Chat-Rooms Yahoo zieht die Porno-Bremse

Yahoo muss den Nutzern seiner Chat-Angebote künftig kräftiger auf die Finger schauen - und hauen: Was pornografisch sei, solle dann nur noch "ab 18 Jahren" zugänglich sein. Pädophile flögen dagegen sofort raus. Davon, sagen US-Fahnder, gab es wohl mal eine Menge.


Dass Yahoos Chatrooms seit langem ein Problem mit pornografischen und kinderpornografischen Inhalten hatten, dass dort potentielle Pädoverbrecher ihre Angeln auswarfen, ist wahrlich keine Neuigkeit: Entsprechende Warnungen veröffentlichte das mit EU-Mitteln finanzierte Kinder-Sicherheitsportal Chatdanger.com bereits im November 2000. Entsprechende Berichte gab es seitdem immer wieder.

So bitter das ist, ist es leider nicht ungewöhnlich: Verzichtet ein Chat-Veranstalter auf Moderation und gibt seinen Nutzern zugleich die Möglichkeit, eigene Chaträume zu eröffnen, sprießen auch bald entsprechend finstere Angebote.

Die meisten Anbieter beschränken sich darauf, entsprechende Wildwüchse dicht zu machen, sobald sie von Userseite darauf aufmerksam gemacht werden: So lange Zeit auch Yahoo. Die Weiten der selbst geschaffenen Chatlandschaften ständig zu überprüfen, kostet sie mehr Personal und Investment, als sich mit Chats verdienen lässt. Yahoo sah sich über Jahre immer wieder mit Vorwürfen konfrontiert, nur langsam auf entsprechende Hinweise zu reagieren, grundsätzlich aber nichts gegen die Finsterecken unter dem Dach der renommierten Firma zu unternehmen.

Bis zum Juni 2005. Durch Werbekunden, die ihre Anzeigen empört zurückzpgen, und eine flankierende Zehn-Millionen-Dollar-Klage wegen "Profitierens an Kinderpornografie" nicht gerade sanft genötig zog Yahoo bei seinen populären "User-Room"-Chat-Angeboten vorerst den Stecker.

Sie laufen zu lassen, hatte das Unternehmen offenbar entschieden, wäre noch weit schädlicher gewesen - und vielleicht nicht nur für das Firmenimage: Spätestens als Mitte Juni ein Fernsehsender in Houston über Yahoo-Chatrooms mit Namen wie "9-17-Year-Olds Wantin' Sex", "Younger Girls 4 Older Guys", "Girls 13 And Under For Older Guys", "Girls 13 And Up For Much Older Man" und andere berichtete, wuchs die Sache zu einem Skandal an. Parallel, so wurde bekannt, liefen Ermittlungen in mehreren US-Bundesstaaten, initiiert von den dortigen Justizministern.

Am Mittwoch gingen die Justizminister der Bundesstaaten New York und Nebraska nun an die Presse, um zum einen über ihre Ermittlungen zu berichten und zum anderen Yahoo zu loben. Denn mittlerweile hatte das Unternehmen gründlich auf die alten Vorwürfe reagiert.

In die Verantwortung genommen

So wird es künftig bei Yahoo Amerika strenge Auflagen an Platzierung und Inhalt "erwachsener" Chat-Angebote geben. Was pornografischer Natur sei, soll nun strikt "ab 18" sein und mit entsprechenden Kontrollen versehen werden. Mehr oder minder unkaschierte Kinderpornografie und Suchanzeigen pädophil veranlagter Menschen soll es dagegen künftig gar nicht mehr geben. Wie genau das umgesetzt werden soll, weiß offenbar auch Yahoo selbst noch nicht: Vorerst, so Sprecherin Mary Osako, bleibe es deshalb bei der freiwilligen Schließung der offenen, von Usern eingerichteten Chats, bis man hier eine Lösung gefunden habe.

"Vorläufig geschlossen": Texthinweis im "User Room"-Chatbereich von Yahoo

"Vorläufig geschlossen": Texthinweis im "User Room"-Chatbereich von Yahoo

Wie auch immer die aussehen wird, zumindest ihre Rahmenbedingungen sind klar: Yahoo unterzeichnete eine Vereinbarung mit den ermittelnden Staatsanwälten. So wird es künftig nicht mehr möglich sein, bei Yahoo einen Chat zu eröffnen, ohne sich vorab den dafür gewählten Namen genehmigen zu lassen. Die Firma verpflichtet sich zudem, binnen 24 Stunden auf Anzeigen und Hinweise auf bedenkliche Chats zu reagieren. Präventiv werde zudem der "Teen-Chat"-Bereich gestrichen.

Das Mehr an Kontrolle ist nur mit mehr Personal möglich, und auch dazu verpflichtet sich Yahoo in der Vereinbarung. Verbessert werden sollen so unter anderem die Beschwerde-Möglichkeiten. Darüber hinaus sollen künftig auch Informationen und Anleitungen zur Sicherheit von Minderjährigen veröffentlicht werden. Teil des Deals zwischen den Justizministerien und Yahoo ist zudem eine Spende über 175.000 Dollar an eine Organisation zugunsten vermisster und missbrauchter Kinder sowie kostenlose Werbeschaltungen für diese Organisation.

Die Justizminister von New York und Nebraska begrüßten die Vereinbarung, die einer Selbstverpflichtung zu mehr Kontrolle gleichkommt, als Beitrag zum Schutz von Kindern. Die Vereinbarung könne als beispielhafte "Vorlage für andere" dienen. Wie nötig ein restriktiverer Umgang mit freien Chats sei, machten sie mit einem Zahlen-Beispiel klar: So sei einer ihrer verdeckten Ermittler, der sich in einem Yahoo-Chat als 14-jähriges Mädchen ausgegeben hatte, 35 Mal persönlich mit sexuellen Avancen angesprochen worden - innerhalb von 25 Minuten.



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.