Buch-Digitalisierung Google will mit Europas Regierungen zusammenarbeiten

Google-Gründer Larry Page hat Europas Regierungen eine Zusammenarbeit angeboten, um Bedenken gegen das Buch-Digitalisierungsprojekt des Suchmaschinenbetreibers auszuräumen. Er verglich den Dienst mit Karteikarten in Bibliotheken.


Page verteidigte in einem Interview mit der dpa die umstrittene Digitalisierung von Büchern aus europäischen Bibliotheken. "Wir zeigen urheberrechtlich geschützte Bücher nur komplett, wenn eine ausdrückliche Zustimmung der Verlage vorliegt", sagte der Google-Gründer. Den Regierungen von Frankreich und Deutschland bot er eine Zusammenarbeit an - ohne allerdings näher zu erläutern, wie diese aussehen könnte. Man schaffe mit Google Print lediglich "das digitale Gegenstück zur Karteikarte in den Bibliotheken." Liege keine Zustimmung vor, könnten die Anwender nur kleine Textschnipsel sehen.

Google Gründer Page, Sergey Brin: Zusammenarbeit mit Europas Regierungen angeboten
DPA

Google Gründer Page, Sergey Brin: Zusammenarbeit mit Europas Regierungen angeboten

Mehrere europäische Regierungen hatten die Pläne kritisiert, Bücher aus europäischen Bibliotheken im Rahmen des Programms Google Print digital zu erfassen und gratis ins Internet zu stellen. Im April 2005 hatte der deutsch-französische Ministerrat in Paris beschlossen, gegen die Vormachtstellung von Google eine europäische Suchmaschine "Quaero" aufzubauen.

Page und Google-Chef Eric E. Schmidt betonten in dem Gespräch, eine europäische Suchmaschine müsse nicht in Konkurrenz zu Google entstehen. "Wir möchten gerne mit Spezialanbietern kooperieren, damit die Google-Anwender den bestmöglichen Zugriff auf die Informationen und Inhalte bekommen", sagte Schmidt.

Weniger begeistert von dem Projekt sind die amerikanischen Verlage. Fünf große Verleger prozessieren derzeit gegen Google. Ihre Klage zielt darauf ab, das Einscannen von Büchern aus Bibliotheksbeständen - die der Universitäten Oxford, Harvard, Stanford und Michigan sowie der New York Public Library - zu stoppen. Die Verlage sehen darin einen massiven Verstoß gegen Urheberrechte, was Google bestreitet.

Auch andere IT-Unternehmen wollen auf dem Feld der Bücherdigitalisierung mitmischen, unter ihnen auch Yahoo und Microsoft. Dort ist man allerdings bisher sehr vorsichtig mit der Vermarktung. Danielle Tiedt, die Managerin, die bei Microsofts Suchmaschine MSN für "Search Content Acquisition" verantwortlich ist, sagt zum Thema Buch-Digitalisierung: "Das bringt der Firma kein Geld. Das ist ein strategischer Schachzug für die Internetsuche im Allgemeinen."



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