Cebit Q&A Peter Glaser, der Schwarzweiß-Drucker

Der österreichische Journalist und Schriftsteller Peter Glaser gehört seit zwei Jahrzehnten zu den scharfsinnigsten Beobachtern und Kommentatoren des alltäglichen IT-Wahnsinns. Für die Zukunft wünscht er sich Technik, die wieder so gut ist wie früher. Sozusagen.


SPIEGEL ONLINE:

Welches Gerät hat Ihr Leben in den letzten Jahren am nachhaltigsten verändert?

Peter Glaser: Ein Treppenlift, der neu etwa 40.000 Euro gekostet hätte, und den ich bei eBay für ein Zehntel ersteigert habe. Ich kann wegen einer Gelenkerkrankung keine Treppen steigen.

SPIEGEL ONLINE: Und welche technische Erfindung hat Sie persönlich am meisten enttäuscht?

Glaser: Farbtintenstrahldrucker. Reparaturservice gibt es nicht mehr, schon beim geringsten Defekt wird man aufgefordert, das Gerät wegzuwerfen. Wenn man gerade neue Tintenkartuschen für gut 100 Euro eingesetzt hat - Pech gehabt. Tintenstrahldrucker verbrauchen darüber hinaus auch dann die absurd teure Farbtinte, wenn man nur schwarz druckt - für einen sogenannten Düsentest. Ich habe jetzt wieder einen Schwarzweiß-Laserdrucker und bin sehr zufrieden.

SPIEGEL ONLINE: Stellen Sie sich vor, Sie erlitten Schiffbruch auf einer Insel mit perfekter Stromversorgung: Welches Gerät hätten Sie in der Tasche, um die Wartezeit zu überbrücken?

Glaser: Ein Telefon.

SPIEGEL ONLINE: Von welchem aktuellen Gerät könnten Sie sich vorstellen, es in näherer Zukunft zu kaufen?

Glaser: Von einem Intel-Mac. Vergnügungshalber auch von einem Video-iPod.

SPIEGEL ONLINE: Welches Technik-Thema wird Ihrer Meinung nach überbewertet?

Glaser: Die bemannte Raumfahrt. Es ist der Versuch, für immens viel Geld einen toten Mythos scheinbar am Leben zu erhalten, wie Lenins Leichnam. Schon an die zweite Mondlandung erinnert sich kein Mensch mehr. Es gab Space Shuttle-Flüge, nach deren Rückkehr die Putztrupps das Raumschiff mit Gasmasken betreten mußten, weil das Klo wieder mal kaputt war. Die Gesamtkosten der Internationalen Raumstation ISS werden auf 100 Milliarden Euro geschätzt. Unbemannte Sonden oder Experimentierstationen wie die Mars-Rover können Forschungsaufgaben wesentlich besser und billiger ausführen.

SPIEGEL ONLINE: Welches technische Gerät sollte die Industrie Ihrer Meinung nach unbedingt noch entwickeln?

Glaser: Einen Computer, der an ist, wenn man ihn einschaltet, und nicht erst booten muß; und der aus ist, wenn man ihn abschaltet, und nicht erst runtergefahren werden muß. Das gab es übrigens schon mal - in der Homecomputer-Zeit beim C-64 und Atari ST.

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