Bundesregierung auf Facebook Postings aus dem Kanzleramt

Die Bundesregierung hat ein eigenes Facebook-Profil. Mit Meldungen und Filmchen zeigt sie hier ihre Sicht der Dinge und bietet den Bürgern auch eine Plattform für Kritik. Manche Kommentare schafften es schon zu den Strafverfolgungsbehörden.

Facebook-Profil der Bundesregierung: Im Cockpit mit der Kanzlerin

Facebook-Profil der Bundesregierung: Im Cockpit mit der Kanzlerin


Hamburg - Die Bundesregierung ist jetzt auch "auf Facebook". Über eine halbe Million Menschen hat sie nach eigenen Angaben mit ihrer neuen Profilseite schon erreicht, fast 27.000 Nutzer würdigten die Seite der Regierung bisher mit einem "Like". Und unter vielen Beiträgen sind schon Diskussionen entbrannt.

Die Regierung trage mit der neuen Social-Media-Präsenz der Tatsache Rechnung, dass 28 Millionen Deutsche über Facebook erreichbar seien, begründet Steffen Seibert am Montag den Schritt in das soziale Netzwerk.

Über Facebook will sich die Regierung nun ohne Umwege, ohne Journalisten-Filter und ohne Platzbeschränkung direkt an die Bürger wenden. Sie informiert über ihre Sicht der Dinge. Und gleich am Samstag wurde ein 44-Sekunden-Video gepostet, das Merkel bei der Ankunft zu ihrer Privataudienz mit dem Papst zeigt.

Bis Montagnachmittag wurde der Clip von der Kanzlerin beim Aussteigen aus einer Limousine ganze 42.000-mal aufgerufen. Ein weiteres 17- Sekunden-Video aus dem Cockpit des Airbus A 319 der Luftwaffe zeigt die Landung in Rom. Man sieht zwei Piloten und die Landebahn. Knapp 12.000 Aufrufe.

Werden Reporter jetzt überflüssig?

Der frühere Regierungssprecher und jetzige "Bild"-Vizechefredakteur Bela Anda schreibt dazu: "So ist der Nutzer im Cockpit dabei, wenn die Regierungsmaschine auf der Landebahn aufsetzt (wer darf das heute sonst noch?) und begleitet Angela Merkel beim interessierten Rundgang durch das Vatikan-Museum in Rom. Reporter werden auf diese Weise im Grunde überflüssig." Fraglich aber, ob die Bürger auf Dauer die Maschine der Kanzlerin und Bilder über einen Museumsrundgang interessanter finden als das eigentliche Gespräch mit dem Papst.

Seibert, früher Reporter und Moderator beim ZDF, versichert, Facebook sei "etwas Zusätzliches". Er teile Journalisten in Pressekonferenzen "weiterhin gern alles mit, was sie wissen wollen". Dort könne er aber keine Bilder vom Empfang der Kanzlerin im Vatikan abspielen.

Was die Bundesregierung auf Facebook veröffentlicht, ist selbstverständlich keine objektive Berichterstattung - es sind immer Meldungen, Nachrichten und Filmchen, die die Regierung verbreitet wissen will. PR also, wie man sie von Firmen und Organisationen schon lange kennt. Und von vielen Ministerien der Bundesregierung. Die meisten "Gefällt mir"-Zeichen hat übrigens das Verteidigungsministerium gesammelt - mehr als 300.000.

Die Bürger dürfen kommentieren - aber nicht alles

Immerhin lässt die Seite Platz für direkte Kritik. Unter dem Namen Maras Denis schreibt ein Nutzer: "Selbstbeweihräucherung, mehr gibt die Seite nicht her. Die Bundesregierung ist mittlerweile Lichtjahre von den Bürgern entfernt." 29 mal "Gefällt mir", Daumen hoch.

Dagegen schreibt Nutzerin Miriam Groß: "Ein wichtiger Schritt! Schön, dass Sie sich getraut haben. Für mich als Auslandspfarrerin ist dieses Angebot wichtig, um über wichtige Entwicklungen unserer Bundesregierung informiert zu bleiben." Sechs erhobene Daumen.

