Illegales Filmportal: Mutmaßlicher Kino.to-Chef legt Geständnis ab

Das Gericht hatte ihm einen Deal vorgeschlagen - daraufhin hat der mutmaßliche Chef und Gründer des Filmportals kino.to ein Geständnis abgelegt. Jetzt erwarten ihn maximal vier Jahre und zehn Monate Haft.

Filmportal Kino.to (Screenshot): Rund 135.000 raubkopierte Filme Zur Großansicht
dapd

Filmportal Kino.to (Screenshot): Rund 135.000 raubkopierte Filme

Leipzig - Der mutmaßliche Gründer und Chef des illegalen Filmportals Kino.to hat vor dem Landgericht Leipzig ein Geständnis abgelegt. Er bedauere die von ihm begangenen Urheberrechtsverletzungen außerordentlich, ließ der 39-Jährige am Mittwoch über seinen Anwalt mitteilen. Das Geständnis war Bestandteil einer Vereinbarung, die die Wirtschaftsstrafkammer zur Abkürzung des Verfahrens vorgeschlagen hatte. Demnach soll die Strafe im Falle einer Verurteilung zwischen viereinhalb Jahren und vier Jahren und zehn Monaten liegen.

Über Kino.to, das bis zu seiner Sperrung durch die Behörden größte deutschsprachige Streaming-Portal, waren rund 135.000 raubkopierte Filme, Serien und Dokumentationen erreichbar. Der Leipziger Fußbodenleger hatte das konspirative Projekt 2008 gestartet. Schon in den Jahren vor der Gründung von Kino.to war ihm laut seinem Geständnis aufgegangen, dass man im Internet sehr viel Geld verdienen könne. Er sei den "Verlockungen erlegen".

Urteil fällt voraussichtlich Mitte Juni

Dass die Freiheit des Internets an Grenzen stößt - zum Beispiel die des Urheberrechts - diese Erkenntnis habe er erst nach und nach gewonnen, erklärte der Kino.to-Gründer. Für ein Vorläufer-Projekt von Kino.to war er zu einer Geldstrafe verurteilt worden. "Aus dieser Verurteilung hat er aber nicht das Signal erhalten, dass die Grundidee strafbar war", erklärte sein Anwalt. Er kritisierte, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen mit der rasanten Entwicklung des Internets einfach nicht Schritt gehalten hätten.

Die Wirtschaftsstrafkammer bezeichnete das vorgelesene Geständnis als "von Reue getragen". Im Rahmen des Deals akzeptierte der Angeklagte, dass sein noch vorhandenes Millionenvermögen "abgeschöpft" wird. Zudem muss er eine große Zahl von Handys und Rechnern abgeben. Seine Haftstrafe wird er voraussichtlich im offenen Vollzug verbringen können. Die Wirtschaftskammer erklärte, sie würde das befürworten. Das Urteil wird voraussichtlich am Donnerstag, dem 14. Juni, fallen.

Fünf Mittäter sind seit Dezember bereits verurteilt worden - zu unterschiedlich hohen Haftstrafen:

  • 2. Dezember 2011: Ein 33 Jahre alter Web-Designer bekam zweieinhalb Jahre Haft. Er hatte nach seiner Festnahme ein umfassendes Geständnis abgelegt. Mit Online-Werbung soll er 190.000 Euro umgesetzt haben. Mehr...

  • 7. Dezember 2011: Drei Jahre Haft bekam der 27-jährige Administrator, der 23.000 Raubkopien von Filmen auf interne Server gestellt hatte. Auch er hatte ein Geständnis abgelegt. Mehr...

  • 15. Dezember 2011: Ein Mann aus Nordrhein-Westfalen wurde zu einem Jahr und neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Er hatte gestanden, gegen Bezahlung Tausende Raubkopien bei Filehostern eingestellt zu haben. Mehr...
  • 22. Dezember 2011: Der sogenannte "Serverbeschaffer" wird zu drei Jahren und fünf Monaten Haften verurteilt. Er soll Speicherplatz im Ausland angemietet und mit Abo-Fallen - gegen Gebühr konnten Filme und Serien schneller heruntergeladen werden - von 2008 bis 2011 mehrere Hunderttausend Euro Gewinn gemacht haben. Mehr...
  • 11. April 2012: Der Chef-Programmierer des illegalen Filmportals wird zu drei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Der Technik-Chef gilt als zweitwichtigster Mann von kino.to. Das Landgericht Leipzig sprach den 29-Jährigen der massenhaften Verletzung des Urheberrechts schuldig. Mehr...

juh/dpa

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