Spielemacher: Junge baut Arcade-Automaten aus Pappe

Von Hakan Tanriverdi

Ein Junge namens Caine bastelt monatelang mit Pappkartons und baut sich daraus eine kleine Spielhalle. Doch als er fertig ist, will keiner mit ihm spielen. Das war vor einem Jahr. Mittlerweile inspiriert Caine per YouTube und Facebook Kinder aus aller Welt.

Caine's Arcade: Kinder aus aller Welt basteln sich Pappspiele Fotos
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Caine, das ist ein kleiner Junge aus Los Angeles, der samstags und sonntags meist auf dem Schrottplatz seines Vaters spielt. Eines Tages begann er, aus Pappkartons kleine Spielautomaten zu basteln. Ein ganzes Jahr lang arbeitet er daran, bis er eine komplette Spielhalle zusammen hat, Caine's Arcade nennt er sie. Dann setzte er sich auf einen Stuhl vor den Schrottplatz und wartete auf Kunden - jemand, der sich für zwei Dollar einen "Fun Pass" kaufen will, um damit 500 Runden in der Karton-Spielhalle des Neunjährigen spielen zu dürfen. Lange Zeit sitzt Caine in seinem Stuhl oder fegt die Straße, anstatt Karten zu verkaufen. Keiner will in seine Karton-Spielhalle.

Das war vor knapp einem Jahr. In der Zwischenzeit hat sich viel getan. Caine ist eine kleine Berühmtheit geworden. Bis zum 6. Oktober sind unter dem Namen "Cardboard Challenge" weltweit mehr als hundert Veranstaltungen in rund 25 Ländern angekündigt, darunter auch in Deutschland, am 6. Oktober in München. Koordiniert wird die Aktion von der Imagination Foundation, insbesondere von Nirvan Mullick. Mittlerweile haben die Organisatoren 430.000 Dollar an Spenden gesammelt. Geld, mit dem die Kreativität von Kindern gefördert werden soll.

Mit der Schere einen Flipper basteln

Kinder wie Caine, die aus Garn und Haken einen Greifarm basteln, damit der Spieler Gewinne aus dem Automaten fischen kann. Die mit einer Schere, einem Tacker und viel Phantasie aus Kartons einen Flipper fertigen, Zinnsoldaten vor einen rechteckigen Kasten stellen und eine Karton-Torwand basteln.

Vielen Kindern dient Caine als Vorbild. Ein kleiner Junge, neun Jahre alt, sitzt nervös vor der Kamera und präsentiert ganz aufgeregt - einen Karton. "Hi Caine", sagt Jojo, "ich bin ein Fan von dir und das hier ist mein Kaugummi-Automat. Vielleicht ist es ja was für deine Spielhalle". In einem anderen Video wird der Schauspieler und Musiker Jack Black von seinem Sohn gemaßregelt: "Nein, nicht schnippen! Du musst den Ball schon werfen." Also spielt Black so, wie es sein Sohn gern hätte, nimmt die Kugel - und verfehlt das Loch im Karton. Der Junge kennt Caine aus einem Video, das mehr als drei Millionen Mal geklickt wurde. "Ich habe deinen Automaten gesehen - und habe meinen gebaut", sagt der kleine Black.

Heute hat sein T-Shirt einen neuen Aufdruck: "Boss"

Nirvan Mullick wollte damals eigentlich nur einen Türgriff kaufen, als er den Schrottplatz betrat. Doch er sah die Kartons von Caine und ließ sich überreden, ein paar Partien mit dem Jungen zu spielen. Er war fasziniert von der Detailverliebtheit, zum Beispiel von den kleinen Taschenrechnern, die an die Kartons geklebt sind. Sie verifizieren per "Geheimcode", ob der Spieler mit einem gültigen Spielpass unterwegs ist: Die Wurzel aus der Zahl, die vorne im Pass steht, muss identisch sein mit der Zahl auf der Rückseite des Phantasie-Dokuments.

Begeistert von Caines Kreativität kehrt Mullick zurück und will einen Kurzfilm über das Spiele-Paradies und seinen kleinen Besitzer drehen. Von Caines Vater erfährt Mullick, dass bisher niemand außer ihm jemals zum Spielen gekommen sei. Also nimmt der Filmemacher die Sache in die Hand und verbreitet die Geschichte des kleinen Pappenheimers: Er organisiert einen Spieletag, ganz Los Angeles soll bei Caine Schlange stehen.

Und tatsächlich: Die Geschichte vom kleinen Caine bewegt die Menschen so sehr, dass sie sogar Lieder über ihn und seine Kartons schreiben. Es kommen Tausende Menschen, Caine wird von lokalen Nachrichtensendern interviewt, er ist jetzt ein gemachter Geschäftsmann. In der Woche, in der das Video von Mullick ins Netz gestellt wurde, kamen wieder so viele Leute, dass sie mitunter vier Stunden in der Warteschlange stehen mussten, bevor sie an die Kartons gelassen wurden.

Sein T-Shirt (selbst entworfen, klar) mit dem "Mitarbeiter"-Aufdruck ist ihm jetzt, ein Jahr später, zu klein geworden. Mittlerweile trägt er einen "Boss"-Schriftzug auf seiner Brust. Caine, der seine Arcade-Welt bis dahin noch in der Schule verschwiegen hatte, aus Angst davor, man könnte sich über ihn lustig machen, hat sich durch die Aufmerksamkeit verändert: "Er ist aus seinem Schneckenhäuschen herausgekrochen und geht jetzt offen auf Menschen zu", sagt sein Vater.

Caine unterhält sich mit Rob Manning, dem leitenden Ingenieur der NASA, der in seiner Jugend ebenfalls Kartons benutzt hat, um Raketen zu bauen: "Und heute baue ich immer noch Raumschiffe - aber diesmal echte, die auf dem Mars landen".

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impexus 27.09.2012
Zitat von sysopEin Junge namens Caine bastelt monatelang mit Pappkartons und baut sich daraus eine kleine Spielhalle. Doch als er fertig ist, will keiner mit ihm spielen. Das war vor einem Jahr. Mittlerweile inspiriert Caine per YouTube und Facebook Kinder aus aller Welt. Caine's Arcade: ein kleiner Junge bastelt sich Spiele aus Karton - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/caine-s-arcade-ein-kleiner-junge-bastelt-sich-spiele-aus-karton-a-856410.html)
Schön, das der Kleine für seine Kreativität etwas Aufmerksamkeit bekommt, toller Bericht.
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  • Donnerstag, 27.09.2012 – 09:15 Uhr
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