Facebook, Reddit, PayPal Tech-Firmen gehen gegen rechtsradikale Kunden vor

Nach der Gewalt von Charlottesville versuchen zahlreiche große Tech-Firmen, die rechten Auswüchse auf ihren Plattformen einzudämmen - und werfen Radikale und ihre Inhalte von den Plattformen.

Demonstranten in Charlottesville
AP

Demonstranten in Charlottesville


Facebook, Reddit, der Online-Bezahldienst PayPal, die Finanzierungs-Plattform GoFundMe: Alle diese amerikanische Tech-Firmen gehen nach der Gewalt in Charlottesville, Virginia, derzeit öffentlichkeitswirksam gegen radikale Rechte in ihrer Nutzerschaft vor. Sie berufen sich dabei auf ihre jeweiligen Gemeinschaftsstandards oder AGB. Für die radikale Alt-Right-Bewegung in den USA wird es damit schwerer, sich im Internet zu organisieren und beispielsweise Geld einzusammeln.

Das härtere Vorgehen der Tech-Firmen führte unter anderem dazu, dass Spendenkampagnen zugunsten des Autofahrers, der in Charlottesville in eine Gegendemonstration gerast war und eine Frau getötet hatte, unterbrochen wurden. "Diese Kampagnen haben kein Geld eingesammelt und wurden sofort entfernt", sagte ein Mitarbeiter der Plattform GoFundMe der Nachrichtenagentur Reuters.

Zwei weitere große Plattformen zur Schwarmfinanzierung von Privatprojekten - Kickstarter und Indiegogo - gaben an, bisher seien noch keine derartigen Finanzierungsprojekte auf ihren Plattformen aufgetaucht. Jedoch würde man sie gemäß der Nutzungsrichtlinien der Plattformen ebenfalls verhindern.

Neonazi-Seite "Daily Stormer" massiv unter Druck

Facebook indes ging gegen einen vielfach geteilten Artikel vor, der das 32-jährige Opfer der Attacke mit dem Auto verunglimpfte. Der Text des Neonazi-Blogs "Daily Stormer" war über 65.000 Mal geteilt worden. Das Netzwerk begann daraufhin, die Beiträge zu löschen. Facebook berief sich ebenfalls auf seine Gemeinschaftsstandards. Diese würden durch Inhalte wie den des "Daily Stormer" verletzt.

Wegen des Artikels geriet auch das Blog selbst massiv unter Druck und ist derzeit nicht mehr erreichbar. Der Domain-Provider GoDaddy ließ die Seite nach einer auch per Twitter kommunizierten Frist von 24 Stunden als Kunden fallen. Ein Umzug der Domain zu Google missglückte. Die Betreiber waren auch dort unter Verweis auf die Nutzungsregeln als Kunden abgelehnt worden. Mittlerweile tauchte "Daily Stormer" als Seite im Darknet auf, das per Tor-Browser erreichbar ist.

Im Fall von GoDaddy erinnerten Beobachter aber auch daran, dass die Firma in der Vergangenheit trotz Nutzerhinweisen nichts gegen ihren Kunden "Daily Stormer" unternommen hatte. Andere Nutzer kritisieren, dass sich die Dienste des überwiegend liberal gesinnten Silicon Valley nicht als Gesinnungspolizei instrumentalisieren lassen sollten.

Auch die Plattform Reddit, die normalerweise für jedes Spezialthema eine Nische zur freien Debatte bietet, hat nach den Ausschreitungen in Charlottesville in die Diskussion eingegriffen: So hat Reddit nach zahlreichen Nutzerbeschwerden das Unterforum "r/Physical_Removal" von der Seite getilgt.

PayPal will keine Rassisten unterstützen

Der beliebte Online-Bezahldienst PayPal ließ nach Charlottesville verlauten, man wolle ebenfalls verhindern, dass mit dem eigenen Service Hass und Rassismus gefördert würden. "Wir arbeiten daran, dass unser Angebot nicht genutzt wird, um Zahlungen zu akzeptieren oder Spenden für Aktionen zu sammeln, die Hass, Gewalt oder rassistische Intoleranz unterstützen", erklärte das US-Unternehmen am Mittwoch. "Das betrifft Organisationen, die rassistische Ansichten befürworten, den Ku-Klux-Klan, weiße rassistische Gruppen oder Nazi-Gruppen."

Bereits in der Vergangenheit hatte PayPal radikale Rechte von seiner Plattform verbannt. Betroffen war zum Beispiel der antifeministische Blogger Roosh V, der Verbindungen zur "Alt Right" hat. Auch das Portal Airbnb, das Reisenden Privatwohnungen vermittelt, hatte vor der Gewalt in Charlottesville Nutzer gesperrt, die als vermutlich rechtsradikal eingestuft worden waren.

