CES in Las Vegas: Das bringt die weltgrößte Gadget-Schau

Aus Las Vegas berichtet

27-Zoll-Tablets, intelligente Gabeln und selbststimmende Gitarren: Auf der CES in Las Vegas stellen die Hightech-Firmen neue Gadgets vor. Nur Microsoft fehlt erstmals auf der Messe. Ein asiatischer Konzern will die Führungsrolle übernehmen - mit geheimnisvollen Ankündigungen.

Gadgetmesse in Las Vegas: Das bringt die CES 2013 Fotos
HAPILABS

Die Lücke, die Microsoft hinterlassen hat, ist gewaltig. Seit 1994 war es Tradition, dass der Softwarekonzern mit einer Rede seines Firmenchefs die CES (Consumer Electronics Show) in Las Vegas eröffnete. Doch diese Tradition beendete Firmenchef Steve Ballmer 2012, als er zum letzten Mal vor mehreren tausend Zuschauern seine Keynote hielt.

Den begehrten Part des Eröffnungsredners übernimmt 2013 Paul Jacobs, Chef des Chip-Herstellers Qualcomm. Doch während über Ballmers Auftritt stets schon Wochen vorher spekuliert wurde, ist das Interesse an der Qualcomm-Rede eher verhalten. Die Aufmerksamkeit von Presse und Beobachtern hat sich in diesem Jahr ein anderes Unternehmen gesichert.

Samsungs Marketingexperten ist es gelungen, schon während der Weihnachtsfeiertage den Eindruck zu erwecken, man werde das Messehighlight der CES 2013 liefern. Viel war nicht nötig, um die nötige Aufregung zu erzeugen. Ein kurzes YouTube-Video und ein Blogeintrag genügten, um die Spekulationsmaschinerie in Gang zu setzen. Dabei ließen Samsungs Strategen der Phantasie viel Raum: Sie verrieten nicht mehr, als dass "eine wirkliche Innovation des TV-Designs kommen wird, mit einer noch nie dagewesenen TV-Form und einem zeitlosen Äußeren".

Darüber, was das nun zu bedeuten habe, wird im Netz eifrig diskutiert. Wird der neue Fernseher womöglich vertikal statt horizontal ausgerichtet sein? Oder hat er gar ein halbdurchscheinendes Display? Schließlich hatte der Konzern den Prototyp eines derartigen Bildschirms auf der letzten CES gezeigt. Die Wahrheit wird wohl viel profaner sein, aber nicht vor Montagnachmittag (Ortszeit) in Las Vegas verraten.

Dass horizontale Bildschirme ein Messethema sein werden, hat Lenovo schon einmal vorab klargemacht: Das chinesische Unternehmen stellte im Vorfeld der Messe unter anderem einen Flach-PC vor, der nur aus einem gewaltigen Touchscreen besteht. Den sogenannten Idea Centre Horizon 27 Tablet PC kann man sowohl aufstellen als auch flach hinlegen - und dann beispielsweise für Gesellschaftsspiele benutzen. Ein ähnliches Gerät hatte Sony unter dem Namen Tap 20 schon bei der IFA in Berlin vorgestellt.

Sicher ist jedenfalls, dass Samsung mit seiner Geheimnis-Propaganda das wohl wichtigste Thema der Messe erfasst hat: Fernseher. Davon wird es in Las Vegas reichlich zu sehen geben. Vor allem neue 4K-Fernseher, die viermal mehr Pixel haben als aktuelle Full-HD-Geräte, dürften zu sehen sein. Sie bieten beispielsweise die Möglichkeit, 3D ohne Brille anzuzeigen. Aber auch von neuen Google-TV-Geräten und von OLED-Fernsehern ist die Rede, die dank neuer Technik zwar ein enorm kontrastreiches und scharfes Bild zeigen, dafür aber auch exorbitant teuer sind.

Notebooks und Tablets

Ein weiterer Messetrend werden kleine Windows-8-Rechner und große Smartphones sein. Einen Vorgeschmack lieferte wenige Tage zuvor Samsung mit der Vorstellung seiner Chronos- und Ultra-Noteboks, die mit Touchscreens in robusten Metallgehäusen stecken, extrem dünn (bis zu 17,5 Millimeter) und recht leicht (ab 1,46 Kilogramm) sind. Neben solchen Geräten dürften sich die Prototypen, die Intel vermutlich zeigen wird, klobig ausnehmen.

