Browser-Trends: Firefox lässt Federn

Es tut sich was auf dem Markt der Web-Browser: Erstmals seit Jahren scheint das Wachstum des Firefox nicht nur gebremst, der Deutschen Lieblings-Surfbrett verliert sogar. Zulegen kann dagegen Internet Explorer 8, doch unter dem Strich bleibt Microsoft ein Verlierer - im Gegensatz zu Google.

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Internet-Browser: Der Markt verschiebt sich langsam, aber stetig

Der 17. März 2010 war für die Anbieter von Browsersoftware ein Schlüsseldatum: Seit diesem Tag ist Microsoft in Europa verpflichtet, jedem Nutzer seiner Windows-Systeme die Auswahl aus mehreren konkurrierenden Browsern zu geben. Vor allem Mozilla, die Organisation hinter dem besonders in Deutschland so populären Firefox, hatte da Morgenluft gewittert und mit "Open to choice" eine eigene PR-Kampagne vom Stapel gelassen, die die Marktanteile des Firefox weiter steigern sollte.

Drei Monate nach Beginn der amtlich verordneten "Browserchoice" zeigt sich nun nicht nur, dass die Hoffnungen sich nicht erfüllten: Firefox schwächelt sogar, zuletzt war der Marktanteil leicht rückläufig (siehe Tabelle). Tatsächlich hat Firefox den Zahlen der führenden Net-Statistiker von Net Applications zufolge seit Juli 2009 nur 0,9 Prozentpunkte hinzugewinnen können. Der Weltmarktanteil fluktuiert seitdem nur noch leicht, bewegt sich mal leicht auf-, mal abwärts. Den Zenit scheint Firefox mit 24,72 Prozent bereits im November 2009 erreicht zu haben, seitdem ging es tendenziell eher abwärts.

Ganz so wie beim Internet Explorer, aber daran hat man sich ja gewöhnt: Microsofts Marktgewicht sinkt seit Jahren kontinuierlich, liegt weltweit inzwischen bei "nur noch" 59,7 Prozent - wenig ist das, wenn man bedenkt, dass dieser Marktanteil vor Firefox zeitweilig bei über 90 Prozent lag. Erfreulich für Microsoft ist das kontinuierliche Wegbrechen des völlig veralteten Sicherheitsrisikos namens Internet Explorer 6 (IE6), der aber noch immer erschütternde 17 Prozent hält.

Net Applications: Aktuelle Browser-Marktanteile (mit Trend-Rückschau)

In Deutschland warnt unter anderem das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) vor der weiteren Benutzung der uralten Virenschleuder. Bei Microsoft wird man sich darüber wohl kaum erregen, die Firma sieht den - wenn man es freundlich sagen will - traditionsreichen Browser selbst als gefährliche Altlast. Im Mai setzte Microsoft mit Ryan Gavin erstmals einen Manager auf die sonderbare Aufgabe, ein Microsoft-Produkt "zu töten": Gavin ist beauftragt, die Nutzung des IE 6 endlich zu beenden. Er versucht das unter anderem mit Werbekampagnen, bei der schon der erste kecke Spruch ziemlich eindeutig daherkommt: "Sie trinken doch auch keine neun Jahre alte Milch", versucht Microsoft, seinen Nutzern den Umstieg von IE 6 auf 8 schmackhaft zu machen.

Mittlerweile offenbar mit Erfolg: Kein Browser verliert schneller als der IE6, und keiner hat seine Marktanteile im letzten Jahr so sehr und so schnell steigern können wie der Internet Explorer 8 (aktuell: 25,15 Prozent). Das ist erfreulich für Microsoft, aber insgesamt wohl eher ein bittersüßer kleiner Sieg (siehe oben).

Die Entwicklung bei Apples Safari und bei Opera lässt sich am besten mit einem Wort beschreiben: stabil - es ist eine sehr langsame Entwicklung. Beide Browser konnten ihre Marktanteile im letzten Quartal behaupten, aber nicht relevant steigern. Über das Jahr gesehen zeigte Safari mit einer Steigerung des Marktanteils von 0,7 Prozent, das ist ein minimales Wachstum. Opera hingegen konnte mit einem Zuwachs von rund 1,4 Prozent die Belohnung für seine letzten Updates einfahren. Dass Opera nur einen so geringen Marktanteil hat, ist Experten seit Jahren unverständlich, der Browser setzt regelmäßig Trends.

