Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Verschärfte Aufsicht: China will Vorabkontrolle von Smartphone-Apps

Ohne Unbedenklichkeitsprüfung dürfen künftig keine Applikationen mehr in China veröffentlicht werden. Auf die Hersteller könnten teure und zeitraubende Prozeduren zukommen.

Chinesische Nutzer (Symbolbild): Hersteller sollen bei der Identifizierung helfen Zur Großansicht
Corbis

Chinesische Nutzer (Symbolbild): Hersteller sollen bei der Identifizierung helfen

Das chinesische Informationsministerium MIIT hat Pläne vorgelegt, die Herstellern von Smartphones neue Regeln zur Kontrolle der Rechtskonformität ihrer Geräte vorschreiben. Wie der "China realtime report" des "Wall Street Journals" berichtet, habe die Regierung im November entsprechende Unterlagen an die Welthandelsorganisation WTO weitergeleitet.

Auf der Basis eines Gesetzentwurfs vom Juni 2012 könnte es für ausländische Handy-Hersteller demnächst viel schwieriger werden, ihre Produkte im Reich der Mitte abzusetzen. Bevor Apple, Samsung, Nokia und Co. zukünftig ein neues Gerät auf den chinesischen Markt bringen können, verlangt Peking die Überprüfung, inwieweit es den Standards der chinesischen Kommunikationsgesellschaft entspricht.

Diese Vorschrift beziehe sich vor allem auf vorinstallierte Apps, die den Behörden noch vor ihrer Veröffentlichung zugänglich gemacht werden müssten. Um die Unbedenklichkeit ihrer Produkte sicherzustellen, seien umfangreiche Testläufe erforderlich. Überdies müssten die Hersteller die Regierung über jede Software-Aktualisierung informieren.

Außerdem enthält die Mitteilung an die WTO noch einen Passus, in dem es um die Identifikation von Smartphone-Nutzern geht. Die Gerätehersteller sind demnach gehalten, der Regierung bei der Identifizierung von Handy-Besitzern und ihrer Nutzung von Applikationen zu helfen.

Die kommenden Maßnahmen stellten den ersten Schritt Chinas dar, um den bislang ungezügelt und unreguliert wachsenden Markt der mobilen Anwendungen unter Kontrolle zu bekommen. Dabei handele es sich jedoch nicht um den Versuch Pekings, auswärtige Wettbewerber zugunsten von einheimischen Anbietern aus dem Markt zu drängen, merkt "The Register" an. Bereits im April 2012 hatte der MIIT-Vizedirektor Xiong Sihao zwei chinesische Mobilfunkanbieter wegen mangelnder Sicherheitsvorkehrungen kritisiert. Die App Stores von China Mobile und China Telecom wiesen zahlreiche Sicherheitslücken auf, trotz entsprechender Hinweise habe sich nichts Entscheidendes verbessert, so seinerzeit Xiong Sihao.

Nichtsdestotrotz könnten alle diese offiziell zur Steigerung der Sicherheit geplanten Maßnahmen nicht den Eindruck wegwischen, dass es den Behörden letztlich nur um den Ausbau des Überwachungs- und Zensurapparats gehe, resümiert "The Register".

meu

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Was
felisconcolor 05.12.2012
Zitat von sysopCorbisOhne Unbedenklichkeitsprüfung dürfen künftig keine Applikationen mehr in China veröffentlicht werden. Auf die Hersteller könnten teure und zeitraubende Prozeduren zukommen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/china-will-vorab-kontrolle-von-smartphone-apps-a-871056.html
geht es uns da NOCH gut. Ob sich die chinesische Regierung mit dem "höherziehen" der Mauer einen Gefallen tut. jajaja ist eh schon genug drüber geschrieben worden. und auf kurz oder lang wird sich wohl an der Methode der "Demokratisierung" in China nichts ändern. Andererseits scheint sich die Masse der Chinesen damit wohl auch arrangiert zu haben. Was es nicht gibt kann man auch nicht vermissen.
2. Das Ende kommt bestimmt
Stelzi 05.12.2012
Auch dieses mittlerweile lächerliche Regime wird eines Tages zum Teufel gejagt werden - dann nämlich wenn die Bürger die Schnauze voll von Korruption und Gängelungen dieser Art haben. Irgendwann ist es soweit.
3. Knebeln wo es geht
citropeel 05.12.2012
Dem Regime scheint der Allerwerteste mächtig auf Grundeis zu gehen. Dieses Regime ist völlig inakzeptabel.
4. Auf dem Weg in den Abgrund!
Niamey 05.12.2012
Zitat von sysopCorbisOhne Unbedenklichkeitsprüfung dürfen künftig keine Applikationen mehr in China veröffentlicht werden. Auf die Hersteller könnten teure und zeitraubende Prozeduren zukommen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/china-will-vorab-kontrolle-von-smartphone-apps-a-871056.html
Hier wird alles und jeder kontrolliert. Seit Monaten werden selbst VPN Tunnel gescannt. Damit das auch funktionniert werden diese Protokolle einfach gaaanz stark gebremst, daher der Datendurchsatz unerträglich langsam. iPhones und iPads die in China verkauft werden sind alle einer Person zuorden- und abhörbar. Aber auch hier wird es wie in anderen Ländern bald krachen. In Tibet zünden sich täglich mehrere Menschen an um gegen die chinesische Invasion zu demonstrieren.
5.
radbab 05.12.2012
Super. Die Youtube app auf meinem Chinesischen iPad geht eh nicht weil Youtube geblockt ist. Wozu dann noch zusaetzlich weg zensieren? Oder provoziert alleine das Icon? Aber egal. Wenn die Chinesen mal nicht mehr an ihre geliebten Apple produkte komment gibts eh ne Revolution.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Zum Autor
  • Richard Meusers schreibt als Autor für SPIEGEL ONLINE über die Digitalisierung.
Netzwelt auf Twitter

Über diesen Account erreichen Sie das Ressort und verpassen keinen Artikel.



Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Bei Amazon kaufen.
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: