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BSI-Sicherheitsbericht: Hacker legten deutschen Hochofen lahm

Arbeiter am Hochofen (Archivbild): "Massive Beschädigungen" durch Hacker Zur Großansicht
DPA

Arbeiter am Hochofen (Archivbild): "Massive Beschädigungen" durch Hacker

Der Sicherheitsbericht des IT-Bundesamts zeichnet ein düsteres Bild: Computerkriminelle werden immer professioneller, besonders betroffen sind alte Windows- und Android-Versionen. Sogar ein Stahlwerk wurde zum Hacker-Ziel.

Unbekannte haben den Hochofen eines deutschen Stahlwerks durch Computermanipulationen massiv beschädigt. Das geht aus dem Bericht zur Lage der IT-Sicherheit in Deutschland 2014 (PDF) hervor, den das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) am Mittwoch in Berlin veröffentlichte.

Es heißt, die Angreifer hätten sich durch sogenanntes Spear-Phishing, also gezielt auf Mitarbeiter zugeschnittene Fake-E-Mails, zunächst Zugang zu den Bürorechnern der Anlage verschafft. Von dort aus seien sie immer tiefer in das Netzwerk der Anlage eingedrungen, bis sie schließlich Zugriff auf die Steuerungscomputer der Produktionsanlagen hatten.

In der Folge hätten sich "Ausfälle einzelner Steuerungskomponenten oder ganzer Anlagen" gehäuft. Schließlich hätten sich die Probleme sogar derart ausgeweitet, "dass ein Hochofen nicht geregelt heruntergefahren werden konnte und sich in einem undefinierten Zustand befand." Anders ausgedrückt: Die Eindringlinge hatten die Anlage per Computer schwer beschädigt.

Erinnerungen an Stuxnet

Die Schilderungen wecken Erinnerungen an den Stuxnet-Wurm, der vor einigen Jahren benutzt wurde, um das iranische Atomprogramm zu sabotieren. Stuxnet hatte Zentrifugen, in denen Uran angereichert werden sollte, so subtil manipuliert, dass sie erst nach einiger Zeit und nur stückweise ausfielen. So blieb lange unentdeckt, dass es sich um bewusste Manipulationen handelte.

Eine ähnlich hohe technische Professionalität sieht das BSI nun bei den Angreifern des Stahlwerks. Das Wissen der Angreifer sei nicht auf die IT-Sicherheit beschränkt gewesen. Vielmehr hätten sie offenbar über detailliertes Fachwissen der eingesetzten Industriesteuerungen und Produktionsprozesse verfügt.

Angaben dazu, welches Stahlwerk angegriffen wurde, wann der Angriff stattfand und über welchen Zeitraum er sich erstreckte, macht das BSI nicht.

705 Sicherheitslücken

Insgesamt, beklagt das BSI, würden Cyberkriminelle immer professioneller vorgehen, immer zielgerichteter arbeiten. In erster Linie hätte es die Täter auf das Geld ihrer Opfer abgesehen. Einer der Gründe für die Erfolge der Kriminellen sein ein immer noch hohes Maß "digitaler Sorglosigkeit". Sicherheitsmaßnahmen würden in Unternehmen und im privaten Bereich immer noch nicht konsequent umgesetzt, kritisiert das BSI.

Allein in 13 vom BSI als besonders relevant eingestuften Software-Produkten, darunter etwa Adobe Flash und Oracle Java, seien 2013 705 kritische Schachstellen festgestellt worden. Für 2014 rechnet das BSI mit noch mehr Sicherheitslücken.

Als besonders gefährdet werden in dem Bericht ungepatchte und alte Windows-Versionen sowie Smartphones mit veralteten Android-Systemen bezeichnet. Ein generelles Problem sei, dass "spätestens mit Erscheinen des jährlichen Nachfolgemodells die Unterstützung älterer Versionen eingestellt wird".

Zuviel alte Software

Das BSI empfiehlt deshalb, Software, deren Support ausgelaufen ist, nicht mehr zu verwenden. Als aktuelles Beispiel wird Windows XP genannt, dessen Support bereits im April endete, das aber Mitte des Jahres noch einen Marktanteil von acht Prozent in Deutschland hatte. Im industriellen Bereich wird die unzureichende Absicherung von Steuersystemen als problematisch angesehen.

