Bunter Vogel an der Spree Pinguin ins Parlament

Im Bundestag serviert der Pinguin. Etwa 90 Prozent der Bundestagsserver sollen mit der Open-Source-Software betrieben werden.


Der wahrscheinlich jüngste Bundestagsabgeordnete: Der Linux-Vogel

Der wahrscheinlich jüngste Bundestagsabgeordnete: Der Linux-Vogel

Die Bundestags-Kommission für den Einsatz neuer Informations- und Kommunikationstechniken empfahl die Umstellung der Server auf das freie Betriebssystem Linux. Durch Einführung von Linux solle die Abhängigkeit von einem Anbieter aufgehoben werden, sagte der Kommissionsvorsitzende Uwe Küster (SPD). Die Mitarbeiter werden dann das Office Paket benutzen. Die Kommission hat mit den Stimmen von SPD und Grünen für die neue Software gestimmt - eine knappe Entscheidung. Den Pinguin wird sein Einzug ins Parlament trotzdem freuen.

Auch wenn Linux kostenlos ist, wird die Umstellung nicht ganz billig: Mit 9,5 Millionen Euro soll der Wechsel in den nächsten fünf Jahren zu Buche schlagen. Damit ist die Umstellung zwar 80.000 Euro teurer, als wenn nur einige der Server auf Linux laufen würden. Für den Ausschuss habe diese Variante aber "strategische Vorteile", so Küster. Der Bundestag sei nicht mehr auf die Lizenzpolitik eines Unternehmens angewiesen.

FDP: "Keine ideologischen Schaukämpfe"

Die FDP ist nicht zufrieden mit der Entscheidung und hat dagegen gestimmt. Sie hätte es gerne billiger: Hans-Joachim Otto betonte, dass die Entscheidung für den Verzeichnisdienst Open LDAP "unbestreitbar zu höheren Kosten trotz geringerer Funktionalität" führe. SPD und Grüne wollten auch die Mehrzahl der jetzt noch mit Microsoft betriebenen Arbeitsplätze auf Linux umstellen. Otto ist froh, dass es nicht so gekommen ist. Das Betriebssystem des Bundestages sei auf Funktionsfähigkeit angewiesen und eigne sich nicht für "ideologische Schaukämpfe".

Outlook virengefährdet

Bei den Grünen wollen sich Steffi Lemke und Grietje Bettin nach eigenen Angaben dafür einsetzen, dass künftig auch in weiteren Systemen des Bundestages Open-Source-Software zum Einsatz kommt.

Die Debatte um die neue Software war aufgekommen, weil Microsoft nur noch bis zum Jahresende für das installierte Windows NT 4.0 Support leisten will. Hinsichtlich der Stabilität sind die beiden neuen Betriebssysteme auf dem gleichem Niveau. In der Vergangenheit waren aber Microsoft und das E-Mail-Programm Outlook wiederholt Virenangriffen ausgesetzt gewesen. 1:0 für den Pinguin.



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.