Es gibt aber auch verunglimpfende Kommentare auf der Seite. Merkel lüge den Menschen die Hucke voll, heißt es da. Das lässt das Bundespresseamt so stehen. Manche Kommentare wurden aber bereits am Wochenende gelöscht. Die zuständige Redaktion, die sich um formvollendete Antworten auf alle Nutzerkommentare bemüht, erklärt das auf die Frage eines Nutzers so: "Leider haben einige Nutzer den Begriff Meinungsfreiheit für sich zu frei ausgelegt und andere Nutzer beleidigt oder sich anderweitig strafbar gemacht (u.a. Holocaust-Leugnung). Wir haben diese Beiträge an die Strafermittlungsbehörden weitergeleitet."

Mit ihrem Schritt auf die Plattform Facebook akzeptiert die Bundesregierung automatisch auch die Richtlinien des sozialen Netzwerks und den Umgang des US-amerikanischen Unternehmens mit den persönlichen Daten der Nutzer. Erst Ende Januar hatte Facebook mit neuen Datenschutz-Regeln, die Werbeeinblendungen noch gezielter auf die Nutzer abstimmen, eine Debatte ausgelöst - auch im Bundestag. Der ehemalige Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar hatte daraufhin sein Facebook-Konto gelöscht.

aer/dpa

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insgesamt 29 Beiträge
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Seite 1
yc4 23.02.2015
1.
Es ist exstremst erbärmlich sich mit dem faschistoiden Zuckerberg einzulassen! Jedem normalen Menschen ist also Zugang verwehrt! Völlig kranke, kritikunfähige, deren nicht willens, regieren uns! Es ist zumkotzen, gelinde ausgedrückt.
Tamschiho 23.02.2015
2. Bundesregierung und Facebook?
Was sollen wir da noch erwarten? Merkel im Ringelreihen mit Zuckerberg? Die Regierung, die den Datenmissbrauch anprangert, hat eine Facebook Seite? Das ist so dermaßen pervers, wo jeder weiss, daß Facebook die größte Datenschleuder ist. Aber vllt. schlau und gewollt. Die meisten jungen Leute sind ja schon so kritiklos, verbreiten ihre Daten offen, vertrauen Hinz und Kunz und sind schon so verblödet, daß sie das nicht mehr durchschauen. Snowden lässt grüßen
hohpe 23.02.2015
3. naja
die begründung "Die Regierung trage mit der neuen Social-Media-Präsenz der Tatsache Rechnung, dass 28 Millionen Deutsche über Facebook erreichbar seien, begründet Steffen Seibert am Montag den Schritt in das soziale Netzwerk." sagt ja schon alles. kriegen jetzt alle 28 mio deutschen facebookler ne freundschaftsanfrage? oder wie erreicht man die? und was ist mit leuten ohne facebook-account? ist die seite nicht öffentlich (ich habe es nicht ausprobiert)? das ist nur peinlich
kumiori 23.02.2015
4.
Naja ... wer für TTIP ist, kann auch ein FB Profil haben. Ist eigentlich nur konsquent. Aber interessant, die Bundesregierung darf sich hinter einem Pseudonym verbergen, bei normalen Usern drückt FB jetzt wohl den Klarnamenzwang verstärkt durch. ;)
wahrsager26 23.02.2015
5. Postings
Hauptsache,man gibt sich als Kanzleramt modern und 'bürgernah'!Die abgelieferte Leistung darf da gerne zurücktreten.......Andererseits kann man an den Untertanen verzweifeln-was ist an einem Cockpit so besonderes bzw.Frau Merkel beim Aussteigen aus dem Dienstwagen-schließlich handelt es sich nicht um die 'Golden Globe'Preisverleihung,wo die Damenwelt vorfährt und die Paparazzi glücklich macht.....Aber möglicherweise bekommt jedes Volk'seine' Regierung die es auch verdient...Danke
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