Buch-Digitalisierung: Google kooperiert mit Bayerischer Staatsbibliothek

Google und die Bayerische Staatsbibliothek in München haben eine Vereinbarung verkündet: Der gewaltige Bestand der Münchner wird digitalisiert und mit dem Google-Werkzeug Booksearch durchsuchbar und online lesbar gemacht.

Für den Direktor der französischen Nationalbibliothek ist es ein Affront. Seit Jahren mahnt Joen-Noel Jeanneney unermüdlich, warnt vor der "kulturellen Homogenisierung", die Googles Anspruch, das Wissen der Welt zu katalogisieren, mit sich bringen werde. Jeanneney fürchtet eine angelsächsisch dominierte Welt, möchte eine europäische Gegenbewegung einleiten – und nun sind ihm die Herren der Bayerischen Staatsbibliothek in den Rücken gefallen.

Seite aus "Transatlantic Sketches" von Henry James: Google digitalisiert die Literatur der Welt
REUTERS

Seite aus "Transatlantic Sketches" von Henry James: Google digitalisiert die Literatur der Welt

"Die Gebrüder Grimm, Goethe und Schiller. Sie sind nur einige der berühmten Autoren, deren Werke bald jedem zur Verfügung stehen, der einen Internetanschluss hat – dank der neuen Partnerschaft zwischen der Bayerischen Staatsbibliothek und dem Bibliotheksprojekt der Google Buchsuche", teilt Google stolz mit. Die Bayern haben sich bereit erklärt, einen großen Teil ihres Bestandes zu digitalisieren und mit der Literatur-Suchfunktion der US-Suchmaschinisten durchsuchbar zu machen.

"Mehr als eine Million lizenzfreier Werke" werde man digitalisieren, weltweit könnten die Texte der historischen und Spezialsammlungen der Bibliothek nun durchsucht und online gelesen werden. Werke in Französisch, Spanisch, Deutsch, Latein, Italienisch und Englisch sind auch dabei. Rolf Griebel, Generaldirektor der Bayerischen Staatsbibliothek, sagte: "Mit der heutigen Bekanntgabe öffnen wir unsere Bibliothek buchstäblich der ganzen Welt und bringen die wahre Bestimmung der Bibliotheken – nämlich die Entdeckung von Büchern und Wissen – einen entscheidenden Schritt auf dem Weg ins digitale Zeitalter voran."

Die Bayern sind nicht die ersten in Europa, die aus der von Jeanneney beschworenen Phalanx der europäischen Bildungseinrichtungen ausscheren. Google kooperiert bereits mit einer Reihe von Bibliotheken – darunter die Universitätsbüchereien von Oxford, Madrid, Barcelona und einer langen Reihe US-amerikanischer Top-Universitäten. Ein eigenes Buchsuche-Projekt der Europäer lässt noch auf sich warten, ebenso wie eine Buch-Suchmaschine, die deutsche Verlage angekündigt haben.

Den Verlagen, die der Digitalisierung höchst skeptisch gegenüberstehen, weil sie ihre Urheberrechte gefährdet sehen, muss die Vereinbarung Googles mit der Bayerischen Nationalbibliothek zunächst keine zusätzlichen Sorgen machen: Von geschützten Titeln werden dem Nutzer nur Daten wie der Buchtitel und der Name des Autors angezeigt, sowie kurze Textfragmente. Wer nicht will, dass sein Werk digitalisiert wird, muss Google eigens darüber darüber informieren, Schweigen gilt den Suchmaschinisten als Zustimmung.

Google stößt auch in den USA auf Kritik: Der dortige Verlegerverband hat eine Klage gegen das Projekt angestrengt - und Rivale Microsoft, der ebenfalls ein Digitalisierungsprojekt bestreitet, stellte sich eben erst demonstrativ an die Seite der Verlage.

cis

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Web
RSS
alles zum Thema Umbruch der Medienwelt
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback

Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon kaufen.