Laut "Cnet" wird der Chip-Konzern eine neue Version seines Notebookprozessors Ivy Bridge zeigen, die sich mit zehn Watt Stromaufnahme begnügt. Ein derart sparsamer Intel-Chip würde Windows-8-Tablets und -Notebooks möglich machen, die viel kleiner, dünner und leichter sind als alles, was es bisher gibt.

Phablets

In die entgegengesetzte Richtung geht, was die meist gut informierte taiwanische Branchen-Website Digitimes berichtet. Demnach werden mehrere Unternehmen in Las Vegas extrem große Smartphones vorstellen, die wegen ihres Formats zwischen Smartphone und Tablet als Phablets bezeichnet werden. Demnach soll LG das 5,5 Zoll große Optimus G2 zeigen und Huawei mit dem Ascend D2 ein Handy mit 13-Megapixel-Kamera bringen.

Dass beide Geräte Quadcore-Prozessoren verwenden, ist ob der Bildschirmgröße naheliegend. Auch von einem neuen Sony-Smartphone namens Xperia Z wollen die Taiwaner bereits wissen. Sein Bildschirm sei 5 Zoll groß, heißt es. Noch größer macht es nur Huawei, deren AscendMate angeblich 6,1 Zoll Bildschirmdiagonale aufweist und damit Samsungs Galaxy Note II Konkurrenz machen könnte.

Elektronische Selbstvermessung

Ein großes Thema ist in diesem Jahr die Selbstvermessung. Bewege ich mich genug? Schlafe ich gut? Esse ich richtig? Bin ich glücklich? Fragen wie diese sollen künftig elektronische Helfer beantworten und dazu beitragen, dass man ein gesünderes, erfüllteres Leben führt.

Den Anfang machten vor wenigen Jahren Apps wie Sleep Cycle, die das iPhone zu einer Art Schlafphasenwecker machen sollte, wenn man es sich unter das Kopfkissen legte - mit mittelmäßigem Erfolg. Populär sind mittlerweile Sport-Apps wir runtastic, mit denen man beispielsweise sein Lauftraining protokollieren, kontrollieren und seine Leistungen mit denen von Freunden vergleichen kann.

Zu diesen Apps gesellen sich seit einiger Zeit immer mehr Hardware-Produkte, die alle nur denkbaren Alltagstätigkeiten vermessen sollen. Den Anfang machte 2012 Fitbit. Am Anfang war das nur ein kleines elektronisches Messgerät, das man Tag und Nacht bei sich tragen soll, um seine Aktivitäten und den Schlafrhythmus im Blick zu behalten und sich etwa zu mehr Bewegung motivieren zu lassen. Das Konzept kommt so gut an, dass der Hersteller weitere Produkte anbietet, darunter eine Waage mit W-Lan-Anschluss.

Auf der CES nun werden etliche weitere Hersteller neue Produkte für diesen Markt anbieten. So wie die US-Firma Hapilabs, die in Las Vegas die Hapifork zeigt, eine mit Sensoren bestückte Gabel, die unter anderem misst, wie schnell und wie oft man isst. Schlingt man also sein Mittagessen einfach herunter, mahnt daraufhin eine kleine Leuchte zu mehr Ruhe. Und natürlich werden die über den Tag gesammelten Daten auf ein Web-Portal hochgeladen, können Online oder per App ausgewertet werden.

Wie sinnvoll das ist, ob man dabei schummelt und ob man aus den so gesammelten Daten die richtigen Schlüsse zieht, liegt aber letztlich immer noch in den Händen des Anwenders.

Und sonst?

Bei diesen exemplarisch herausgepickten Messehighlights wird es nicht bleiben. So wird der Musikinstrumentehersteller Peavey seine E-Gitarre AT-200 zeigen, die sich selbst stimmt. Ubuntu wird sein neues Handy-Betriebssystem zeigen und der legendäre Sänger und Bassist Lemmy Kilmister wird für die neuen Kopfhörer der Marke Motörheadphones werben.

