Browser-Markt Deutsche Studie sieht Firefox vorn

Ab Herbst 2009 wird Microsoft in Europa sein aktuelles Betriebssystem nicht mehr mit einem Internetbrowser ausliefern. Für den Internet Explorer könnte dies das Ende der Marktdominanz bedeuten: In Deutschland scheint er längst die zweite Geige hinter Firefox zu spielen.


Wenn man so will, dann ist die Geschichte von Firefox so etwas wie ein später Sieg im Browser-War der Neunziger. Ab 1995 hatte sich Microsoft daran gemacht, durch eine Koppelung von Betriebssystem und Internetbrowser dem großen, scheinbar übermächtigen Konkurrenten Netscape den Garaus zu machen. Aus dem, was am Ende von Netscape übrig blieb, entstand das Projekt Mozilla, dessen erfolgreichstes Produkt Firefox gerade dabei ist, Microsofts Internet Explorer zu entthronen.

Und das wird wohl aus mehreren Gründen zunächst in Europa geschehen: Zum einen, weil der europäische Markt den einst als Alternativ-Browser gehandelten Firefox bereitwilliger annahm, als etwa der amerikanische; zum anderen, weil Microsoft hier ab Herbst darauf verzichten wird, Betriebssystem und Internet Explorer weiter zu verknüpfen. Spätestens dann könnte - voraussichtlich als erstes in Deutschland - der Internet Explorer zum Minderheitenbrowser werden, denn dass er, alle seine Versionen zusammengenommen, zurzeit noch vorn liegt, ist vor allem Business-Rechnern geschuldet. Bei der privaten Nutzung liegt der Firefox längst vorn.

In den Nutzungsstatistiken von SPIEGEL ONLINE dominiert der Firefox seit fast drei Jahren, sobald am Freitagnachmittag die Büros schließen, sobald werktäglich der Feierabend eingeläutet wird.

Früher galt, dass die Nutzung von Browser-Alternativen vor allem unter sehr Web-affinen Zielgruppen verbreitet wäre. Inzwischen aber scheint nicht nur Firefox im Mainstream angekommen: Darauf deutet die aktuelle W3B-Umfrage des Hamburger Marktforschungsunternehmens Fittkau & Maaß hin. Die Firma hatte einen Teil ihrer 25. Web-Nutzerbefragung im April und Mai 2009 der Browser-Frage gewidmet und herausgefunden, dass Firefox nun auch bei der breiten Masse der beliebteste Browser sei. Nur wenn man alle Versionen des Internet Explorer zusammenzähle, führe Microsoft noch knapp.

Solche Zahlen sind allerdings notorisch unzuverlässig: Es kommt immer darauf an, wer da wen und wo fragt. So bekommt man schon deutlich verschiedene Ergebnisse, wenn man die Browser-Frage in der Netzwelt von SPIEGEL ONLINE stellt, statt auf die Statistiken der Gesamtseite zurückzugreifen. Die aktuellen Statistiken der großen, renommierten Web-Marktforschungsunternehmen sehen den Weltmarktanteil von Microsofts Internet Explorer irgendwo bei knapp über 50 und 85 Prozent.

Gilt also, was angeblich Winston Churchill einst konstatierte: Keiner Statistik zu vertrauen, die man nicht selbst gefälscht hat? Wie man es nimmt: Da es keine Vollüberwachung des Web-Verkehrs gibt, sind alle Marktforscher auf Stichproben oder Befragungen angewiesen. Bei beiden kommt es dann darauf an, wessen Surfverhalten beobachtet wird: Es ist ein Unterschied, ob man den Browsertyp bei Heise.de oder Express.de abfragt, bei Wikipedia oder CNN, bei MTV oder CNet, bei Google oder Wolfram Alpha, über das Akamai-Netz oder das von Mail.ru. Es gibt Netze, in denen Opera vorn liegt, und natürlich ist Safari auf den Servern von Apple-Fanseiten mehrheitsfähig.

Repräsentativität behaupten viele Studien und Statistiken und widersprechen sich doch: Gerade im Software-Bereich gibt es absolut ungewöhnliche regionale Präferenzen, mit denen Marktforscher selten rechnen. Nirgendwo ist das klarer als bei Instant-Messenger-Programmen: Da gibt es gravierende Unterschiede der Nutzung in den Bundesländern und sogar in den unterschiedlichen Kreisen - denn was da wo dominiert, hängt ihn erheblichem Maße vom Grad der Verbreitung an den örtlichen Schulen ab. Der Markt für Internet-Software ist eben nicht immer mit gängigen, rationalen Mitteln zu erfassen. Deutschland gilt Marktforschern in dieser Hinsicht als absoluter Ausnahmemarkt, wenn es um Suchmaschinennutzung und Browser geht: Wir teutonischen Surfer ticken deutlich anders als der Rest Europas.

Der Fehler wäre also, irgendeine einzelne Statistik über das Web und die darin verwandten Tools einfach zu glauben. Was man aber glauben kann, sind die sichtbaren Trends - denn die sehen bei allen gleich aus: Aufwärts geht es für die Microsoft-Konkurrenten, weiter abwärts für den Internet Explorer. Davon, dass Firefox den Microsoft-Browser aber schon entthront habe, kann noch keine Rede sein. Die Zeiten des Browser-Monopols aber sind ein für allemal vorbei - das Rennen der Browser ist mittlerweile völlig offen.

pat

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