CCC-Boykottaufruf: "Musikindustrie verunglimpft ihre Kunden"

Die deutsche Musikindustrie tut es den Kollegen in den USA gleich und rückt den Benutzern von Tauschbörsen zu Leibe. Der Chaos Computer Club, stets Streiter für die so genannte Informationsfreiheit, ruft deshalb jetzt zum Boykott des Business auf.

CCC-Banner: "Urheberrecht ist kein Naturrecht"
CCC

CCC-Banner: "Urheberrecht ist kein Naturrecht"

Nach den Strafanzeigen der deutschen Phonowirtschaft gegen Nutzer von illegalen Internet-Tauschbörsen ruft der Chaos Computer Club (CCC) zu einem Boykott der Musikunternehmen auf. Die Branche solle nicht den Nutzern die Schuld geben, wenn sie selber den Beginn des Informationszeitalters verschlafen und es versäumt habe, ihr Geschäftsmodell an die digitale Welt anzupassen. "Das Urheberrecht ist kein Naturrecht, sondern ein Ausgleich dafür, dass der Urheber sein Werk der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt", heißt es in dem Aufruf.

Dafür, Privatkopien zu verbieten, gebe es keine rechtliche Grundlage, so der CCC. "Diesen Umstand versucht die Musikindustrie durch pausenlose Kampagnen zu unterminieren. Sie stellt die Privatkopie auf die selbe Stufe wie Kinderschänder und Rechtsradikale." Die eigene Kundschaft werde "auf infame Weise verunglimpft".

Boykottaufruf: "Downloader wie Terrroristen verfolgt"
CCC

Boykottaufruf: "Downloader wie Terrroristen verfolgt"

Es könne nicht sein, dass die Musikindustrie ihre Ziele erreiche, indem sie eine "massive Panik" vor immensen Schadensersatzforderungen schüre, die in Deutschland im übrigen gar nicht durchsetzbar seien.

Es gehe vielmehr darum, die Nutzer von Tauschbörsen einzuschüchtern. Mangelhafte Qualität bei neuer Musik, hohe CD-Preise, geringe Auswahl in vielen Plattenläden und einfachere Suche nach bestimmten Titeln in Tauschbörsen seien Gründe für die Attraktivität der P2P-Netwerke - die Musikindustrie sei also selbst Schuld an ihren Problemen mit den Downloadern. "Wie kommt es, dass man mit Klingeltönen mehr Geld macht als mit Musik?", wird ein anonymes Clubmitglied in dem Aufruf zitiert.

Alles Gründe für den CCC, die Produkte der klagenden Plattenfirmen aus Protest gegen die Klagewelle zu blockieren: "Entziehen wir ihnen den Umsatz! Dieser kann dann nicht mehr dazu verwendet werden, in großen Anzeigenserien die Kunden zu diffamieren."

Kampagne: "Kopiert aber legal"
CCC

Kampagne: "Kopiert aber legal"

Die deutsche Phonowirtschaft hatte am Dienstag angekündigt, angesichts dramatisch sinkender Umsätze und anhaltender Musik-Piraterie schärfer gegen illegale Angebote im Internet vorzugehen. In einer ersten Klagewelle erstatteten die deutsche Landesgruppe der International Federation of the Phonographic Industry (IFPI) und eine von ihr beauftragte Hamburger Rechtsanwaltskanzlei 68 Strafanzeigen gegen Nutzer illegaler Musik-Tauschbörsen.

Der CCC wird kaum die einzige Organisation bleiben, die ihrem Unmut auf deutliche Weise Luft macht. Vor etwa zwei Wochen bereits hatte die Grüne Bundespartei eine Postkartenaktion für das Recht auf Privatkopie gestartet, bewirbt diese aber nach teils heftiger Kritik nicht mehr.

Die Grünen selbst verweisen darauf, dass es durchaus nicht die Kritik der verbände gewesen sei, die sie zu einem "Teilrückzieher" veranlasst habe. Vielmehr sei die Postkartenaktion anlässlich des Verbrauchertages gestartet, der nun aber ja vorbei sei. Auch in näherer Zukunft jedoch sei mit Aktionen der Grünen in diesem thematischen Umfeld zu rechnen, an den Positionen habe sich nichts geändert.

Die Webseite des CCC ist wegen des außerordentlich hohen Publikumsinteresses zurzeit nur sehr schwer erreichbar.

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