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25. Dezember 2006, 09:44 Uhr

Chaos-Computer-Club-Treffen

Wem kann man trauen?

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Am Mittwoch lädt der Chaos Computer Club (CCC) zu seinem alljährlichen Hackertreffen nach Berlin ein. Grundlegende Fragen werden die Nerds und Geeks umtreiben: Wem kann man eigentlich noch trauen? Aber auch banale Probleme: Hält das Kongress-WLAN? Und wo ist eine freie Steckdose?

Zum Chaos Communication Congress sollte man am besten mit einem extra langen Netzwerkkabel anreisen. Denn nur dann ist garantiert, dass der eigene Laptop auch wirklich immer ins Internet kommt. In den Vortragssälen wimmelt es nämlich nur so von Switches, in die sich die angereisten Hacker als erste Amtshandlung kollektiv einklinken. Eine längere Strippe ist da hilfreich, weil sie auch bis zu einem freien Stuhl reicht. Das ebenfalls vorhandene Kongress-WLAN erweist sich in der Regel als hoffnungslos überlastet.

Wem kann man trauen? Etwa Apple, wie im Logo angedeutet?

Wem kann man trauen? Etwa Apple, wie im Logo angedeutet?

"Who can you trust?" - Wem kann man trauen? - lautet das diesjährige Kongressmotto. Es drückt aus, dass sich eine gewisse Skepsis breit macht - zumindest unter einigen Hackern. Vor einem Jahr hatte an gleicher Stelle, im Berliner Congress Centrum am Alex, CCC-Aktivist Frank Rieger eine pessimistische Bilanz des Hackertums gezogen. "Die Technik war schneller als wir", konstatierte Rieger. Man habe sich in der eigenen Arbeit zu sehr auf technologische Probleme konzentriert, ohne darüber hinaus zu denken. "So haben wir verloren." Düstere Überwachungsszenarien der Vergangenheit seien längst Realität.

Hacken von Xbox360, PS3 und Wii

Doch die Lust am Hacken ist offenbar nicht totzukriegen. So wird der Wahlcomputer-Hack auf dem Kongress ausführlich diskutiert werden. Im Oktober hatte eine Gruppe von Mitgliedern des CCC in Kooperation mit holländischen Hackern gravierende Sicherheitslücken bei Wahlcomputern der Firma Nedap nachgewiesen. Diese oder bauähnliche Geräte wurden bereits mehrfach in Holland, Deutschland, Frankreich und Irland bei National- und Kommunalwahlen eingesetzt. Die Hacker zeigten, dass sich die Wahlcomputer unter bestimmten Umständen belauschen lassen - die Wahl wäre somit nicht mehr geheim. Zudem gelang es ihnen, eine neue Software auf den Rechnern zu installieren.

Ein weiteres echtes Hacker-Thema: Was kann man mit den neuen Spielkonsolen Xbox 360, Playstation 3 und Wii eigentlich noch so alles anstellen - außer spielen natürlich? Antworten liefert unter anderem Felix Domke in seinem Vortrag am 28.12. um 20.30 Uhr.

Kritik an Illuminaten zwischen 1787 und 2006

Welche Spielereien mit DVB-T möglich sind, wollen Christian Daniel und Thomas Kleffel am 29.12. erklären: mit einer Anleitung zum Selbstbau eines kompletten DVB-T-Senders. Das Ganze soll auch gleich praktisch umgesetzt werden. Alle Vorträge des Kongresses sollen live über DVB-T übertragen werden. Jeder Teilnehmer könne so überall in und am Congress Centrum mit seinem Laptop oder anderen Empfangsgeräten die Vorträge verfolgen, benötigt werde lediglich ein DVB-T-Empfänger. Ob das nicht Ärger mit Anwohnern gibt, die plötzlich Hacker zusehen müssen statt RTL?

Wenn mehrere tausend Nerds zusammenkommen, darf auch ein bisschen Verschwörungstheorie nicht fehlen. CCC-Sprecher Andy Müller-Maguhn wird über die Illuminaten zwischen 1787 und 2006 philosophieren - genauer gesagt über die Kritik an ihnen (28.12. 23.00 Uhr). Er wolle die Auseinandersetzung zwischen Ordnungs- und Chaoskräften in einem historischen Überblick beleuchten, kündigte Müller-Maguhn an.

Die Keynote hält in diesem Jahr John Perry Barlow. Ursprünglich als Musiker in der Band "Grateful Dead" bekannt geworden, hat er sich mittlerweile auch als Mitbegründer der Electronic Frontier Foundation (EFF) einen Namen gemacht - einer Art Bürgerrechtsorganisation für die digitale Welt. Wird er Antworten geben können auf die Kongressfrage: "Who can you trust?"

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