Zitat--- Damit soll jedes Gerät, ob Smartphone, Tablet- oder Desktop-Rechner, durch seine IP-Adresse eindeutig zugeordnet werden können. ---Zitatende--- diese Zuordnung ist technisch nicht möglich. Vielleicht meinten Sie Mac-Adresse ? Wenn ja, so bleibt dem User auch hier die Möglichkeit seine Adresse zu fälschen. Überwacht werden somit alle Unschuldigen und ein paar Kleinkriminelle.
4. Wie naiv muss man sein ...
kuddemuddel 25.11.2014
... um zu glauben, dass dient der Terrorismusabwehr. Es geht nur um Bespitzelung und Überwachung. Oder warum haben die Amerikaner und Briten z.B. Merkel, europäische Institutionen und den Klimagipfel abgehört. Diese stehen ja nun nicht in Verdacht terroristischen oder kriminellen Aktivitäten nachzugehen.
5. Genau...
fatherted98 25.11.2014
Zitat von sunrise560Ich finde es absolut richtig, ip Adressen eindeutig zuordnen zu können. Wenn dadurch Straftaten aufgeklärt oder gar verhindert werden können, muss meines Erachtens der Datenschutz zurückstehen.
....besser eine ganze Gesellschaft unter Generalverdacht stellen um dann 1-2% auszusieben...und ganz nebenbei kann man ja noch gucken was die anderen sich so angucken. Ich bin immer wieder erstaunt über solche Sprüche...noch vor 25 Jahren haben wir uns alle über Horch + Guck (Stasi) lustig gemacht, weil die einfach alles kontrolliert haben...und jetzt kommen immer mehr solche Foristen mit der Forderung der grenzenlosen Überkontrolle aller Bürger....wie wärs wenn Sie nach Nord-Korea oder China ziehen...da ist das gängige Praxis.
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