Chongqing: China verspricht filterfreie Sonderzone für Cloud-Dienste

Twitter, Facebook, alle Google-Dienste - in einer Sonderverwaltungszone in der chinesischen Metropole Chongqing sollen bestimmte Unternehmen das Netz ohne Zensur-Instanz erreichen können. Die Behörden wollen Firmen anlocken, die Serverparks für Cloud-Anwendungen unterhalten.

China-Zentrale von Google: Lässt die Regierung das offene Internet zu? Zur Großansicht
AFP

China-Zentrale von Google: Lässt die Regierung das offene Internet zu?

Es soll der einzige Standort auf dem chinesischen Festland sein, an dem Computer direkt mit dem Internet außerhalb Chinas verbunden sind - ohne filternde Zwischeninstanz. Das berichtet das chinesische Staatsmedium "Global Times", das außenpolitische Blatt des KP-Organs "Volkszeitung". Der Artikel in der englischsprachigen Online-Ausgabe beschreibt den Aufbau einer Sonderverwaltungszone in der Stadt Chongqing, wo ausländische Unternehmen Rechenzentren für Cloud-Dienste aufbauen sollen.

Den Aufbau einer "Cloud Computing Special Zone" hatte die Stadtverwaltung in Chongqing schon im April angekündigt. Einer der ersten Investoren ist die Telekommunikations-Firma Pacnet, die einen Serverpark in der neuen Zone aufbauen wollte.

Warum nun staatliche Medien über die Befreiung von Zensur-Maßnahmen berichten, ist unklar. Die "Global Times" zitiert einen Analysten, der ausführt, dass diese Befreiung für Cloud-Dienste ja eigentlich gar nicht notwendig sei. Die Maßnahme gehe wohl eher auf Wünsche ausländischer Unternehmen zurück. Vielleicht ist das ein Erklärungsversuch für die Lockerung.

Über die geplante Aufhebung der Online-Zensur für ausländische Unternehmen in der Region hatte zuerst "Nanfang Zhoumo", eine Wochenzeitung aus Guangzhou, berichtet. Das Blatt fiel schon mit leicht von der Mainstream-Parteilinie abweichenden Berichten über Tibet auf.

Die Zeitung berichtete ( hier ein Scan der Originalquelle) über "Herausforderungen für die lokalen Behörden" durch das zensurfreie Netz in der Sonderverwaltungszone. Über die Motivation für den Artikel kann man nur spekulieren. Vielleicht will eine reformfreudige Fraktion in der Partei den Entwicklungsbedarf der Online-Redefreieheit thematisiert sehen?

Die der "Falun Gong"-Bewegung nahe stehenden Zeitung " Epoch Times" berichtet, dass der Artikel Aufsehen erregt habe und für Unmut sorge. In Web-Foren regten Kommentatoren sich darüber auf, dass der Staat ausländischen Firmen eine solche Sonderbehandlung zukommen lässt, während die chinesische Bevölkerung weiterhin nur auf eine vom Staat gefilterte Version des Webs zugreifen kann.

lis

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1. .
cekay 28.06.2011
So locken die Behörden Firmen an, denn ohne Facebook, Twitter, etc ist es extrem schwierig gerade solche Internet Techfirmen anzulocken. Die Jungs arbeiten eben mit allen Tricks.
2. Geschichten vom
richsorge 28.06.2011
Zitat von cekaySo locken die Behörden Firmen an, denn ohne Facebook, Twitter, etc ist es extrem schwierig gerade solche Internet Techfirmen anzulocken. Die Jungs arbeiten eben mit allen Tricks.
Märchenonkel. Die Sonderwirtschaftszonen haben Deng und Konsorten natürlich auch nur eingerichtet, um Investoren das Geld aus der Tasche zu ziehen. Selbstverständlich hat sich China auch nur geöffnet, um das Ausland in eine wohl überlegte Falle laufen zu lassen. Mann, auf wievielen Augen sind Sie eigentlich blind?
3. Okay, SPON
richsorge 28.06.2011
Zitat von sysopTwitter, Facebook, alle Google-Dienste - in einer Sonderverwaltungszone in der chinesischen Metropole Chongqing sollen bestimmte Unternehmen das Netz ohne Zensur-Instanz erreichen können. Die Behörden wollen*Firmen anlocken, die Serverparks für Cloud-Anwendungen unterhalten. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,770984,00.html
danke für die Info. Es ist ja auch deswegen interessant, weil man Chongqing mit seinem Umland vor nicht allzu langer Zeit zum größten Ballungsraum zusammen geschlossen hat - und zwar aus spezifischen wirtschaftsstrategischen Überlegungen heraus. Es geht darum, das hinterland chinas zu entwickeln um deas Gefälle zwischen Küstenregionen und innerchinesischen Gebieten abzubauen. Nun ein weiterer kontrollierter Schritt in die richtige Richtung. Interessant, was man sonst nicht offiziell vorgesetzt bekommt: Epoch Times, ein Lobbyblatt der Falun Gong-Sekte. Der Verrein unterscheidet im wesentlichen nicht von Scientolgy, das sollte noch ergänzt werden. Lesen Sie die einschlägig sich zu besorgenden Unterlagen im Internet genau durch. Ihr Richard Sorge
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