Casemod-Meisterschaft: Schrauber stehen auf Holz und Rost

Das Aufmotzen grauer Computergehäuse zu bunt leuchtenden Kisten ist ein sehr spezielles Hobby. Beim 4. Deutschen Casemod-Wettbewerb trafen sich die begabten Schrauber, um ihre Meister zu küren. Der diesjährige Trend: perfekt gearbeitete Holzgehäuse und Rost-Look.

PC im Rudolf-Steiner-Look: "Holzcase" von Michael Mürmann

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Es ist äußerst praktisch, einen Handwerker zu kennen. Noch besser ist es natürlich, wenn man selbst schrauben, schreinern und fräsen kann - vor allem, wenn es ums "Case-Modding" geht, das Tunen von PC-Gehäusen. Unter den Teilnehmern der diesjährigen Casemod-Meisterschaft in Dortmund fanden sich erstaunlich viele Profi-Handwerker, wie Organisator Michael Wegner von der Bochumer Firma Planetlan berichtet. Einige seien sogar hauptberuflich Schreiner, sagte er SPIEGEL ONLINE, "das ist natürlich von Vorteil".

Perfekt gearbeitete Holzgehäuse standen bei der zehnköpfigen Jury und beim Publikum hoch im Kurs. Das "Holzcase" von Michael Mürmann aus Sprockhövel (NRW) wäre eine Zier für jede Waldorfschule und holte immerhin Platz zwei in der Kategorie Case Modification. Das sind PC-Gehäuse, die mit viel Aufwand umgebaut wurden.

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Rückblick Casemod-Meisterschaft 2005: Holz ist in

In der Kategorie Case Construction, den komplett neu erschaffenen Gehäusen, gewann das "Alien" des Hamburgers Maico Bensien. Die Computerform hatte er aus Kunststoff gegossen. Bensien entthronte den Rheinland-Pfälzer Alexander Siener, der im Jahr 2004 noch den Konstrukteurs-Meistertitel mit einem wassergekühlten Edel-PC geholt hatte. Der Heizungsbauer aus Heuchelheim muss sich jedoch nicht grämen: Sieners diesjährige Kreation "motionX" landete immerhin auf Platz zwei.

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Als absoluter Publikumsliebling erwies sich die Holzpyramide von Dirk Wand aus Duderstadt in Niedersachsen. Das auf rostig-alt getrimmte "Artefakt" von Thorsten Siegel aus dem thüringischen Altenburg kam auf den zweiten Platz. Der Rostlauben-PC hatte auch die Jury begeistert. Sie belohnte die Idee mit Platz drei in der Kategorie Modification.

Das Interesse an Case-Modding scheint stetig zuzunehmen. Was in den neunziger Jahren als Gag auf Lan-Parties begann, hat sich mittlerweile zu einer eigenen Community mit eigenen Webseiten und Foren entwickelt. Die zehn Jury-Mitglieder wurden denn auch aus dem Kreis der Website-Redakteure angeheuert. "Alles ausgewiesene Experten auf diesem Gebiet", sagt Organisator Wegner.

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In diesem Jahr gab es nach seinen Angaben etwa 100 Anmeldungen. "Wir mussten 50 davon auswählen, damit die Jury auch alle Geräte ausgiebig inspizieren kann." Das technische Niveau ist laut Wegner "extrem gestiegen". Was im Jahr 2002 noch als Anwärter auf den Titel gegolten habe, sei in diesem Jahr aussortiert worden.

Der Aufwand, den die Modder treiben, ist enorm. "Unter den Siegern hat jeder mindestens hundert Stunden investiert, manche sogar mehr als tausend. Die Materialkosten hielten sich hingegen meist in Grenzen: "Ein Teilnehmer hat seine alte Duschkabine auseinandergefräst", erzählt Wegner, "ein anderer seine alte Gitarre, die schlecht klang, zum PC umgebaut."

Holger Dambeck

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