US-Erfindung Trackingpoint XS1: Dieses Gewehr zielt selbst

Aus Las Vegas berichtet

Zweifel an Waffen in Privatbesitz sind ihm fremd: Ein US-Erfinder will ungeschickten Schützen das Treffen erleichtern. In sein neues Gewehr hat er eine Hightech-Zielelektronik eingebaut. Auf der Messe CES in Las Vegas zeigt er, wie die W-Lan-Büchse funktioniert - angeblich eignet sie sich nur zur Jagd.

TrackingPoint

Gegen dieses Gewehr haben Hirsch und Reh keine Chance. Mit extremer Präzision nimmt die Trackingpoint XS1 ihr Ziel ins Visier und trifft genau da, wo der Jäger treffen will, bei Entfernungen von bis zu 1100 Metern. Die Technik ist bei Kampfjets abgeguckt. Jason Schauble, der Erfinder der Hightech-Waffe, sagt: "Mit diesem Gewehr wird jeder zum Scharfschützen."

Die Präzisionswaffe gehört zu den merkwürdigeren Exponaten auf der diesjährigen Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas. Das Interesse an dem Gewehr ist groß. Es zeigt, dass viele Amerikaner trotz der Massaker von Newtown und Aurora Waffen in Privathänden immer noch für das Normalste der Welt halten. Schauble gibt sich überzeugt, dass seine XS1 sich nicht für einen Amoklauf eignen würde. Schließlich sei sie weder halb-, noch vollautomatisch. Es handelt sich um eine Jagdwaffe, mit besonderer Betonung auf Distanzfähigkeit. Nach jedem Schuss muss manuell nachgeladen werden.

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Trackpoint XS1: Dieses Gewehr zielt selbst
Ansonsten aber ist an diesem Gewehr fast alles digital. Lagesensoren, Kompass, Mikroskop und ein integrierter Wifi-Server gehören noch zu den einfacheren Zutaten. Denn darüber hinaus sind Laserentfernungsmesser, Digitalkameras, Temperatur- und Drucksensoren eingebaut.

Die Flinte folgt der Beute

Damit zu schießen, sei ganz anders als mit herkömmlichen Jagdgewehren, schwärmt Schauble. Weil die Elektronik hilft, sei die Trefferquote viel höher. Tatsächlich muss der Schütze fast nur die Geduld aufbringen, sich für seine Beute möglichst unsichtbar zu machen, was bei der Reichweite von gut einem Kilometer kein allzu großes Problem sein dürfte.

Erscheint ein Tier im Sichtbereich, visiert man es mit dem stark vergrößernden Objektiv an und markiert es, so wie moderne Bomber ihre Ziele mit Laserpunkten markieren. Ab diesem Augenblick weiß das Gewehr, ob der Schütze richtig zielt, er muss nur noch den richtigen Augenblick zum Abdrücken wählen. Dabei hilft ihm die Waffe: Sie verändert die Spannung des Abzugs. Je genauer man das ausgewählte Ziel anvisiert, desto leichtgängiger wird er, so dass ein leichter Druck reicht, um das Geschoss abzufeuern. Nur, wenn sich das Fadenkreuz rot färbt, kann der Schütze davon ausgehen, dass der Schuss auch treffen wird: "Das System lässt ihn nur schießen, wenn beide [Fadenkreuz und Lasermarkierung] zur Deckung gebracht wurden", erklärt Schauble.

Live-Streaming vom Jagdtag

Doch damit ist die Hightech-Ausstattung nicht am Ende. Als großen Vorteil preist Schauble, dass man seine Jagderfolge oder -misserfolge mit dem Gewehr digital aufzeichnen und sogar live mit Freunden teilen kann. Auf diese Weise könne man beispielsweise das Live-Video des Zielobjektivs per W-Lan an ein iPad senden. So könne man quasi gemeinsam mit Freunden jagen oder, erzählt Schauble, seinen Kindern das Schießen beibringen.

Sogar sozial sei die XS1, sagt der Waffenmacher. Passend zur elektronischen Ausstattung gibt es iPhone- und iPad-Apps, mit denen man die aufgezeichneten Jagdszenen auf YouTube hochladen oder in sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook teilen kann. Stolz zeigt Schauble, wie das aussehen kann. Auf seinem iPad hat er das Video eines, wie er sagt, besonders erfolgreichen Jagdausflugs gespeichert. Aus 800 Yards Entfernung (rund 730 Meter) habe er einen Elch mit dem ersten Schuss erlegt. Das Video zeigt, wie er das Tier zuerst mit einem roten Punkt markiert und einige Sekunden später treffsicher erlegt. Das sei ein magisches Jagderlebnis, heißt es in Trackpoints Werbefilmchen in bester Apple-Diktion.

Wie viele Kunden Schauble für seine W-Lan-Flinte findet, bleibt aber trotz aller Begeisterung für Waffen in den USA unklar. Ein Schießspielzeug für jedermann jedenfalls wird sie nicht: Etwa 17.500 Dollar muss investieren, wer mit einer XS1 seine Trefferquote verbessern will.

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insgesamt 149 Beiträge
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1.
Rido 10.01.2013
Zitat von sysopZweifel an Waffen in Privatbesitz sind ihm fremd: Ein US-Erfinder will ungeschickten Schützen das Treffen erleichtern. In sein neues Gewehr hat er eine Hightech-Zielelektronik eingebaut. Auf der Messe CES zeigt er, wie die W-Lan-Flinte funktioniert - angeblich eignet sie sich nur zur Jagd. CES in Las Vegas: Das Gewehr Trackingpoint XS1 zielt selbst - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/ces-in-las-vegas-das-gewehr-trackingpoint-xs1-zielt-selbst-a-876658.html)
Keine Kaffeemaschine eingebaut? Wie lahm. Bin gespannt, wann der erste auf die Idee kommt und die Elektronik auch in andere Schusswaffen einbaut.
2. optional
sven17 10.01.2013
Aber rausgehen muss man noch oder? Und vielleicht wäre das nichts für den üblichen Amokläufer, aber für jemanden wie den Schützen, der vor einigen Jahren Leuten um Washington aufgelauert hat könnte das was sein.
3. Falsche Zielgruppe
bartholomew_simpson 10.01.2013
Wahrscheinlich wird dieser Schießprügel eher bei (Profi-)Killern als bei seriösen Jägern landen. Letztere werden diese Konstruktion als unwaidmännisch ablehnen.
4. Waffen in Privatbesitz
widower+2 10.01.2013
Sind immer ein Problem. Das Ding scheint zwar für Amokläufe wirklich nicht besonders geeignet zu sein, ist aber eine ungemein effiziente Waffe für Attentate. Wir werden noch davon hören.
5. aha
martin-z. 10.01.2013
"angeblich eignet sich die waffe nur zur jagd"....ne is klar. warum sollte es mit diesem gewehr bitte unmöglich sein auf einen menschen zu schiessen wenn ich fragen darf? das soll ja wohl ein witz sein.
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