Bushs "Google"-Suche Schützenhilfe von Dr. Seltsam

SPIEGEL ONLINE deckt auf: Der amerikanische Präsident hielt sich bei einer Suche nach Massenvernichtungswaffen im Irak an einen geheimen Plan. Im Grunde musste er dafür bei "Google" nur die Stichwörter "Weapons of Mass Destruction" eingeben.

Von Lars Langenau


 Anweisungen für George W. Bush

Anweisungen für George W. Bush

Hamburg - Als erster Link erscheint ein genialer Ratgeber, den George W. Bush irgendwie eins zu eins umsetzt haben muss. Er ähnelt zwar frappierend einer Seite, die jedem Internet-Nutzer bekannt vorkommen dürfte: der Fehlermeldung des Internet-Explorer von Microsoft. Aber bevor Sie sich jetzt enttäuscht wieder abwenden, schauen Sie genau hin!

Schließlich ist es die wohl praktischste Handreichung für Waffenkontrolleure, Mitglieder der Familie Bush und andere humortalentierte Menschen, die im Internet kursiert.

Und obwohl dort weder explosive Gegenstände gezeigt werden, noch ernsthaft über Vorwände für einen Angriffskrieg diskutiert wird, glüht die Error-Seite sowohl von subtilem Humor, als auch von ungehörig vielen Klicks.

Cox's Informationsbedürfnis

Die vom Briten Anthony Cox am 12. Februar gestaltete Seite ist so beliebt, dass sie mittlerweile mit 445 Websites verlinkt ist. Und so war ihr Weg an die Spitzenposition der Internet-Suchmaschine vorgegeben. Mittlerweile reichen auch die Wörter "Mass" und "Destruction" und schwupp ist man auf Cox's Seite.

Dabei begann alles ganz harmlos: Der 34-jährige Pharmazeut wollte sich vor dem Irak-Krieg einfach über Massenvernichtungswaffen informieren. Angeregt wurde er durch einen Artikel in der linksliberalen britischen Zeitung "Guardian", in dem über die Schwierigkeiten der Uno-Kontrollmaßnahmen berichtet wurde. Ziemlich schnell landete er bei weitergehenden Recherchen jedoch auf einer "404 Error Page", wie er SPIEGEL ONLINE mitteilte.

Doch von so etwas lassen sich Briten nicht so schnell entmutigen und "quite quickly" entwarf er in Anlehnung an die Error-Meldung eine eigene Info-Seite.

Von ihrem Erfolg sei er vollkommen überrollt worden, sagt Cox. Denn ursprünglich sendete er sie nur Freunden, doch die verbreiteten sie in rasender Geschwindigkeit weiter - bis sie schließlich auf einer Web-Site für britischen Humor landete. Ende Februar verzeichnete sie schon 750.000 Zugriffe. Dann folgten Links in einer Zeitung und auf der Frontpage eines Fernsehsenders. Und nun kommt sie täglich auf 4,2 Millionen Hits!

Cox hält sich nicht für einen politischen Menschen. Er hat die Seite eher als guten Witz aufgefasst. Obwohl seine Seite den Eindruck eines Anti-Kriegs-Statements vermittelt, unterstütze er im Golfkrieg die Position seines Premiers Tony Blair.

Massenvernichtungswaffen derzeit nicht lieferbar

Wie auch immer: Auf seiner äußerst populären Seite steht geschrieben, dass die Massenvernichtungswaffen derzeit nicht geliefert werden können. Möglicherweise liege das aber nur daran, so Cox auf seiner Seite, dass das exportierende Land derzeit technische Probleme hat - oder man ein neues Mandat als Waffeninspektor benötige.

Deshalb empfiehlt Cox folgenden Weg: Man klicke auf den Button "Regime-Wechsel". Und falls dies nicht sofort umgesetzt wird, könne es ja später noch einmal versucht werden.

Sei man jedoch Bush höchstpersönlich, solle man vor allem daran denken, das Wort "Iraq" richtig zu schreiben.

Bei einer intensiven Suche nach den biologischen, chemischen oder atomaren Waffen bleibe noch die Möglichkeit, sich an die Uno oder gleich an den Sicherheitsrat zu wenden.

Falls dieser dann dem Begehren nachkomme, könne man direkt die USA angehen. Cox's Seite verspricht, dass Amerika dann auch das Herkunftsland des Surfers genauer unter die Lupe nehmen werde. Automatisch werden die USA dann Massenvernichtungswaffen zu Tage fördern.

Es gibt auch einen (fiktiven) Link zu einer Seite, die über die amerikanische Außenpolitik informieren soll. Dort könne auch entschieden werden, welches Regime in dem zu befreienden Land installiert werden soll.

Cox muss also mit einer prophetischen Gabe gesegnet sein, oder Bush hat tatsächlich seinen Plan aus dem Netz gestohlen und seinen Generälen als eigene Strategie verkauft?

Seine Anweisungen könne man aber auch getrost vergessen, empfahl Cox, wenn man auf den Namen Donald Rumsfeld höre. Denn dann neige man ja eh zum direkten Klick auf das Zeichen einer gezündeten Bombe.

Doch im Gegensatz zur Realität führte bei Cox dieser Link lediglich direkt zur DVD-Bestellung des Kubrick-Films "Dr. Seltsam oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben".

PS. Auch schön: Die "New York Times", die in jüngster Zeit etwas Probleme mit der Wahrheitsliebe hatte.



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