Buchsuche Allianz gegen Google

Drei der größten Konkurrenten des Internetkonzerns Google wollen sich zu einer Allianz zusammenschließen. Sie versuchen, einer richterlichen Entscheidung entgegenzuwirken, die es Google ermöglichen würde, Millionen von Büchern einzuscannen und seinen Nutzern zugänglich zu machen.

ddp


Google hat seit 2004 Buchbestände aus amerikanischen Bibliotheken eingescannt, um sie zum Aufbau einer Datenbank und für die Anzeige von kurzen Auszügen zu nutzen. Insgesamt handelt es sich um bislang rund sieben Millionen Bücher, darunter auch fremdsprachige. Immer wieder kam es deshalb zu Diskussionen um die Urheberrechte der Buchautoren.

Im Herbst 2008 verständigte sich Google mit US-Autorenverbänden darauf, 125 Millionen Dollar an Rechteinhaber zu zahlen, nachdem sie wegen der Verletzung ihrer Urheberrechte geklagt hatten. Google soll laut der Vereinbarung bereits gescannte Werke sowohl in Ausschnitten im Netz veröffentlichen, als auch online verkaufen dürfen. Im Gegenzug sollen Autoren auch an Werbeeinnahmen beteiligt werden, die Google in der Buchsuche erzielt.

Trotz dieser Einigung zwischen den Parteien, die nur noch der Zustimmung eines US-Gerichts bedarf, sollen jetzt Googles Erz-Konkurrenten Microsoft, Yahoo und Amazon der "Open Book Alliance" beigetreten sein, berichtet die "New York Times". Die Open Book Alliance, die von dem Internetportal Internet Archive gegründet wurde, wolle sich an das Justizministerium wenden, da die Vereinbarung zwischen Google und Autorenverbänden wettbewerbsfeindlich sei, sagte Gary L. Reback, Anwalt für Kartellrecht und Berater der Allianz gegen Google, der "New York Times". Gegner der Vereinbarung befürchten auch, sie gebe Google eine zu große Macht bei der Preisbestimmung.

Außerdem bestünde die Gefahr, dass Google weiter persönliche Daten der Nutzer sammelt und so mit Hilfe der Google-Suchmaschine jederzeit erkennbar sei, welche Bücher einzelne Nutzer lesen. Google hingegen argumentierte, das Einscannen weiterer Millionen Bücher sei ein Segen für die Kunden. Ansonsten würden unzählige Bücher in Bibliotheksregalen verstauben und den Internetlesern nicht zugänglich sein.

Der Google-Book-Deal gilt auch für hiesige Rechteinhaber

Bei der Klage der amerikanischen Autoren- und Verlegerverbände aus dem vergangenen Jahr gegen die Verletzung von Urheberrechten durch Google handelt es sich um eine sogenannte "class action". Diese Klageform gibt es im deutschen Recht nicht. Das Besondere daran ist, dass die Entscheidung des Gerichts nicht nur für die Kläger gilt, sondern für die gesamte "class". Dazu gehören dann auch deutsche Autoren und Verlage und somit die Wahrnehmung ihrer Rechte in den USA.

In Deutschland wollen sich der Börsenverein des Deutschen Buchhandels und der Rechteverwerter VG Wort mit den von Google herbeigeführten Umständen arrangieren. Die VG Wort hat Verlage und Autoren aufgefordert, sich im Buchsuche-Streit von der Verwertungsgesellschaft vertreten zu lassen, um so mehr Einnahmen für die deutschen Rechteinhaber herauszuschlagen.

Während Autoren, deren Werke aktuell lieferbar sind, dem Abkommen mit Google ausdrücklich zustimmen müssen, gilt für bereits vergriffene Titel, dass nur ein Widerspruch vor der Aufnahme in den einsehbaren Teil der Google-Bibliothek bewahrt. Ursprünglich wäre die Frist dafür am 5. Mai abgelaufen. Das zuständige New Yorker Bundesgericht hatte allerdings kurz vor Fristende den Termin für seine Entscheidung über den Vergleich verschoben. Einwände gegen den Vergleich können jetzt noch bis zum 4. September 2009 eingereicht werden. Die Gerichtsanhörung soll am 7. Oktober 2009 stattfinden. Danach steht fest, ob eine Vereinbarung zwischen Google und Autoren- sowie Verlegerverbänden Bestand haben wird.

mcc/AP

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