Um Unternehmen besser vor Cyberangriffen zu schützen, setzt das BSI unter anderem darauf, Anwender stärker für die Gefahren im Umgang mit Computern und dem Internet sensibilisieren. Eine Liste von "zwölf Maßnahmen zur Absicherung gegen Angriffe aus dem Internet" wurde als Hilfestellung ins Netz gestellt.

Auch ein Thema der Bundesregierung

Das Thema Cyberangriffe beschäftigt derzeit auch die deutsche Bundesregierung. Am Mittwoch beschloss sie den Entwurf des sogenannten IT-Sicherheitsgesetzes von Innenminister Thomas de Maizière. Der Entwurf sieht vor, dass sich wichtige Infrastruktureinrichtungen wie etwa Energieversorger künftig besser vor Cyberangriffen schützen.

Betreiber wichtiger Infrastruktureinrichtungen sollen künftig einen Mindeststandard an IT-Sicherheit einhalten und "erhebliche" Sicherheitsvorfälle in ihren IT-Systemen dem BSI melden. Das BSI wertet diese Störungen dann aus. Betroffen sind unter anderem die Branchen Informationstechnik, aber auch Energie, Verkehr, Transport, Gesundheit, Wasser, Ernährung, Finanz- und Versicherungswesen.

Auch für Telekommunikationsanbieter werden die Sicherheitsanforderungen erhöht. Der Gesetzentwurf sieht für die Anbieter vor, ihre Kunden zu warnen, wenn ihnen auffällt, dass etwa der Internetanschluss für Cyberangriffe missbraucht wird. Darüber hinaus soll die Zuständigkeit des Bundeskriminalamts bei Computerdelikten ausgeweitet werden.

mak/AFP

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1. Hochofen? Computer?
0815user 18.12.2014
Wer so dämlich ist ein Rechner der ein Ofen steuert auch noch eine Internetverbindung/Netzwerk zu geben, hat es auch nicht anders verdient als gehackt zu werden, für so viel Dämlichkeit ….
2. Selbst Schuld
ted211 18.12.2014
Wer Prozeßleitsysteme von Industrieanlagen an das Internet anbindet, ist selbst Schuld.
3. Wozu
bonngoldbaer 18.12.2014
Wozu die Mühe? Die Vorstände deutscher Stahlunternehmen benötigen weder Computer noch Internet, um Dutzende von Hochöfen für immer lahm zu legen.
4. Haftung könnte es regeln
Alternator 18.12.2014
Sollte man sich dazu durchringen können, hier rechtliche Sicherheit für die Anwender einklagbar zu machen, wäre das wohl der Königsweg. Hersteller sollten verpflichtet werden für nachweislich schlampige Programierung und schlampigen Service wie nicht aktuell gehaltene Betriebssysteme Ersatz zu leisten. Nichts anders sind Systemupdates ja. Für Schäden aus nicht verfügbaren Updates sollte eine Schadensersatzverpflichtung erwachsen. Dann sehen wir unter anderem ja, wie viel Computer in Zukunft noch im Auto ans Lenkrad dürfen. Solange die Rechtslage an dieser Stelle noch wild-westllich ist, wird den Kunden nur Bling-Bling untergeschoben, der sie im Zweifel an der Leitplanke enden lässt.
5.
Berliner42 18.12.2014
Zitat von AlternatorSollte man sich dazu durchringen können, hier rechtliche Sicherheit für die Anwender einklagbar zu machen, wäre das wohl der Königsweg. Hersteller sollten verpflichtet werden für nachweislich schlampige Programierung und schlampigen Service wie nicht aktuell gehaltene Betriebssysteme Ersatz zu leisten. Nichts anders sind Systemupdates ja. Für Schäden aus nicht verfügbaren Updates sollte eine Schadensersatzverpflichtung erwachsen. Dann sehen wir unter anderem ja, wie viel Computer in Zukunft noch im Auto ans Lenkrad dürfen. Solange die Rechtslage an dieser Stelle noch wild-westllich ist, wird den Kunden nur Bling-Bling untergeschoben, der sie im Zweifel an der Leitplanke enden lässt.
na toll, wenn eine Lizenz dann nicht mehr 100 €, sondern 10.000 € kostet. Womit schreiben Sie dann Ihre Beiträge hier?
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Schad- und Spähsoftware
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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potenziell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.


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