Browser-Werbung Firefox-Fans geben "FAZ"-Lesern Feuer

Mit einer ganzseitigen Anzeige wird heute in der "Frankfurter Allgemeinen" für den flotten Browser Firefox geworben. Der erklärte Herausforderer von Microsofts Internet Explorer ist kostenlos und wurde von einer weltweiten Community entwickelt. Sein Marktanteil steigt stetig.


Firefox-Anzeige: Raus aus der "Frickel-Schublade"

Firefox-Anzeige: Raus aus der "Frickel-Schublade"

Mancher "FAZ"-Leser dürfte etwas irritiert gewesen sein über die Anzeige auf Seite 21 der heutigen Ausgabe. In großen Lettern springt ihm ein "Feuer!" entgegen, darunter steht eine klein gedruckte Liste mit Tausenden Namen. Auch wenn das Ganze an eine politische Initiative erinnert, es geht hier nicht um Atommüll, Asylrecht oder ein neues Steuerrecht.

Die Anzeige wirbt für einen "revolutionären Browser", den Hunderte von Programmierern gemeinsam entwickeln. "Sie arbeiten ehrenamtlich und schenken ihn der ganzen Welt", heißt es im Anzeigentext. Dann folgt eine Liste von 2403 Unterstützern des Browsers, die zusammen 48.000 Euro gespendet haben, um die Anzeige zu schalten.

Nicht einmal eine Woche brauchten die deutschen Firefox-Anhänger, um das nötige Geld einzusammeln. Den genauen Preis der Anzeige wollen die Organisatoren nicht nennen. Fest steht, dass er unter 48.000 Euro liegt, denn ein Teil der Spenden wurde an die Mozilla Foundation weitergeleitet, wie Timm Beyer von der Firefox-Kommt-Initiative erklärte. Eine ganzseitige Schwarz-Weiß-Werbung kostet laut "FAZ"-Preisliste 34.000 Euro, in vier Farben sind es 52.000 Euro.

Die Überschrift Feuer bedeute als Signalwort "Angriff" , erklärten die Initiatoren, und zwar aggressiver, gleichzeitig aber neutraler als jedes andere Wort. Ferner bedeute Feuer emotionale Leidenschaft, es spiegele das Engagement der Community wieder.

Die Anzeige wurde von der Stuttgarter Agentur Dorten konzipiert und sowohl mit Mozilla Europe als auch der Mozilla Foundation in den USA abgestimmt. "Alles in allem sind wir uns sicher, dass dies eine mutige Anzeige ist", erklärten die Initiatoren. Eine solche Anzeige mache all denen Angst, die versuchten, Open Source als "komisches unprofessionelles Community-Ding" abzutun und in die "Frickel-Schublade" zu stecken.

Der schnelle, schlanke und individuell konfigurierbare Browser war am 9. November in Version 1.0 erschienen. 19 Monate lang hatte die weltweite Mozilla-Community an dem Programm getüftelt. Der kostenlose Browser ist dem Marktführer Internet Explorer von Microsoft funktional überlegen und gilt als wesentlich sicherer. Seit dem Erscheinen von Firefox 1.0 hat der Browser offenbar schon einige Prozente Marktanteil gewonnen. Er wurde bereits fast acht Millionen Mal heruntergeladen.

Die Idee zu Zeitungsanzeigen für den Open-Source-Browser entstand in den USA. Die Initiative Spreadfirefox.com hat mittlerweile mehr als 250.000 US-Dollar an Spenden bekommen. Die geplante Anzeige in der "New York Times" ist jedoch noch nicht erschienen. Sie soll angeblich Mitte Dezember kommen.

Ganz ohne Verstimmungen in der Firefox-Community blieb die heutige "FAZ"-Anzeige nicht, wie Timm Beyer berichtet: "Es gab Diskussionen darüber, warum die Pdf-Datei der Anzeige nicht mit einer Open-Source-Software erstellt wurde."

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