Als Jahres-, Quartals- und Monatssieger aber steht unangefochten Chrome da: Der Google-Browser ist der Nutznießer der Verluste der großen Konkurrenten. Im Vergleich zum Vorjahr (2,13 Prozent im Mai 2009) hat sich sein Marktgewicht satt verdreifacht (aktuell: 7,05 Prozent). Nach anfänglich scharfer Kritik an Chrome wegen seines unverschämten Datenhungers und seines quasi nicht vorhandenen Datenschutzes hatte Google in etlichen Punkten nachgebessert und auch die Performance des schlanken Browsers weiter verbessert. Lohn dafür gab es in Form mehrerer Testsiege in Vergleichstests sowie in Form einer deutlich freundlicheren Presse.

Die Zuwachsrate von Chrome liegt noch leicht unter der von Firefox im ersten Jahr nach seiner Veröffentlichung. Chrome gewann rund fünf Prozent innerhalb des letzten Jahres hinzu, Firefox hatte anfänglich bis zu 6,4 Prozent Weltmarktanteil pro Jahr hinzugewonnen. Wirklich gebremst verläuft dieses Wachstum von Firefox erst seit 2008 - dem Jahr, in dem Chrome veröffentlicht wurde. In Deutschland sieht all das allerdings anders aus: Hier ist Firefox bei privaten Nutzern seit längerem Mehrheitsbrowser.

pat

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. Es gibt Alternativen
atu, 03.06.2010
Firefox ist für Webseitenentwickler durch seine Erweiterungen interessant bis unentbeerlich. Allerdings ist dieser Browser sehr langsam und verschlingt Unmengen an Arbeitsspeicher. Falls sich das nicht ändert sehe ich schwarz für diesen Browser. Google chrome und Opera - der am meisten unterschätzte Browser - sind für das tägliche surfen besser geeignet.
2. Firefox tatsächlich nicht mehr der Beste
Obiwan72, 03.06.2010
Abstürze, hängen gebliebene Prozesse, sehr langsames Starten sind leider inzwischen täglich Brot. Aus meiner Sicht wurde das von Version zu Version schlimmer. Schade, ich habe Firefox früher als schnellen und vorallem leichten Browser sehr geschätzt. Mittlerweile übernimmt diese Rolle für mich Chrome.
3. Opera!
Der Markt, 03.06.2010
Ich hatte mir kürzlich den IE 8 runtergeladen. Katastrophe, da ging gar nix mehr. Habe jetzt Opera und bin sehr zufrieden, nachdem ich zuvor einige Jahre Firefox hatte. Aber Opera ist noch schneller. Außerdem kann man mit Opera seine Emails abrufen und verwalten. Kann ich nur empfehlen.
4. Ist Opera der iExplorer-Killer?
chu84k4 03.06.2010
Zitat von sysopEs tut sich was auf dem Markt der Webbrowser: Erstmals seit Jahren scheint das Wachstum des Firefox nicht nur gebremst, der Deutschen Lieblings-Surfbrett verliert sogar. Zulegen kann dagegen Internet Explorer 8, doch unter dem Strich bleibt Microsoft ein Verlierer - im Gegensatz zu Google. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,698222,00.html
Marketing und Berichterstattung! Qualität, nutzt nichts, wenn keiner davon weiß. Wo gibt es einen Bericht bei SPON über Opera? Microsoft-, Apple-, Google-Berichte zu Hauf. Firefox wurde erst beim Mainstream populär, als Mozilla eine durch Spenden finanzierte Marketing-Aktion startete. Natürlich hatten die auch die ganzen ehemaligen Netscape-User. Also wundert euch nicht, sondern schreibt mal warum Opera der iExplorer-Killer ist. Am besten jeden Tag zwei mal. So wie für andere Produkte eben auch.
5. Datensicherheit bei Chrome?
sangoire 03.06.2010
Aslo ich hätte bei einem Google-Browser immer ein komisches Gefühl,dass im Hintergrund Daten gesammelt werden. Könnte da was dran sein,oder bin nur paranoid?
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