Mit Google-Software Microsoft will seinen Edge-Browser auf Macs bringen

Mit dem Webbrowser Edge hat Microsoft nie an den Erfolg des Internet Explorers anknüpfen können. Mit Hilfe von Google soll sich das bald ändern. Nicht nur Nutzer von Windows 10 könnten davon profitieren.

Microsofts Deutschlandzentrale in München
DPA

Microsofts Deutschlandzentrale in München


Der Microsoft-Browser Edge wird auch in Zukunft Edge heißen. Aber im Kern seines Programmcodes wird sich etwas fundamental ändern, wie das Unternehmen am Donnerstag (Ortszeit) offiziell bekannt gab: Statt weiter auf die hauseigene Rendering-Engine zur Darstellung von HTML und anderen Website-Elementen zu setzen, wird Microsoft künftig Software des Chromium-Projekts verwenden. Damit bestätigte Microsoft entsprechende Berichte vom Wochenanfang.

Chromium ist ein Open-Source-Projekt von Google und kommt unter anderem in Googles eigenem marktführenden Browser Chrome zum Einsatz, wie auch in Opera und Vivaldi. Microsoft möchte "signifikant zum Chromium-Projekt beitragen", um nicht nur Edge, sondern auch andere Browser zu verbessern, schrieb Microsoft-Vize Joe Belfiore.

Microsoft geht davon aus, dass Edge dann auch für Apples Betriebssystem macOS sowie für ältere Windows-Versionen, auf denen bisher nur der Vorgänger Internet Explorer läuft, verfügbar sein wird.

Mickriger Marktanteil

Der Umbau soll im Laufe des kommenden Jahres stattfinden. Nutzer würden dann weniger Darstellungsfehler oder andere technische Probleme mit Edge bekommen, die bisher entstehen, weil Webdesigner ihre Seiten manchmal nur für Chrome optimieren.

Edge hatte erst vor gut drei Jahren den betagten Internet Explorer abgelöst. Er kam nach Berechnungen der Marktforschungsfirma Statcounter zuletzt allerdings nur auf einen Marktanteil von 2,2 Prozent. Googles Chrome dominiert demnach mit knapp 62 Prozent.

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Microsofts Umstieg könne diesen Trend noch verstärken, warnte die Mozilla Foundation, Entwickler des konkurrierenden Browsers Firefox. "Microsoft überlässt Google noch mehr Kontrolle über das Online-Leben", kritisierte Mozilla-Chef Chris Beard. Vom geschäftlichen Standpunkt aus sei es zwar verständlich, dass Microsoft nicht länger auf seine eigene EdgeHTML-Technologie setzt. Aber es sei "schrecklich", wenn ein Unternehmen fundamentale Bestandteile der Online-Infrastruktur nahezu allein im Griff habe. Der Firefox-Browser kam laut Statcounter zuletzt auf einen Marktanteil von rund fünf Prozent.

Microsoft hatte mit dem Internet Explorer einst selbst die dominierende Position bei Webbrowsern. Sie wurde aufgebrochen, als zunächst Firefox und dann Googles Chrome auf den Markt kamen - und Apples Safari-Browser einen großen Anteil der Web-Nutzung auf iPhone, iPad und Mac übernahm.

pbe/dpa

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
frankzekert 07.12.2018
1. „Erfolg des Internet Explorer“ ???
Welcher „Erfolg“ ist denn hier gemeint? IE gejört anerkanntermaßen zur übelsten Sorte Software, die jemals nennenswerte Verbreitung gefunden hat. Dass sich irgendein Mac-Anwender nun „Edge“ auf seinem Rechner wünscht, kann ich mit mir beim besten Willen nicht vorstellen. „Profitieren“ könnte er davon jedenfalls nicht.
spon_5112961 07.12.2018
2. Google & MS aut‘m Mac???
Warum? Apples Wohlfühlpaket benötigr kein Google und kein Microsoft, außer Office vielleicht... Schätze mal ein nicht unerheblicher Teil der Mac-User fährt aus genau diesen Gründen mit Apple, und zwar gut und sicher.
swnf 07.12.2018
3. Wünschen zwar nicht, aber...
Zitat von frankzekertWelcher „Erfolg“ ist denn hier gemeint? IE gejört anerkanntermaßen zur übelsten Sorte Software, die jemals nennenswerte Verbreitung gefunden hat. Dass sich irgendein Mac-Anwender nun „Edge“ auf seinem Rechner wünscht, kann ich mit mir beim besten Willen nicht vorstellen. „Profitieren“ könnte er davon jedenfalls nicht.
...zumindest bin ich (Mac User) offen für mehr Vielfalt. Bisher fahre ich zu 99% mit Safari recht gut und vermisse kaum etwas. Opera und Chromium habe ich nur installiert, falls irgendeine Web-Seite etwas Zicken macht und ich testen will, ob es mit einem anderen Browser besser funktioniert. Sollte der neue "Chromium-Edge" Funktionen mitbringen, die Vorteile bringen und bei der Konkurrenz nicht vorhanden sind, dann würde ich ihm sicher auch eine Chance geben - die Wahrscheinlichkeit ist jedoch sehr gering!
rjsedv 07.12.2018
4. Monokulturen sind schlecht
Ich teile die Bedenken der Mozilla Foundation. Wie übel Monokulturen sind, haben wir bei Windows erlebt. So schlecht der IE auch ist bzw. war - er war eine Alternative und Hacker musste die berücksichtigen. Dazu Edge und ursprünglich auch Opera - vor dem Chromium-Abstieg und natürlich Firefox & Co. Ein Angriff bzw. eine Spionage war viel schwerer als es in einem Google-Monopol ist. Zumal Google selbst der größte Spion ist.
zeichenkette 07.12.2018
5. So ist das halt
Allen theoretischen Standards zum Trotz gibt es immer Software, die letztlich den Standard setzt und das war im WWW eine Zeit lang NCSA Mosaic, dann Netscape, dann der Explorer und heute sind es Chrome und im mobilen Bereich auch Safari (wegen der trotz des weit von einer Mehrheit entfernten Marktanteils überproportional starken Nutzung durch iPhone-User). Dass MS eingesehen hat, dass man dagegen mit einem neuen Browser einfach nicht ankommen kann, spricht für eine gesunde Realitätswahrnehmung.
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