Netzwelt-Ticker: China sorgt sich um freies Android

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Chinas Wettbewerbshüter erlauben Google die Übernahme von Motorola Mobility - aber nur, wenn Android für jedermann zugänglich bleibt. Außerdem im Überblick: Marktforscher kritisieren Google+, britische Beamte schnüffeln unerlaubt in Bürgerdaten und vieles mehr.

Motorola-Android-Handy: China billigt die Übernahme von Motorola durch Google Zur Großansicht
REUTERS

Motorola-Android-Handy: China billigt die Übernahme von Motorola durch Google

Eine weitere Hürde auf dem Weg zur Übernahme des Handyherstellers Motorola Mobility durch Google ist genommen. Nachdem bereits im Februar 2012 sowohl die EU-Kommission als auch das US-Justizministerium den Deal abgenickt hatten, stimmte nun auch die chinesische Regulierungsbehörde zu. Allerdings machte Peking die Fusion von einer Vorgabe abhängig: Googles Handybetriebssystem Android muss in den nächsten fünf Jahren kostenlos und für alle Hersteller wie Nutzer frei zugänglich bleiben.

Für Google ist an der für 12,5 Milliarden Dollar geplanten Übernahme vor allem der Zugriff auf die 17.000 Patente Motorolas von Bedeutung. Davon erhoffen sich die Verantwortlichen im kalifornischen Mountain View eine stärkere Position bei möglichen Patentstreitigkeiten.

Manche Beobachter bewerten die chinesischen Bedingungen einer fortwährenden Android-Freiheit derart, dass nun für Google der Weg Apples zur Schaffung einer eigenen, abgeschotteten Hard- und Software-Welt verschlossen ist - zumindest vorläufig. Ansonsten hätte der Suchmaschinenbetreiber seine Software möglicherweise enger mit Motorolas Produktreihe verknüpfen und damit seine eigenen Angebote wie Google Drive und Google+ stärken können.

Ist Google+ eine Geisterstadt?

Wie geht es eigentlich Google+, Googles hauseigenem Sozialen Netzwerk? Bis zu 170 Millionen Nutzer sollen sich dort bereits angemeldet haben. Doch einer Studie der Analysten von RJMetrics zufolge handelt es sich bei vielen davon um Karteileichen. Bei 40.000 zufällig ausgesuchten Google+-Nutzern hätten die überprüften Aktivitäten ein mageres Ergebnis zutage gefördert: Ein Drittel aller Mitglieder habe seinem ersten Beitrag keinen zweiten folgen lassen.

In vergleichbaren Netzwerken liege die Rate der Schreibmuffel lediglich bei zehn Prozent. Auch die Resonanz auf veröffentlichte Beiträge sei mit jeweils noch nicht einmal einem Kommentar (genau 0,54) mehr als mäßig. Selbst bei denen, die mehrere Posts absetzten, sinke die Frequenz veröffentlichter Beiträge in der Folge. Durchschnittlich würden zwölf Tage zwischen zwei Beiträgen liegen.

Völlig falsche Zahlen, monierte daraufhin Google. Das RJMetrics-Team habe bei seiner Untersuchung ignoriert, dass die Mehrzahl der Aktivitäten privat und unter Ausschluss der Öffentlichkeit abliefen. Damit unterscheide sich Google+ deutlich von anderen Netzwerken wie zum Beispiel Facebook, wo öffentlich einsehbare Beiträge Standard seien.

"Es wird bei Google+ mehr privat in Circles und unter Einzelpersonen geteilt als öffentlich", zitiert "Bloomberg" aus eine Mitteilung der Netzwerk-Verantwortlichen. "Das Schöne an Google+ ist die Möglichkeit, Inhalte privat zu teilen. Man muss seine Gedanken, Fotos oder Videos nicht öffentlich der ganzen Welt mitteilen." Bereits im Februar hatte eine Comscore Studie eine ähnliche Debatte entfacht, als in der Analyse behauptet worden war, Google+-Nutzer würden pro Monat nur drei Minuten im Netzwerk verbringen, wohingegen Facebook seine Nutzer im gleichen Zeitraum 7,5 Stunden lang an sich binden könne.

Britische Beamte schnüffelten unerlaubt in Bürgerdaten

Zwischen April 2010 und Januar 2012 haben knapp tausend Beamte des britischen Arbeits- und des Gesundheitsministeriums unberechtigt auf vertrauliche Informationen von tausenden Bürgern zugegriffen. Das ist das Ergebnis auf eine Anfrage des TV-Sender Channel 4 an die britische Regierung. Das Informationsfreiheitsgesetz des Inselstaats sichert ein Auskunftsrecht auf derartige Anfragen zu.

Das fragliche Material lag in Behördendatenbanken, die Krankenakten, Polizeiberichte, Informationen zu Arbeitsverhältnissen und weitere Informationen enthielten. Allein der Datenbestand des Arbeitsministerium beinhaltet "ZDnet" zufolge Informationen über 100 Millionen Personen. Auf darauf zugreifen zu dürfen werden die 200.000 zuständigen Regierungsangestellten nach hohen Sicherheitsstandards überprüft.

Brisant sind die Zahlen auch, weil die Queen erst vor zwei Wochen die Einführung einer verpflichtenden und umfassenden Vorratsdatenspeicherung in ihrem Königreich angekündigt hatte. Sich wegen Hackern Sorgen zu machen, die illegal in Regierungssystem einbrechen würden, sei gar nicht nötig, meint "ZDnet" nun. Die Wahrscheinlichkeit sei größer, dass Regierungsangestellte selbst unberechtigten Zugriff auf Bürgerdaten nähmen.

Auch das noch:

  • Gerücht über Aufhebung von Facebooks Altersbeschränkung: Bislang war die Facebook-Mitgliedschaft vor allem aufgrund der strengen US-Gesetzgebung auf Personen beschränkt, die mindestens 13 Jahre alt sind. Weil aber schon jetzt eine große Zahl von Kindern unterhalb dieser Grenze beim Alter schummele und im Netzwerk aktiv sei, würden die Verantwortlichen eine Aufhebung der Altersgrenze erwägen, lauten Gerüchte. Eine offizielle Stellungnahme des Konzern gibt es nicht.
  • Apple hat sich die Domain "iPhone5.com" gesichert. Seit Sonntag gehört die vermutlich zum kommenden Apple-Smartphone passende Web-Adresse endgültig dem Konzern aus Cupertino. Zuvor hatte ein Domain-Händler die Adresse besessen. Informationen sind dort aber noch nicht zu finden, Besucher sehen nur eine leere Seite.
  • Keine Aero-Glass-Oberfläche in Windows 8. Mit Windows Vista eingeführt, gehört die Desktop-Oberfläche Aero Glass ab Windows 8 der Vergangenheit an. Microsofts kommendes Betriebssystem soll stattdessen ein Design erhalten, das mehr an der Kachellook der neuen Metro-Oberfläche orientiert ist.

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1. Die Überschrift
richsorge 22.05.2012
mal wieder - überhaupt nicht polemisch. Und überhaupt, wo ist hier der Aufschrei, eine große Firma greift sich eine andere Firma ab, um auf deren 17.000 Patente Zugriff zu haben. Oder liegt es etwa daran, daß es sich bei Google um eine amerikanische Firma handelt - und die dürfen das, was bei chinesischen Firmen immer für einen Aufreger gut ist...
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  • Richard Meusers schreibt als Autor für SPIEGEL ONLINE über die Digitalisierung.

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