Für einen Paukenschlag sorgte auch noch der Chip-Hersteller Nvidia: Am Vorabend der Messe stellte das Unternehmeneine eigene Spielkonsole auf Android-Basis vor, die künftig TV-Geräte mit Spiel- und Videounterhaltung versorgen soll.

Langweilig also wird es nicht werden, in den nächsten Tagen in Las Vegas. Wir halten Sie auf dem Laufenden.

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1.
neu_ab 07.01.2013
Zitat von sysopselbststimmende Gitarren
Wies lange gibt es schon die selbststimmende Roboguitar von Gibson? 10 Jahre? 12? Oder länger?
2.
831nl4u51 07.01.2013
Also, das mit der selbststimmenden Gitarre gibt es von Gibson seit Jahren, so weit ich weiß seit 2008. Die Elektronik/das Stimmsystem selbst kommt aus Hamburg. Und das imho wirklich Tolle ist eher die Möglichkeit, in Sekunden die Stimmung zu wechseln. Statt 8 Gitarren auf der Bühne reichen zwei. Toll!
3. Im Fernsehen nix neues...
Meckermann 07.01.2013
Zitat von sysopSie verrieten nicht mehr, als dass "eine wirkliche Innovation des TV-Designs kommen wird, mit einer noch nie dagewesenen TV-Form und einem zeitlosen Äußeren".
Da glaube ich nicht dran. Für große Innovationen sind Fernseher einfach zu ausgereift. Detailverbesserungen wird es immer geben aber letztendlich guckt man mit allen Geräten den selben Mist...
4.
sampleman 07.01.2013
Zitat von MeckermannDa glaube ich nicht dran. Für große Innovationen sind Fernseher einfach zu ausgereift. Detailverbesserungen wird es immer geben aber letztendlich guckt man mit allen Geräten den selben Mist...
Nein, da irren Sie sich. Aktuelle TV-Geräte bieten bereits eine immense Funktionsfülle und können eigentlich als Multimedia-Zentrale dienen (Stichwort: Smart-TV). Das Problem ist jedoch, dass es bislang keinen Fernseher gibt, der diese immense Funktionsfülle wirklich einfach und für jeden bedienbar macht. Und im Gegensatz zu einem Tablet-Computer oder einem Smartphone hat der klassische Fernseher das Problem, dass sich die Fernbedienung in der Hand in 70 Zentimeter Entfernung befindet, der Bildschirm dagegen in drei Meter Entfernung. Dinge wie das Schreiben einer E-Mail oder auch nur das Eingeben eines Suchbegriffes werden damit zur ergonomischen Qual - für Leute über 40 erst recht. Um die heutige und die zukünftige Funktionsfülle wirklich breitenwirksam zu verbreiten, brauchen wir Fernseher, die 1.) komplett selbsterklärend sind und die 2.) entweder eine Fernbedienung haben, die man wie eine Maus bedienen kann, also ohne hinzugucken, oder die man gleich komplett mit Gesten oder der Stimme bedienen kann. Da habe ich noch nichts gesehen, was mich auch nur annähernd überzeugt hätte.
5. Schön wäre es,
tomcatbln 07.01.2013
Zitat von sysop27-Zoll-Tablets, intelligente Gabeln und selbststimmende Gitarren: Auf der CES in Las Vegas stellen die Hightech-Firmen neue Gadgets vor. Nur Microsoft fehlt erstmals auf der Messe. Ein asiatischer Konzern will die Führungsrolle übernehmen - mit geheimnisvollen Ankündigungen. CES 2013: Gadgetmesse in Las Vegas - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/ces-2013-gadgetmesse-in-las-vegas-a-876062.html)
wenn die Sachen, die in immer kürzeren Abständen auf den Markt geworfen werden, auch mal ausgereift wären. Bei fast allen Geräten, die ich in den letzten Jahren erworben habe, sind irgendwelche Probleme vorhanden (bspw. plötzliche Reboots, verlängerte Ladzeiten, Softwareaktualisierung funktioniert nichtmehr OTA etc.), die zwar die Funktionalität nicht grundsätzlich beeinträchtigen, aber trotzdem extrem ärgerlich sind. Statt immer noch noch mehr Funktionen einzubauen, sollten erst mal die vorhandenen zum stabilen Laufen gebracht werden.
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