Internetzensur China bremst offenbar WhatsApp aus

Schwerer Rückschlag für Facebook in China: Der vom Konzern aufgekaufte Messenger WhatsApp ist dort angeblich nicht mehr nutzbar. Der Dienst ist damit von einem der größten Märkte weltweit ausgesperrt.

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Die populäre Chat-App WhatsApp wird in China seit Montag weitgehend blockiert, berichtet die "New York Times" (NYT). Das Blatt beruft sich auf den Kryptografieexperten Nadim Kobeissi, der am Montag in Frankreich erklärt hat, dass der Versand von Textnachrichten über die App der Facebook-Tochterfirma in China weitgehend unterbrochen zu sein scheint.

Bereits seit Mitte Juli ist es in China zeitweilig nicht mehr möglich gewesen, über WhatsApp Bilder und Videos zu versenden oder Voice-Chats durchzuführen. Kobeissi, der das Start-up Symbolic Software betreibt, geht davon aus, dass es den Zensoren nun gelungen sei, eine Software zu entwickeln, die darauf spezialisiert ist, den Versand der von WhatsApp verschickten verschlüsselten Nachrichten zu stören.

Trotz dieser Maßnahmen sei es für manche Nutzer in China durchaus immer noch möglich, WhatsApp zu nutzen, zumindest theoretisch, wird ein chinesischer Internetexperte von der "NYT" zitiert. Das sei dann aber ein ausgesprochen unbefriedigendes Erlebnis.

Statt WhatsApp komplett zu sperren würden die Behörden den Dienst einfach derart verlangsamen, dass dessen Nutzung letztlich aufgegeben werden müsse. Diese Methode werde seit langem angewandt, um Internetnutzer in China dazu zu bewegen, chinesische Onlineangebote zu verwenden, die von den Behörden leichter überwacht und kontrolliert werden können als ausländische Dienste. Eine inländische Alternative zu WhatsApp wäre beispielsweise das chinesische WeChat.

Geldstrafen für Internetdienste

Erst im Januar hatte die chinesische Internet-Regulierungsbehörde eine Vorschrift eingeführt, wonach Anwender von Onlineforen sich mit Klarnamen beim jeweiligen Forumsbetreiber registrieren müssen. Seit Monaten geht die Regierung auch gegen sogenannte VPN-Apps und -Anbieter vor, die ein uneingeschränktes Surfen im Netz ermöglichen. Im August wurde Apple dafür kritisiert, auf Aufforderung der chinesischen Führung VPN-Apps aus seinem chinesischen App Store entfernt zu haben.

Nahezu zeitgleich mit der WhatsApp-Blockade wurde bekannt, dass Chinas Internetbehörde mehreren chinesischen Internetportalen hohe Strafen für einen zu laxen Umgang mit Inhalten aufgebrummt hat. Laut "CNBC" wurden gegen Tencents WeChat, das Onlineforum Tieba und die Microblogging-Seite Sina Weibo die maximal zulässigen Geldstrafen verhängt. Diese sollen jeweils 500.000 Yuan, umgerechnet etwa 64.000 Euro, betragen.

Den Unternehmen wird vorgeworfen, nicht genug gegen pornografische und gewaltverherrlichende Darstellungen sowie Fremdenhass unternommen und damit ihre Aufsichtspflicht verletzt zu haben. An einer nachhaltigen Wirkung dieser Strafen dürften jedoch Zweifel angebracht sein. Allein Tencents Jahresumsatz für 2016 wird von "CBC" mit 21,9 Milliarden Dollar angegeben.

mak



insgesamt 19 Beiträge
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vipclip 26.09.2017
1. Chinas "Meinungsfreiheit"
man stelle sich mal vor China wird 1. Weltmacht und zwingt der Welt ihre Vorstellung von Meinungsfreiheit auf, gruselig. China ist nun mal noch immer eine Diktatur, dort wurde die kommunistische Partei nie gestürzt oder abgesetzt.
ingo_horst 26.09.2017
2. Da haben Sie wohl Yuan gemeint
Diese sollen jeweils 500.000 (Yuan), umgerechnet etwa 64.000 Euro, betragen
08-15b 26.09.2017
3. Whatsapp in China?
Nutzt eh kaum einer, versprochen. Wechat ist vielleicht besser Überwachbar, aber vom Funktionsumfang einfach spürbar weiter.
quark2@mailinator.com 26.09.2017
4.
Tja, China schützt seine Bürger wenigstens vor ausländischer Spionage. Wär schön, wenn Europa das auch könnte. Ja, ich weiß, China spioniert natürlich selbst. Ich gehe aber davon aus, daß dies hierzulande unter bestimmten Umständen auch passiert und das zumindest die Verkehrsdaten auch permanent ausgewertet werden, damit man was hat, womit man arbeiten kann. Aber wieso müssen wir den USA alles geben ? Egal ob Windows, Android oder iOs, die ganzen Router, Suchmaschinen, Facebook, Twitter, Amazon, eBay, usw. ... alles geht über den großen Teich. Das hat strategische Ausmaße angenommen. Jeder Nachwuchspolitiker oder -manager ist mittlerweile transparent. Ich bin dagegen, das so weiterlaufen zu lassen, auch wenn es den Einzelnen teilweise die Bequemlichkeit kostet.
frenchie3 26.09.2017
5. Auch wenn die Strafen monetär
im Portokassenbereich sein mag - sie sind eine bewährte Maßnahme um nach zwei, drei Vorfällen beispielsweise eine Schließung wegen Wiederholungstaten zu rechtfertigen. China ist und bleibt eine Diktatur - und sie kommt auch uns immer näher
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