Buchpiraterie eBooks boomen illegal

Musik- und Filmbranche leiden kräftig darunter, dass Kopien ihrer Waren über P2P-Netze verteilt werden. Etwas Ruhe hatte bisher der Literaturbetrieb, denn ein Buch einzuscannen ist eine mühsame Angelegenheit. Preiswerte Scanner, schnelle Rechner und leistungsfähige Texterkennungssoftware haben das allerdings geändert.

Von Michael Voregger


Alles zu haben: Auch aktuelle Bestseller sind digital über P2P-Börsen zu bekommen

Alles zu haben: Auch aktuelle Bestseller sind digital über P2P-Börsen zu bekommen

So ist die aktuelle Belletristik-Bestenliste des SPIEGEL fast komplett im Netz vertreten. Besonders viele Treffer gibt es für die Bücher von Donna Leon, Hennig Mankel und Joanne K. Rowling. Manchmal arbeiten die Schwarzdrucker etwas langsam und es finden sich nur ältere Werke der Autoren. So ist Wladimir Kaminer nicht mit seinem neuen Buch "Ich mach mir Sorgen, Mama" vertreten, sondern lediglich mit der bekannten "Russendisko".

Manchmal gelangen aktuelle Titel aber auch in atemberaubender Geschwindigkeit ins Netz. Im letzten Jahr war "Harry Potter und der Orden des Phönix" nur kurz nach dem Erscheinen schon online zu bekommen. Die ersten Kapitel waren bereits nach wenigen Stunden in einem IRC-Channel zu lesen.

"Die meisten Studien zeigen, dass Musik-Piraterie am populärsten ist, gefolgt von illegalen Video- und Film-Downloads", sagt David Price, Experte der britischen Anti-Piraterie-Firma Envisional. "Buch-Piraterie bewegt sich sicher nicht auf diesem Niveau, aber sie ist populär genug, um den Verlegern Sorgen zu bereiten."

Envisional glaubt, die Zahl raubkopierter Bücher mit etwa 30.000 angeben zu können. Beliebt sind natürlich aktuelle Bestseller in englischer Sprache, aber es gibt auch ausreichend spanische, französische und deutsche Literatur. "Wenn die Technik sich weiter entwickelt und Geräte zum Lesen der Bücher beliebter werden, dann werden die Menschen nach Wegen suche, sich die Bücher kostenlos zu verschaffen", glaubt David Price.

Noch ist die Welt in Ordnung

Die Buchverlage haben mit dem Internet bisher gute Erfahrungen gemacht, denn das Medium eignet sich als Präsentationsmittel und vor allem als Verkaufsplattform. Bisher ist die Branche vor Problemen verschont geblieben, die Musikkonzerne und Hollywoodstudios mit der virtuellen Welt haben.

Viel einfacher als das Scannen eines Buches mit vielen Seiten ist allerdings das Kopieren von Hörbüchern. Ein Bereich der längst sein Nischendasein verlassen hat, immer mehr Zuhörer gewinnt und zu den Boomsparten der Branche gehört. Die verzeichnet steigende Umsätze, da immer mehr Menschen sich lieber etwas vorlesen lassen, als selber zum gedruckten Wort zu greifen. Grund genug, die "Börsen" mit Argwohn zu beobachten.

"Wir konnten aus der Entwicklung im Bereich von Musik und Film lernen, sagt Heike Völker-Sieber, Pressesprecherin beim Hörverlag. "Das unerlaubte Kopieren ist bisher noch nicht so virulent, weil unsere Zielgruppe einem besonderen Wert auf das komplette Produkt mit Verpackung und Booklet legt".

...doch das Bedrohungspotenzial steigt

Allerdings gibt es "Acqua Alta", "Vendetta" und "Sanft Entschlafen" von Donna Leon als mp3 genauso, wie die Gaunergeschichte "Dickie Dick Dickens" aus dem Jahre 1959 von Rolf Becker. Vor allem jüngere Hörer greifen öfter auf die Tauschbörsen zurück, wenn sie auf der Suche nach Hörbüchern wie "Harry Potter" oder dem "Herrn der Ringe" sind. Dieses Publikum hat Erfahrung mit Peer to Peer-Netzwerken und da ist es einfach, sich das gewünschte Hörbuch zu besorgen.

"Das ist allerdings unser Publikum von Morgen und wir überlegen uns geeignete Angebote. Man darf den Schutz der Inhalte nicht so weit treiben, wie die Musikindustrie, die das Abspielen auf bestimmten Geräten mit ihrem Kopierschutz verhindern", sagt Heike Völker-Sieber. "Es muss Lösungen geben, die weniger restriktiv sind und den Anwendern auch das Überspielen auf andere Geräte ermöglicht".

In der Branche interessiert man sich inzwischen auch für technische Verfahren, um die eigenen Inhalte zu schützen. Auf der Internetseite des Börsenvereins des deutschen Buchhandels lassen sich Hörproben im mp3-Format herunterladen.

Das Angebot ist ein Test für das digitale Audiowasserzeichen, dass vom Fraunhofer Institut für Integrierte Publikations- und Informationssysteme IPSI in Darmstadt entwickelt wurde. Es handelt sich dabei um ein Verfahren zum Digital Rights Managements (DRM) und nicht um einen technischen Kopierschutz. Das digitale Wasserzeichen soll Kundeninformationen mit der Kopie des geschützten Werkes verbinden. Taucht eine solche Datei im Internet auf, dann kann die Kopie einem bestimmten Käufer zugeordnet und zurückverfolgt werden.

Bis es soweit ist, müssen die Verlage noch den klassischen Weg beschreiten. "Wenn wir davon Kenntnis bekommen, dann müssen wir aktiv werden und schalten unsere Rechtsanwälte ein", sagt Peter Molden von der Geschäftsführung des Lübbe-Verlages. "Im Moment ist das noch kein so großes Problem, aber wenn über Internetplattformen eine breitere Palette angeboten wird, dann kann sich das schnell ändern".

Im Bereich der Hörbücher kann der Tausch über das Internet schon sehr schnell zu einem Problem für die Verlage werden. Es ist einfach, Audiodateien mit Hörspielen ins Netz zu stellen und herunter zu laden. Für eine wachsende Zahl von Nutzern spielt die Verpackung keine Rolle, denn Hörbücher werden auf verschiedenen Geräten und auch unterwegs abgespielt. Ein Buch dagegen lebt immer noch von seiner Aufmachung und das Lesen eines Krimis von Henning Mankell am Computermonitor ist nicht jedermanns Sache. Allerdings kann auch ein Mobiltelefon, ein elektronischer Organizer oder ein eBook zur tragbaren Bibliothek werden.

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