Neuheiten auf der CES Liebe Teenies, das ist ein Schallplattenabspielgerät

Vinyl ist wieder im Kommen. Doch wer kauft heute noch gute Plattenspieler? Ausgerechnet auf der CES überraschen Sony und Technics mit neuen Geräten - allerdings nicht ganz ohne Digitaltechnik.

Aus Las Vegas berichtet

Technics

Manchmal wundert man sich ja. Normalerweise geht es auf der Unterhaltungselektronikmesse CES in Las Vegas um neue Digitaltechnik, um hochauflösende Fernseher und ultraflache Tablets. Doch dieses Mal haben Sony und Technics ein fast vergessenes Gerät wieder ins Rampenlicht geholt: den Plattenspieler.

Die beiden japanischen Konzerne folgen damit einem Trend. Nachdem sie mehrfach totgesagt worden sind, erleben Schallplatten seit einigen Jahren eine Renaissance. Die Umsätze steigen rasant, weil viele Musikliebhaber den analogen Sound der Schallplatte der digitalen CD und vor allem Digitalformaten wie MP3 vorziehen. Vor allem Hifi-Enthusiasten hegen und pflegen ihre alten Plattenspieler wie kleine Schätze, denn neue Modelle waren rar - bis jetzt.

Denn mit ihren Neuvorstellungen mischen Technics und Sony den Markt ordentlich auf, jeder auf seine Weise.

Kult-Hersteller Technics optimiert den Klang mit digitalen Mitteln

Technics setzt bei den Modellen Grand Class SL-1200G und Grand Class SL-1200GAE ganz offensichtlich auf eine Highend-Kundschaft, die nach einem guten neuen Plattenspieler sucht. Die Plattenspieler der Firma sind Kult. Jahrzehntelang waren sie das wichtigste Arbeitsgerät von DJs und prägten die Musikkultur. Wie viele legendäre Technics-Plattenspieler aus dem Achtzigerjahren nutzen auch die beiden neuen einen Direktantrieb. Der Motor treibt den Plattenteller also ohne Antriebsriemen direkt an, eine Technik, die auch bei DJs sehr populär war.

Den Direktantrieb hat Technics jetzt mit digitalen Mitteln verbessert. So kontrollieren Sensoren ständig die Rotationsgeschwindigkeit und drohende Vibrationen und steuern ihnen entgegen. Ein Prozessor übernimmt dabei die Aufgabe, das System zu überwachen und zu steuern. So soll sich der Plattenteller besonders gleichmäßig drehen, was der Musik zugutekommt. Eine aufwendige Konstruktion von Plattenteller, Gehäuse und Tonarm soll ein Übriges tun, den Klang zu optimieren.

Sony baut den Plattenspieler fürs vernetzte Heim

Auch Sony gibt an, seinen PS-HX500 so konstruiert zu haben, dass er einen besonders guten Klang ermöglicht. Unter anderem wurde der Tonarm so gebaut, dass die Nadelspitze in der Mittelachse sitzt, was eine besonders gute Trennung der beiden Stereokanäle ermöglichen soll. Bei Sony wird der Plattenteller aus Aluminiumdruckguss via Riemenantrieb vom Motor in Rotation versetzt.

Aber das wirklich Besondere am Sony-Plattenspieler ist, dass er mit modernen Elektronik bestückt ist. Er hat beispielsweise einen integrierten Phonovorverstärker, mit dem er sich direkt an Aktivboxen anschließen lässt. Besitzer eines Sonos-Multiroom-Systems können ihn an die analogen Toneingänge bestimmter Sonos-Boxen anstöpseln und so Schallplatten im ganzen Haus hören.

Direkt an den PC

Der PS-HX500 lässt sich auch direkt an einen Computer anschließen, um Schallplatten zu digitalisieren. Dabei hat man reichlich Wahlmöglichkeiten, denn der Analog-Digital-Wandler des Plattenspielers kann Musik in diversen Formaten bis hin zu High-Resolution-Audio abspeichern. Auf diese Weise, so Sony, soll man den Klang seiner Schallplatten auch unterwegs genießen können. Puristen allerdings werden das ablehnen.

Ohnehin läuft beim Digitalisieren einer Platte mit der von Sony bereitgestellten Software wenig automatisch: Man muss die digitalisierten Aufnahmen manuell mit Songtiteln versehen, beschneiden oder wieder zusammenfügen. Eine Anbindung an eine Internet-Musikdatenbank, könnte den Prozess erleichtern, aber die scheint es nicht zu geben.

Ziel erreicht

Unterm Strich dürften die beiden neuen Plattenspieler ihre Zielgruppen erreichen. Der Technics die eher audiophilen Musikhörer und der Sony jene, die eigentlich schon lange digital Musik hören, jetzt aber der Schallplatte wieder eine Chance geben wollen.

Günstig wird der Plattenspaß nicht zu haben sein. Sonys PS-HX500 soll im Mai in den Handel kommen und 499 Euro kosten. Die Technics-Plattenspieler sollen im Sommer beziehungsweise Spätsommer auf den Mart kommen. Preise verriet der Hersteller auf der Messe in Las Vegas noch nicht.

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Siegfried Zynzek 06.01.2016
1. Guter Wohlklang ist nicht mehr gefragt heutzutage
Insbesondere die jüngere Generation kennt doch nur noch diese kompromittierten (also verzerrten) MP3´s mit ihrem schlechten Klang. Doch mangels gescheiter Lautsprecher würden sie sowieso keinen Unterschied hören, denn diese merkwürdigen Kopfhörer drücken auf die Ohren. Hauptsache der Bass hämmert gut.
bettini 06.01.2016
2. Endlich nativ mit 78rpm!
Bisweilen mußten die Technics-Geräte mit recht hohem Aufwand umgebaut werden, z.B. mit Kits von KAB. Deshalb hier ein großes Lob an Panasonic, endlich die dritte Geschwindigkeit nicht vergessen zu haben. Das macht das neue Modell besonders vielseitig.
mhwse 06.01.2016
3. Direkt oder Riemen
das alte Thema wieder. Ist ja fast so schlimm wie in dem andern Thread mit den Smartfones .. Als ich zum ersten Mal den Begriff CD hörte ca. 1980 ? .. dachte ich, man würde so eine Art analoge Schallplatte mit LASER abtasten .. Da gäbe es Luft nach oben für hybride Systeme .. LASER tastet alte analoge Spur ab und oder in Kombination mit einer digitalen Spur .. gab ja damals auch bereits Quadrophonie .. heute unter 5.1 bzw. 7.1 lizensiert ..
FatherMacKenzie 06.01.2016
4. Onkyo hat bereits im letzten April ...
... einen Versuch mit einem so genannten "Hi-End"-Gerät gestartet. Leider mit einem nicht so guten Gerät, welches der Marke gar nicht steht. Interessant, dass Panasonic wieder den Namen "Technics" auferstehen lässt, nachdem man sich mit dieser Marke vom HiFi-Markt bereits verabschiedet hatte. Das Technics-Gerät erscheint mir als bessere Wahl - einen PC möchte ich nicht an meine Anlage anschließen. Aber das ist mein persönlicher Geschmack. Mal gucken, wie sich das Gerät so schlägt. Aber gegen meinen Thorens 320 und AT97 wird es schwer werden ;-)
Dummerchen 06.01.2016
5. Was ich mich frage
Der richtige Hörgenuß setzt aber voraus, daß schon bei der Musikaufnahme ausschließlich auf analoge Technik zurückgegriffen wird. Oder irre ich mich da?
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