Von Felix Knoke und Konrad Lischka
Neue Details zur Überwachungssoftware Carrier IQ, die laut dem Hersteller auf 150 Millionen Mobiltelefonen weltweit installiert ist und beobachten kann, wie die Geräte "jeden Tag benutzt werden": Mehrere Leser von SPIEGEL ONLINE melden, dass sie auf ihren in Deutschland gekauften Samsung-Geräten Spuren der Software entdeckt haben.
Es handelt sich dabei zum Beispiel um ein "original in Deutschland im Media Markt erworbenes Samsung Galaxy S 2 (mit Firmware 2.3.4)" und auf ein Samsung GT-P1000 Galaxy Tab, das ein anderer Leser "im Frühjahr bei Amazon gekauft" hatte.
Samsung Deutschland hatte zuvor gegenüber SPIEGEL ONLINE behauptet, dass "auf in Deutschland verkauften" Mobiltelefonen des Herstellers "die Carrier-IQ-Software nicht vorinstalliert ist" sei. Auf die Frage, wie die bisherige Darstellung zu den nun entdeckten Datenspuren passt, hat Samsung bis zur Veröffentlichung dieses Artikels nicht geantwortet.
So testen Sie Ihr Smartphone auf Carrier-IQ-Spuren
Die Leser fanden mit Diagnose-Programmen Datenspuren der Carrier-IQ-Software, es gibt aber derzeit keine Hinweise dafür, dass die Software wie in den Vereinigten Staaten standardmäßig im Hintergrund läuft. Ob auf dem eigenen Android-Tablet oder Smartphone Spuren der Carrier-IQ-Software zu finden sind, kann man mit Hilfe mehrere Diagnoseprogramme untersuchen:
Haben Sie auf Ihren Android-Geräten Spuren der Software Carrier IQ gefunden? Bitte senden Sie uns Details (Meldung des Analyseprogramms, Marke und Modell des Geräts, Kaufort und ungefährer Zeitpunkt) zum Fall per E-Mail.
Inzwischen haben nach Trevor Eckhart auch weitere Entwickler die Carrier-IQ-Software analysiert. Sie geben keine Entwarnung, mahnen aber zu differenzierter Darstellung:
Was wird also an Betreiber übermittelt? In einer Pressemitteilung und in einem Interview mit dem Tech-Blog "The Verge" beteuert Carrier IQ, dass Netzbetreiber die Carrier-IQ-Software ausschließlich zur Diagnose von Betriebsproblemen in Netzwerken und auf Mobilgeräten von Netzbetreibern einsetzen.
Carrier IQ verweist auf Hersteller, Hersteller auf Provider
Dass Carrier IQ trotzdem ein Datenschutzrisiko sein kann, räumt der Hersteller im "The Verge"-Interview aber auch ein - wenn die Handy-Hersteller beim Sammeln und Übertragen der Nutzungsdaten schlampen. Ohne Namen zu nennen, schiebt Carrier IQ damit HTC den schwarzen Peter zu als ein Unternehmen, das sensible Daten unnützerweise in einer ungeschützten Log-Dateien zwischenspeichert - über die Sicherheitsforscher Trevor Eckhart gestolpert ist und mit denen der ganze Skandal erst seinen Lauf nahm.
Laut HTC werden Geräte des Herstellers in Europa nicht mit Carrier-IQ-Software ausgeliefert. Zur Lage in den USA verweist HTC auf die Netzbetreiber: "HTC ist kein Kunde oder Partner von Carrier IQ, wir erhalten keine Daten von dieser Anwendung, der Firma oder den Netzbetreibern, die mit Carrier IQ zusammenarbeiten. HTC sucht nach Möglichkeiten, Kunden eine Option zum Deaktivieren der Datensammlung durch die Carrier-IQ-Anwendung zu bieten."
In Deutschland hatten gegenüber SPIEGEL ONLINE die großen Provider T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2 einen Einsatz der Software ausgeschlossen, die Freenet-Gruppe (Debitel/Mobilcom/Klarmobil/Callmobile) hat auf eine Anfrage bislang nicht reagiert.
Apple will auf Carrier IQ komplett verzichten
Welche Daten standardmäßig an wen übertragen werden, geht aus diesen Stellungnahmen nicht hervor. Diese Frage wollen nun auch Politik und Marktaufseher beantwortet wissen. In den Vereinigten Staaten soll sich die Federal Trade Commission (FTC) der Sache annehmen, fordern Kongress und Verbraucherschützer.
In Europa nehmen sich die staatlichen Datenschützer die Software vor, hat PC World erfahren. Darunter Thomas Kranig vom Bayerischen Landesamts für Datenschutzaufsicht, der nun auch von Apple wissen will, wie das Unternehmen Nutzungsdaten erhebt und auswertet. Apple räumte ein, in "manchen" iOS-Geräten Carrier IQ einzusetzen - die Kunden aber über ein "Opt-in"-Verfahren um Erlaubnis zur Datensammelei zu fragen. Will man das später wieder unterbinden, findet sich die entsprechen Option unter Einstellungen -> Allgemein -> Info -> Diagnose & Nutzung -> Nicht senden.
Apple verweist auf eine Stellungnahme der US-Konzernmutter: Demnach hat Apple mit der Version 5 des Betriebssystems iOS die Einbindung von Carrier-IQ-Software gestoppt, man wolle in eine zukünftigen Version das Programm völlig entfernen.
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