gru/Reuters/dpa

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Seite 1
Meckerameise 16.08.2017
1.
Meine Theorie: die amerikanischen Firmen wollen sich mal wieder profillieren, indem sie scheinheilig jetzt mal das tun, was sie von Anfang an hätten tun sollen: Menschenhetze von ihren Plattformen bannen. Das ist keine nachhaltige Änderung, das ist einfach die Mitnahme von billiger PR, um als good guy da zu stehen. Bis dahin haben sie sich ja auch einfach an ihren Daten und Geldern bereichert. Wird ja nur ansonsten heikel, vorgeworfen zu werden, warum man Gruppe X eine Plattform bietet, nachdem so etwas passiert ist.
Leser161 16.08.2017
2. Gewaltmonopol
Ich bin ein Freund des staatlichen Gewaltmonopols. Auch in den USA wird es kaum erlaubt sein zu Mord und Totschlag aufzurufen. Der Staat sollte sich also um diese Menschen kümmern. Falls Sie nichts verbrochen haben (keine Ahnung ich guck mir keine seltsamen Webseiten an) läuft es hingegen auf Selbstjustiz hinaus. Was ich gefährlich finde, wenn die ausübenden mächtige Unternehmen sind. Gut aktuell geht es gegen Wirrköpfe aber wer entscheidet wer Wirrköpfe sind? Ich finde es besser so wichtige Entscheidungen auf dem Boden des Gesetzes zu fällen, zu Mal auf der anderen Seite ja versucht wird rauszufinden wer bei Trumps Amtseinführung demonstriert hat (anderer Artikel auf SPON). Wen solche Aktionen, egal von welcher Seite, nicht staatlich reguliert werden, gewinnt am Ende der, der die meiste Kohle hat. Und der der die meiste Kohle hat, ist nicht immer der wünschenswerteste vom demokratischen Standpunkt her gesehen.
ruhepuls 16.08.2017
3. Gewaltmonopol?
Zitat von Leser161Ich bin ein Freund des staatlichen Gewaltmonopols. Auch in den USA wird es kaum erlaubt sein zu Mord und Totschlag aufzurufen. Der Staat sollte sich also um diese Menschen kümmern. Falls Sie nichts verbrochen haben (keine Ahnung ich guck mir keine seltsamen Webseiten an) läuft es hingegen auf Selbstjustiz hinaus. Was ich gefährlich finde, wenn die ausübenden mächtige Unternehmen sind. Gut aktuell geht es gegen Wirrköpfe aber wer entscheidet wer Wirrköpfe sind? Ich finde es besser so wichtige Entscheidungen auf dem Boden des Gesetzes zu fällen, zu Mal auf der anderen Seite ja versucht wird rauszufinden wer bei Trumps Amtseinführung demonstriert hat (anderer Artikel auf SPON). Wen solche Aktionen, egal von welcher Seite, nicht staatlich reguliert werden, gewinnt am Ende der, der die meiste Kohle hat. Und der der die meiste Kohle hat, ist nicht immer der wünschenswerteste vom demokratischen Standpunkt her gesehen.
Ja, ein Gewaltmonopol ist sinnvoll. Allerdings ist "Gewalt" klar definiert - und das "Hinauswerfen von Webseiten" ist keine Gewalt. Jedes Unternehmen, jeder Kneipenwirt hat das Recht, Kunden oder Gäste, die er nicht bedienen will, abzulehnen. In den USA gibt es eine extreme Meinungsfreiheit, d.h. man darf fast alles sagen oder zeigen. Wer bei uns mit einer Hakenkreuzfahne rumläuft, wird von der Polizei abgefangen und von Gerichten verurteilt. Aber auch Unternehmen haben ein Recht, ihre Meinung zu vertreten.
altais 16.08.2017
4.
Zitat von Leser161Ich bin ein Freund des staatlichen Gewaltmonopols. Auch in den USA wird es kaum erlaubt sein zu Mord und Totschlag aufzurufen. Der Staat sollte sich also um diese Menschen kümmern. Falls Sie nichts verbrochen haben (keine Ahnung ich guck mir keine seltsamen Webseiten an) läuft es hingegen auf Selbstjustiz hinaus. Was ich gefährlich finde, wenn die ausübenden mächtige Unternehmen sind. Gut aktuell geht es gegen Wirrköpfe aber wer entscheidet wer Wirrköpfe sind? Ich finde es besser so wichtige Entscheidungen auf dem Boden des Gesetzes zu fällen, zu Mal auf der anderen Seite ja versucht wird rauszufinden wer bei Trumps Amtseinführung demonstriert hat (anderer Artikel auf SPON). Wen solche Aktionen, egal von welcher Seite, nicht staatlich reguliert werden, gewinnt am Ende der, der die meiste Kohle hat. Und der der die meiste Kohle hat, ist nicht immer der wünschenswerteste vom demokratischen Standpunkt her gesehen.
Das hat doch mit "Selbstjustiz" nichts zu tun. Jedes Unternehmen kann bestimmen, mit wem es Geschäfte machen will und mit wem nicht. Seit wann entscheidet das ein "Gesetzgeber"?
adal_ 16.08.2017
5. Gewaltmonopol
Zitat von ruhepulsJa, ein Gewaltmonopol ist sinnvoll. Allerdings ist "Gewalt" klar definiert - und das "Hinauswerfen von Webseiten" ist keine Gewalt. Jedes Unternehmen, jeder Kneipenwirt hat das Recht, Kunden oder Gäste, die er nicht bedienen will, abzulehnen. In den USA gibt es eine extreme Meinungsfreiheit, d.h. man darf fast alles sagen oder zeigen. Wer bei uns mit einer Hakenkreuzfahne rumläuft, wird von der Polizei abgefangen und von Gerichten verurteilt. Aber auch Unternehmen haben ein Recht, ihre Meinung zu vertreten.
Ja, so ist die Rechtslage, in Deutschland noch verschärft durch das "Netzwerkdurchsetzungsgesetz". Mit Gewaltmonopol meint der user übrigens die Kompetenz der dritten Gewalt zur Strafverfolgung. :-) Die Realität ist aber anders. Die sog. sozialen Medien, Internet-Plattformen und -Bezahldienste definieren zunehmend, was Öffentlichkeit ist und was nicht. Die von ihnen ausgeübte Zensurgewalt mit dem Hausrecht eines Kneipiers zu vergleichen, ist lächerlich. Ich bin auch der Meinung,die Zensur von Strafwürdigem sollte Sache der Strafverfolger sein, deren Ressourcen, Kompetenzen und Zugriffsmöglichkeiten natürlich an die neuen Herausforderungen angepasst werden müssen.
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